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Ist’s das Geld oder ist’s Liebe? Elizabeth Reiter (Valencienne) und Matthew Swensen (Camille) in der "Lustigen Witwe"

Operette

Franz Léhars heiteres Bühnenwerk steht wieder im Frankfurter Spielplan

Oper Frankfurt: Die Wiederaufnahme der melancholischen „Lustigen Witwe“ von Claus Guth gelingt temperamentvoll und reibungslos.

Schmerzlich fehlt in dieser Inszenierung ein überzeugendes Operettentraumpaar Hanna und Danilo. Denn Kirsten MacKinnon und Christoph Pohl agieren, tanzen und singen ohne mitreißende Passion.

Für Marlis Petersen, die umjubelte Hanna Glawari der Premierenserie, trifft eine unter Musikjournalisten inflationär gebrauchte Beschreibung ausnahmsweise zu. Sie ist wirklich eine „Ausnahmesängerin“ in der Deutschen Opernlandschaft und völlig zu Recht von der Fachzeitschrift „Opernwelt“ dreimal zur Sängerin des Jahres gekürt worden. Kein Wunder, dass Regisseur Claus Guth seinen raffinierten Operettenfilm im Mai ganz auf sie zugeschnitten hatte.

Mit dem Ergebnis, dass bei den Szenen zwischen ihr und Ensemblemitglied Iurii Samoilov als Graf Danilo die Bühnenluft brannte. Aber ach, tempi passati. Frankfurt kann sich im Nachhinein nur glücklich schätzen, Marlis Petersen als desillusionierte Hanna Glawari erlebt zu haben. Für ihre pointierte Darstellungskraft, ihre einmalige Stimme und ihre stupende Eigenwilligkeit Ersatz zu finden, ist nicht leicht. Denn so elegant, so reizend, so innig leidend Kirsten MacKinnon in ihrem Rollendebüt versucht, Glanz und Glamour eines versäumten Liebeslebens zu beglaubigen: Es gelingt ihr nicht, sich vom dominanten Schatten ihrer Vorgängerin zu befreien. Auch Christoph Pohl macht seine Sache sonor und sicher und lässt seinen noblen Bariton blühen. Aber er verlässt sich zu sehr auf die Attitüde eines Elder Statesman, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Das ist vor allem eins: trocken.

Klaus Haderer und Elizabeth Reiter überzeugen in der Oper Frankfurt

Zum Glück aber gibt es wieder so viel Gelungenes auf dem Filmset beim Operettendreh zu entdecken: Zum einen ein Wiedersehen mit dem wunderbar wuseligen Österreicher Klaus Haderer, der als Botschaftsfaktotum Njegus und enervierter Filmregisseur in Personalunion überzeugt und diesmal auch blendend zu verstehen ist. So dass keine seiner überkandidelt kredenzten „olde G’schicht“ und „Goscherl“-Schimpftiraden in Franz Lehár-Musikseligkeiten untergehen.

Noch überzeugender als in der Premierenserie malt Elizabeth Reiter ihre zickige Valencienne aus. Gerade ihre akrobatischen Sanges- und Tanzeinlagen als plüschige Grisette macht ihr so schnell keine nach. Ihr zur Seite als hingebungsvoller Camille de Rossillon debütiert Matthew Swensen. Der US-Tenor überzeugt zwar mit drolliger Verknalltheit, wirkt aber tenoral wieder mal arg gebremst. Großes Lob den Leitern der komplizierten Wiederaufnahme Nina Brazier und Axel Weidauer, dem mitreißenden Chor und den perfekten Tänzern und Pariser Grisetten. Hartmut Keils Dirigat steht dem von Joana Mallwitz in nichts nach.

Einer fehlte beim frenetischen Schlussapplaus: Regisseur Claus Guth. Erst beim zweiten Besuch lassen sich all die kunstvoll verschachtelten Ebenen seiner klugen Kaleidoskop-Sicht auf Lehárs Operetten-Evergreen in ihrer ganzen Raffinesse erfassen.

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