Musik

Frankfurt: So war das Konzert von Revolverheld in der Festhalle

Unablässig in Bewegung: „Revolverheld“, die selbsternannte „Generation Rock“ aus Hamburg, bespielt und bespaßt die Frankfurter Festhalle.

Frankfurt - Knifflige Frage: Wann gilt eine Mehrzweckhalle wie die Festhalle eigentlich als ausverkauft? Auf der Homepage des Veranstalters hieß es jedenfalls: Wir haben keine Tickets mehr im Angebot. Ein Blick in die Festhalle, kurz bevor „Revolverheld“ mit lautem Peng zum Einstiegssong „So wie jetzt“ loslegt, genügt: Zwar tummelt es sich dichgedrängt im mit Sitztribünen und Stehplätzen aufbereiteten Innenraum. Auch der 1. Rang präsentiert sich mit Besucherscharen gefüllt. Hingegen komplett gesperrt ist der 2. Rang. Dass da eine Publikumslücke klafft, erweist sich für die euphorische Stimmung jedoch keineswegs als abträglich.

Auf seichter Welle

Mehrheitlich die Damenwelt hat sich versammelt. Mitunter ganze Frauenverbände. Assoziationen rund um den Begriff „Revolverheld“ wie handfester Wildwest-Haudegen oder schießwütiger Gunslinger hält das um zwei Tourneemusiker, zwei Chorsängerinnen sowie gelegentlich um Streicher ergänzte Kernquartett jedenfalls nicht stand. „Revolverheld“ gibt sich bei der zweiten Großarenen-Gastspielreise durch die Republik nach „MTV Unplugged in drei Akten“ im schrillbunten Hemden- und Jacken-Look zumeist handzahm schmusig und gefühlsintensiv. Daran ändert auch eine auf wüsten Punk getrimmte Nummer wie „Ich werde nie erwachsen“, das Bekenntnis „Immer in Bewegung“ oder eine stimmige Reinterpretation der Wir-sind-Helden-Hymne „Denkmal“ nichts.

In erster Linie kam der erkleckliche Kartenabsatz wohl zustande, weil der dominante Damenanteil im Publikum sich gewillt zeigt, von Frontmann Johannes Strate zärtlich Gegurrtes wie „Halt dich an mir fest“, „Ich lass für dich das Licht an“ und „Ich kann nicht aufhören, unser Leben zu lieben“ in die Öhrchen hauchen zu lassen. Ohnehin offenbart sich der mit Globuli-Dosen aus Punk, Britpop, New Wave und Hamburger Schule versetzte deutschsprachige Pop-Rock von „Revolverheld“ als massenkompatibler Hybrid. Auf seichter Pop-Welle zogen schließlich auch schon Mark Forster, Andreas Bourani, Philipp Poisel, „Rosenstolz“ oder „Ich + Ich“ in die Großarenen. Bei Musik ohne Haken und Ösen finden gleich mehrere Generationen an Musikkonsumenten auf kleinstem gemeinsamen Nenner zueinander.

Um ihr Entertainment möglichst abwechslungsreich auf der Hi-Tech-Bühne zu inszenieren, lässt „Revolverheld“ nichts unversucht: Auf einem halben Dutzend riesiger Projektionsflächen versendet sich die Bilderflut in Dauerberieselung bis in die letzten Hallen-Winkel. Alle vier, fünf Songs verhüllt sich die Kulisse, um einen stilistischen Themenwechsel anzukündigen. Im Akustikteil angekommen, dürfen direkt hinter der Band mehrere Dutzend Damen aus dem Publikum Platz auf Sitzkissen nehmen. Ein paar ganz mutige Herren haben sich auch untergemischt. Zwischendurch sorgen Luftschlangen, heftiger Konfettieinsatz sowie ins Auditorium gekickte Riesenbälle für Wow-Effekte.

In seiner Funktion als Frauenschwarm muss Sänger, Rhythmusgitarrist, Komponist und Texter Johannes Strate gleich mehrmals innige Tuchfühlung aufnehmen: Bei „Freunde bleiben“ hangelt er noch zaghaft am Absperrgitter direkt vor der Bühne herum. Direkt unters Publikum am anderen Hallenende begibt sich die um Sängerin Antje Schomaker aufgestockte Band für das Sangesduett „Liebe auf Distanz“ auf der Zielgeraden. Ganz allein singt Strate „Lass uns gehen“, dabei durchquert er einmal längs die Halle in Richtung Bühne unter Begleitung von Security. Auch für jede Menge Witz, Quatsch und Blödeleien aus dem improvisierten Stegreif zeigt sich der 39-Jährige verantwortlich. Allerdings im Tandem mit Gitarrist Kristoffer Hünecke – beide werfen sich gekonnt Stichwortbälle zu.

Das letzte Wort

Ohnehin muss man Strate attestieren, dass er maßgeblichen Anteil am Aufstieg von „Revolverheld“ von der Club- zur Großhallen-Attraktion hatte. Zeigte er doch monatelange TV-Präsenz: Als Coach mischte er bei „The Voice Kids“ mit, an der fünften Staffel des erfolgreichen Konzepts „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ nahm er ebenfalls teil. Ins Finale hat „Revolverheld“ ein „Zimmer mit Blick“, Titelsong des aktuellen Studioalbums. Johannes Strate: „Wir wollen alle ab heute liebevoller miteinander umgehen, okay?“

von Maximilian Steiner

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