Der Eros steht immer im Zentrum: Die Neonreklamen in der Frankfurter Taunusstraße zeigen an, wo es Liebe zu kaufen gibt. Aber auch das Verbrechen amüsiert sich im Bahnhofsviertel. Der Handel mit Drogen, gefälschten Papieren und Waffen blüht.
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Der Eros steht immer im Zentrum: Die Neonreklamen in der Frankfurter Taunusstraße zeigen an, wo es Liebe zu kaufen gibt. Aber auch das Verbrechen amüsiert sich im Bahnhofsviertel. Der Handel mit Drogen, gefälschten Papieren und Waffen blüht.

Krimi spielt im Rotlichtbezirk

Das Frankfurter Bahnhofsviertel als Mordkulisse

Auch der saarländische Fernseh-"Tatort"-Darsteller Gregor Weber hat jetzt in seinem Buch "Asphaltseele" Frankfurter Unterwelt-Stimmung erhascht.

Jakob Arjouni, mit 48 Jahren jung gestorben, war der Erste, der das Frankfurter Bahnhofsviertel als Schauplatz für seine Krimis wählte. Gut 30 Jahre ist es her, dass 1985 sein bekanntester Roman „Happy Birthday, Türke!“ erschien – und später von Doris Dörrie fürs Kino verfilmt wurde. Damals war das Bahnhofsviertel noch Schmuddelviertel. Mittlerweile dient es mit schicken Bars neben schäbigen Bordellen auch jenseits der eigentlichen Prostitution dem Durchschnitts-Frankfurter als bürgerliches Errregungspotenzial. Rotlichtviertel sind nun schick. Die Frankfurter Bahnhofsviertelnacht und das Hamburger Reeperbahn-Festival sind die größten und besten Beispiele dafür in Deutschland.

Viele weitere Bahnhofsviertel-Krimis sind seit Arjounis frühem Tod erschienen. Und Frankfurter Krimiautoren wie Jan Seghers („Die Braut im Schnee“) kommen schon gar nicht ohne ein bisschen Rotlichtviertel-Blinken aus. Jetzt hat auch Gregor Weber, einst saarländischer „Tatort“-Kommissar im Fernsehen, das Quartier rund um Hauptbahnhof, Elbestraße, Moselstraße und Main zum Schauplatz gewählt. Der Schauspieler ist schon vor einigen Jahren unter die Schriftsteller gegangen. In seinem neuen Werk „Asphaltseele“ lässt er nun den Frankfurter Kommissar Ruben Rubeck auf Verbrecherjagd gehen. In der Stadt, die Weber noch aus seiner Studienzeit gut kennt. „Ich habe ja vier Jahre in Frankfurt gewohnt, Anfang bis Mitte der 90er Jahre“, erzählt er. „Das Bahnhofsviertel war damals aus Sicht von uns Studenten die ,roughste’ Ecke in der Innenstadt von Frankfurt.“

Das harte Pflaster in „Asphaltseele“ ist die Heimat von Zuhältern, Drogendealern und manch anderen zwielichtigen Gestalten. Webers Krimi-Protagonist Ruben Rubeck soll diese Widersprüche Frankfurts widerspiegeln. Weber hat ihm eine Abstammung aus gutbürgerlichen Verhältnissen und einen alttestamentarischen Namen verpasst. Zugleich kommt der Ermittler ziemlich abgehalftert daher, wohnt selbst im Bahnhofsviertel, ist Alkohol und Rotlichtmilieu nicht abgeneigt. Wie kam Weber auf den Namen? „Ich hatte einen Schulkameraden, der mit Nachnamen Rubeck hieß. Und ich fand den Namen, der klang sofort nach Türeintreten und nach Robustheit“, erzählt er. Rubeck – „das war eine Mischung aus Erinnerung und Klang.“

Als Polizist strebt Rubeck in dem Kriminalroman nicht nach Höherem. Der 47-Jährige trägt immer noch den Rang eines Kriminalkommissars und möchte dienstlich am liebsten seine Ruhe haben. Das mit der Ruhe klappt aber nicht mehr, als Rubeck nach Feierabend in eine Schießerei im Bahnhofsviertel verwickelt wird. Plötzlich findet er sich mitten in einem Thriller und Verwirrspiel wieder, in dem auch ein LKA-Ermittler mitmischt. Und dann wird Rubeck noch von seiner Vergangenheit als Bundeswehrsoldat im Kosovo eingeholt.

Auch die Bundeswehr kennt Weber aus eigener Anschauung. Nach dem Abitur war der heute 49-Jährige bei der Marine, vor wenigen Jahren ging er als Feldwebel der Reserve nach Afghanistan und betreute dort Medienvertreter. Seine zehn Jahre als TV-Kommissar Stefan Deininger helfen ihm jetzt beim Schreiben. „Ich hatte die Chance, mich viel mit Polizisten zu unterhalten.“ Er habe dabei aufgeschnappt, wie Polizeiarbeit funktioniert. Über die Schauspielerei habe er viel über Dialoge oder den Spannungsaufbau von Szenen gelernt. „Das hat mir auf jeden Fall viel Grundhandwerkszeug mitgegeben, auf dem ich dann beim Schreiben aufbauen konnte“, sagt Weber.

Der Krimi „Asphaltseele“ ist nicht Webers erster Krimi. Zuvor hatte er zwei Bände mit Ermittler Kurt Grewe geschrieben. „Der hat sich aus Verlagssicht wohl nicht gut genug verkauft, um auf eine Fortsetzung zu vertrauen“, räumt Weber ein. Vielleicht hilft ja nun Frankfurt: Die ersten beiden Krimis hatten in einer erfundenen Stadt gespielt – nun ist das Bahnhofsviertel zum Tatort geworden.

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