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Ariadne (Christina Nilsson, rechts) wird bespaßt.

Wiederaufnahme

An der Frankfurter Oper steht jetzt wieder „Ariadne auf Naxos“ auf dem Spielplan

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Für die Inszenierung des Richard-Strauss-Stücks durch Brigitte Fassbaender gab es Beifallsstürme. Die Schwedin Christina Nilsson sang die Titelrolle.

Innerhalb weniger Wochen bot der Spielplan der Wiederaufnahmen also den direkten Vergleich zweier Fassbaender-Inszenierungen großer Richard-Strauss-Werke. Beide stellen sie ja „Theater im Theater“ dar: „Capriccio“ das Verhältnis zwischen Musik und Worten, „Ariadne“ die Verschmelzung zwischen Tragödie und Komik. Alles muss mit einem Mal auf die Bühne – eines albernen Feuerwerkes wegen, mit dem sich ein eitler Neureicher in Szene setzen möchte. Strauss und Hofmannsthal gaben auch hier der morbiden Wiener Gesellschaft eine kräftige Watschn.

Der Regisseurin gelang dabei besonders in diesem Vorspiel eine überzeugende Darstellung der überzeichneten Charaktere. Wem am Anfang bei den zahlreichen Akteuren auf der Bühne, allen voran der geckige Haushofmeister und die bunte Schauspieltruppe, die Orientierung fehlen sollte, kann sich der Schildchen an den Umkleidezimmern bedienen. Hier ist Ariadne, dort Zerbinetta, Hofmusikmeister und Komponist erkennt man sorglos am schwülstigen Konversationston.

Schon bei ihrer Premiere 2013 war Fassbaenders „Ariadne“ ein gewaltiger Erfolg. Nun wurde diese Inszenierung zum zweiten und letzten Mal wieder auf den Spielplan gesetzt. Man sollte sich also beeilen, wenn man das gute Stück noch einmal erleben möchte, nicht nur des famos mit räumlichen Effekten spielenden Bühnenbildes (von Johannes Leiacker) wegen.

Für die Titelrolle steht die schwedische Sopranistin Christina Nilsson zur Verfügung, die trotz ihrer jungen Jahre für exponierte Partien prädestiniert scheint. Sie arbeitet derzeit an ihrem „Aida“-Image (in der heimatlichen Oper zu Stockholm), wird aber auch eine gefragte „Ariadne“ werden (Lausanne hat sie schon gebucht). Woran ihre Beliebtheit festgemacht werden kann, wurde bei der Wiederaufnahme in mehrerlei Hinsicht deutlich: Ihre klare und bis in große Höhen bezwingend schlanke Stimme macht sie für die typischen Strauss-Partien zu einem großen Gewinn. Dazu kommt die reife darstellerische Ausstrahlung dieses sehr kompakten Wesens.

Auch sonst kann sich das Solistenensemble sehen und hören lassen. Elizabeth Sutphen als Zerbinetta, Paula Murrihy als Komponist, vor allem aber der hingebungsvoll-komische Harlekin, der von Mikolaj Trabka Format und Klasse erhielt, boten besonders im ersten Teil eine wirkungsvolle Einheit. Florina Ili, Zanda Svede und Angela Vallone ließen die drei Nymphen Najade, Dryade und Echo in liebenswertester Form Wirklichkeit werden. Und die (wichtigen) Nebenrollen eines Hofmeisters (Michael Benthin), Perückenmachers (Thomas Faulkner) und Tanzmeisters (Michael McCown) waren mit Bedacht ausgewählt und besetzt worden.

So ist auch „Ariadne auf Naxos“ als wichtiges Glied einer Kette bedeutender Strauss-Inszenierungen in Frankfurt in den vergangenen zehn Jahre zu sehen. Das Opernorchester, das diesmal unter der couragierten Leitung von Christoph Gedschold stand, hatte mit großem Format in kleiner Besetzung daran seinen gebührenden Anteil.

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