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Amy Shark fand in Frankfurt viele Freunde.

Indie-Folk

Romantikerin und Racheengel: So war das Konzert von Amy Shark im Frankfurter "Zoom" Club

Sie kommt von Down Under und ist ganz obenauf: Nach einem Nummer-1-Album in Australien will Amy Shark Europa erobern.

Frankfurt - „Wenn ich geahnt hätte, dass ich hier in Frankfurt so viele Freunde habe, wäre ich schon viel früher gekommen“, lässt Amy Shark ihren Blick sichtlich erfreut über ihr Publikum im gut besuchten „Zoom“ schweifen. Aber die 32-jährige Sängerin hätte vorher gar keine Zeit gehabt, um den halben Erdball zu jetten. Erst mal galt es, ihre schnellen Erfolge Down Under auszukosten.

Nach der Auszeichnung mit dem „Queensland Music Awards“ tourte sie durch ihre Heimat, hatte einen Singlehit. Ihre Debüt-EP schaffte es auf Anhieb auf Platz 2 der CD-Charts, im Sommer 2018 noch getoppt vom vergoldeten Album „Love Monsters“ und dem Gewinn eines hochdotierten Songwriter-Wettbewerbs.

Viele Vorschusslorbeeren also für Amy Shark (bürgerlich Amy Louise Billings), die ihr Konzert mit „Blood Brothers“ eröffnet. Wie jüngst bei den Konzerten der Kolleginnen Anna Calvi und Alison Moyet setzt auch die Australierin auf nur zwei Begleiter an Keyboards und Schlagzeug. Bass und Gitarre kommen sporadisch dazu. Eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Bei Moyet klang es synthetischer, dafür haben ihre Songs schon ihre Nachhaltigkeit unter Beweis gestellt. Calvi überzeugte mit Dynamik und emotionaler Intensität. Wo sich Shark auf Dauer zwischen den Polen Kunst und Kommerz positionieren wird, muss die Zukunft zeigen. Mit viel Charme bringt sie als imposante Erscheinung ihre Musik souverän auf die Bühne. Ihre spezielle Intonation erinnert dabei mitunter an Alanis Morissette.

Der Indie-Folk-Szene an der Gold Coast wird sie zugerechnet. Folkig ist aber nur der Klang der akustischen Gitarre bei „Psycho“, „Leave Us Alone“ oder der Coverversion des „Wheatus“-Hits „Teenage Dirtbag“. Der Indie-Charakter ist längst dem Mainstream-Potential gewichen. Nicht erst am Ende des Abends, wenn ihre erfolgreichen Auskopplungen „Adore“ und „I Said Hi“ erklingen, singen ihre Fans genüsslich mit. „Seid ihr bei mir, Frankfurt?“ ist eher eine rhetorische Frage. Amy und ihre Anhänger scheinen sich gesucht und gefunden zu haben. Viele junge Frauen sind im „Zoom“. Ihnen bietet Shark Identifikationspotential.

Smart und selbstbewusst ist sie, eine ihrer Botschaften lautet: Lasst euch von den Schwachköpfen, denen ihr begegnet, nicht ins Bockshorn jagen, glaubt an euch selbst. Eine Romantikerin und ein Racheengel. Wenn die junge Frau einem Ex-Boyfriend mit „The Idiot“ ein zweifelhaftes Denkmal setzt, ist sie angriffslustig wie ein gereizter Hai. Ansonsten hat ihre Performance die therapeutische Wirkung eines Schwimmens mit Delfinen.

von Detlef Kinsler

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