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Die gläsernen Wolkenkratzer üben eine große Faszination auf die Ausstellungsbesucher aus.

Ausstellung

Fröhlich blinken die Wolkenkratzer vor sich hin

In der Mainlobby des Frankfurter Taunusturms, gleich neben dem MMK 2, zeigt der Künstler Tobias Zaft, inspiriert von Peking-Aufenthalten, eine durchsichtige Wolkenkratzerstadt.

FlexiPolis heißt das Acrylglas-Hochhaus-Ensemble auf Stelen, zwischen 85 Zentimeter und 2,30 Meter hoch, in der riesigen Mainlobby wirkt es fast etwas verloren und ist doch ein Eyecatcher. Fröhlich blinken diese Türme vor sich hin. Der Clou: Man kann sich per Handy einloggen und dann über Intensität und Farbe der Beleuchtung mitbestimmen. Eine digital gesteuerte, durchsichtige Stadt, an der man zwar partizipieren kann, wie genau, ist aber nicht klar. Das erinnert natürlich an wirkliche Städte, die ja auch stets große Versprechungen sind: Komm in die Stadt, locken sie, hier ist immer etwas los und alles viel intensiver und prächtiger als draußen, wo das Leben öde ist und leer.

Aber ist das wirklich so? Erfüllt die Stadt diese Versprechen? Ist der Mensch nicht allzu oft eine Ameise, die sich verwirrt durch den sprichwörtlichen Großstadtdschungel kämpft – und doch heimgesucht wird vom

Gefühl der Leere

und Sinnlosigkeit? Wird ihm nicht gerade hier oft bewusst: Du magst zwar ein Teil sein, aber du bist unwichtig, und niemand wird dich je beachten?

Der Künstler selbst hat Einsamkeitserfahrungen in Peking gemacht, wo er für mehrere Jahre lebte, und hält mit seiner durchsichtig-leeren Acrylstadt den wirklichen Städten einen Spiegel vor. Tobias Zaft geht sogar noch weiter, kritisiert das grenzenlose In-die-Höhe-Streben, fragt sich: Wohin soll das Wachstum führen? Ein wenig pikant ist es, dass er seine Kritik ausgerechnet in einem Wolkenkratzerfoyer platziert, das selber mit seiner Durchmischung von Wohn- und Geschäftsetagen prototypisch für den dynamischen Wachstumsgedanken und das Glücksgefühl steht, als moderner Mensch in einem hippen City-Gebäude leben und arbeiten zu dürfen. Offenbar ist es so, dass der Städter ein bisschen Kritik ganz gut aushält. So richtig weh tut sie ja auch nicht, sie blinkt schick, und digital einloggen darf man sich auch.

Zaft selber hat sich nach seinem Peking-Schock entschieden, in Deutschland aufs Land zu ziehen. Ob sich das besser anfühlt, als im Hochhaus-Moloch zu leben, wissen wir nicht. Die gläserne Kuhweiden-Installation steht noch aus. wol

FlexiPolis

Mainlobby, Taunusturm Frankfurt, Taunustor 1–3. Bis 23. März, täglich 8 bis 21 Uhr. Eintritt frei

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