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?Design ist immer Zeitgeist in Form und Funktion?, sagt Felix Kosok, hier in seiner Wohnung im Frankfurter Nordend.

Kreative Köpfe

Frische Inspirationen holt sich Felix Kosok auch von Instagram

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine Region kreativer Köpfe. Wir stellen in loser Folge junge Designer vor, die mit ihren Ideen die Welt von morgen mitgestalten. Heute: der Frankfurter Felix Kosok und sein „Studio 069“.

„Mein Büro ist, wo ich meinen Computer aufklappen kann.“ Felix Kosoks Büro ist an diesem dunklen Winternachmittag in seiner Wohnung im Frankfurter Stadtteil Nordend. Der 29-jährige Designer macht einen freundlichen und aufgeräumten Eindruck. Er trägt Sweatshirt, Sporthose und Turnschuhe – und eine pinkfarbene Mütze auf dem Kopf. Auf dem Sweatshirt ist „069“ aufgedruckt – die Telefonvorwahl von Frankfurt und Offenbach. Die Vorwahl trägt der gebürtige Frankfurter sogar als Tattoo.

Auch sein Designstudio benannte Kosok entsprechend. Das „Studio 069“ gründete er 2016, nach seinem Studienabschluss an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG). Kosoks erster eigenständiger Auftrag war die Gestaltung einer Publikation zum 30. Geburtstag der Schirn Kunsthalle. Das Buch ist sehr visuell, es wirkt jung und knallig – lange Texte sucht man dort vergebens. Stattdessen gibt es kurze Zitate und Bilder zu 30 Aspekten aus Geschichte und Gegenwart der Schirn. Die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle beschreibt Kosok als „Ping-Pong-Spiel“ und meint damit einen beständigen Austausch von Ideen und Skizzen.

An seine Aufträge geht Kosok spielerisch und offen heran: „Meistens versuche ich, vom Thema her zu denken, skizzenhaft-frei verschiedene Alternativen durchzuspielen.“ Nach frischen Inspirationen schaut er beispielsweise auf Instagram. Dem Auftraggeber präsentiert Kosok meist drei Entwürfe. Dabei sei dessen Feedback wichtig. „Ich mag es, wenn man den Auftraggeber gut kennt, um mit ihm Gedankenexperimente machen zu können“, sagt Kosok. Seinen Tag beginnt er mit Sport, erst dann setzt er sich an den Schreibtisch. Konstante Arbeitszeiten hat Kosok nicht: „Man arbeitet manchmal die Nacht durch. Dann gibt es wieder Tage, wo nichts ist.“

Regelmäßig gestaltet Felix Kosok Plakate zu aktuellen politischen Themen. Zu sehen sind sie auf seinem Instagram-Account (flx_studio069). Überholt ist das Medium Plakat seiner Ansicht nach keineswegs. Im Gegenteil: „Es gibt eine

Renaissance des Plakats

durch das Internet“. Dort kriege man zum einen direktes Feedback. Auch könne sich das Plakat im besten Fall von selbst verteilen. Ende Oktober postete Kosok ein Plakat, auf dem „No no, no no no no, no no no no, no no there’s no limit!“ zu lesen war. Der Text stammt aus „No limit“, einem 1993 veröffentlichten Eurodance-Klassiker der niederländischen Band „2 Unlimited“. Das Plakat könnte man als Absage an eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen lesen. Das legen auch einige der beigefügten Hashtags nahe: #obergrenze und #refugeeswelcome.

In ihrer grafischen Klarheit lassen Kosoks Plakate an Gestalter wie Gunter Rambow, in ihrer politischen Entschiedenheit wiederum an Klaus Staeck denken. Sie sind ein Teil von Felix Kosoks Promotionsprojekt an der Hochschule für Gestaltung. Daran arbeitet er seit Frühjahr 2016. Betreut wird Kosok vom Kommunikationsdesigner Klaus Hesse und der Philosophin Juliane Rebentisch. Das Promotionsprojekt trägt den Arbeitstitel „Design und Demokratie“. Kosok möchte untersuchen, „wie Design in der Gesellschaft wirkt und was gutes Design ausmacht“. Es geht dabei unter anderem um die politische Dimension von Grafik- und Produktdesign. „Design ist immer Zeitgeist in Form und Funktion“, sagt Kosok.

Gestaltung könne, fügt er hinzu, auch „einen kritischen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten“. Im Frühjahr 2017 entwarf Felix Kosok Flyer und Plakate für das Projekt „New Citizens“. An mehreren Gebäuden im Frankfurter Stadtraum waren etwa zwei Monate lang großformatige Fotoporträts von Geflüchteten zu sehen. Initiiert wurde das Projekt von den Kuratorinnen Juliane von Herz und Aileen Trensch, die Fotografien stammten von Vitus Saloshanka.

Neben seiner Arbeit als Designer und seiner Promotion unterrichtet Kosok am Lehrgebiet Konzeptionelle Gestaltung der HfG. Den Nachwuchsdesignern bringt er jedes Semester einen Philosophen näher. Die Studenten gestalten dazu und zu aktuellen Bezügen Plakate.

Angefangen hatte der Lehrauftrag mit Immanuel Kant, im laufenden Wintersemester ist Karl Marx an der Reihe. Es wurden schon Ausschnitte aus dem „Kapital“, aber auch das ganze „Kommunistische Manifest“ gelesen. „Ein Thema ist, wie Marx wohl die Digitalisierung und die Möglichkeit von arbeitenden Robotern gefunden hätte“, berichtet Kosok. Sein Promotionsprojekt möchte er unterdessen bis 2019 abschließen.

Wo er danach seinen Computer aufklappen wird, steht noch nicht fest. Am liebsten würde Kosok selbstständig arbeiten: „Ich glaube nicht, dass ich in einer großen Agentur angestellt sein will“. Der Designer hat aber noch andere Optionen: „Mal schauen, wo mich der akademische Teil meiner Karriere hinbringt.“

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