DZ-Bank Frankfurt

Fotoschau „Road Map“ – die Motive liegen auf der Straße

Zu sehen sind Menschen und Momente, aufgenommen am Rande des Weges. Ausgewählt hat die Aufnahmen Alte-Oper-Chef Stephan Pauly.

Von Christian Huther

Ein gewagtes Experiment: Stephan Pauly, der Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper, kuratiert eine Fotoschau – und kann rundum überzeugen mit seinem Blick von außen. Allerdings hat Pauly „mehr komponiert als kuratiert“, meint Christina Leber, die Chefin der DZ-Bank-Kunstsammlung. „Ich höre sehr viel Musik in der Ausstellung“, so Leber, „auch die Anordnung der Bilder erinnert an Noten“. Rund 100 Bilder hängen bis 13. Juni mal hoch oder tief, mal eng getaktet nebeneinander oder mit Seh-Pausen weit auseinander.

Die Kunstsammlung der DZ-Bank umfasst 7330 Fotos, von den 30er Jahren bis heute, darunter allein 903 Werke zur Gattung der Straßenfotografie. Eine Auswahl von 120 Bildern war vor fast vier Jahren in den Rüsselsheimer Opelvillen zu sehen, danach auch in Cottbus und Erfurt, aber unter kunsthistorischem Aspekt. Um nicht eine zweite ähnliche Schau im Rhein-Main-Gebiet zu zeigen, entschied sich die Bank erstmals für einen „Kurator“ von außen. Der machte daraus eine völlig andere Ausstellung, auch wenn einige Bilder bereits in Rüsselsheim vertreten waren.

Denn Stephan Pauly hat ein starkes Faible für Fotografie. Er begeistert sich für die dokumentarischen Fotos des Ehepaares Becher ebenso wie für die schillernden Sujets von Wolfgang Tillmans. Pauly hatte für die Vorbereitung ein Jahr Zeit und baute sich sogar ein kleines Modell, um an Miniaturbildern die Schau zu entwickeln. Entschieden hat er sich dann für mehrere Strategien, denkt aber zuerst an den Betrachter. Dafür gibt es keine Chronologie, auch keine kunsthistorische Erläuterung.

So ist die Schau nach thematischen und formalen Aspekten gegliedert, nach rein grafischen Bildern oder dem „Hören auf den Raum“. Kommt der Besucher die Treppe hoch, findet er zu seiner Linken zerstörte Häuser. Und am Rand ganz unscheinbar Thomas Struths Schwarz-Weiß-Bild von New York aus dem Jahr 1978, das die Wolkenkratzer so penibel aufreiht wie Waren im Supermarkt; im Hintergrund ist das World Trade Center zu sehen. Daneben hängen die Fotos, die Ryuji Miyamoto nach dem Erdbeben im japanischen Kobe 1995 aufgenommen hat, mit zur Seite gekippten Häusern, während Abflussrohre und Masten nach wie vor stramm wie Soldaten stehen.

Gegenüber hat Pauly einen starken grafischen Akzent gesetzt, von Gerd Kittels Aufnahmen der Route 66 bis zu Robert Häussers rein aus Markierungen bestehenden Straßen. So reicht das Spektrum von Häussers abstrahierten Straßenfotos bis zu Pieter Hugos prallem Leben auf der Schotterpiste in Afrika. Hugo hat die mysteriösen „Hyänenmänner“ fotografiert, einfache Schausteller, die mit Hyänen umherziehen und sich mit allerlei Kunststückchen ihren Lebensunterhalt verdienen. Ein Kabinett gilt spielenden Kindern, die sich die Straße zurückerobern, darunter Helen Levitts berühmte Bilder aus den 40er Jahren. Ein zweites Kabinett widmet sich Demonstrationen wie der Love Parade oder einem NPD-Aufmarsch.

Und die Wand mit den Farbfotos erinnert an ein Notenblatt: Oben hängt Franco Fontanas rote Pariser Straße von 1979, daneben die viel größere und grüne Straßenszene, die Thomas Ruff im Jahr 1992 mit einem Nachtsichtgerät aufgenommen hat. Am besten aber hat Pauly die schwierigste Wand gemeistert. Auf der 22 Meter langen „Straße von Bildern“ lagern Penner im Hauseingang, daneben liegen Autos auf dem Dach, gefolgt von Blumen (als „Störer“) und ziellos durch die Stadt streifenden Jugendlichen, einem gigantischen Südaustralien-Foto von Wim Wenders, einer kleinen Achterbahn von Boris Becker – endlos könnte man weiter aufzählen. Ein Lieblingsbild hat Pauly nicht, erwähnt aber Fotografen, die ihm wichtig sind und mehrfach auftauchen, wie Angus Boulton mit den Pennern, Struth mit Hochhäusern und Will McBride mit Jugendporträts. Kurzum: An Pauly ist ein komponierender Kurator verloren gegangen.

Art Foyer, DZ-Bank Kunstsammlung, Cityhaus I, Friedrich-Ebert-Anlage, Frankfurt. Bis 13. Juni, dienstags bis samstags 11–19 Uhr. Freier Eintritt. Telefon (069) 74 47 23 86. Internet

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