+
Felix Kramer und Fahri Yardim spielen in „Dogs of Berlin“ zwei Polizisten, die sich nicht ausstehen können. Freilich müssen sie gemeinsam Verbrechen in der Berliner Unterwelt aufklären. Ein Beagle gehört mit zum Team.

Netflix

Gangster-Serie "Dogs of Berlin" spaltet die Nation

Die Serie „Dogs of Berlin“ über kriminelle Clans in der Hauptstadt gehört zu den meistgestreamten Serien. Im Mittelpunkt sehen zwei Polizisten und ein Hund.

Vielleicht hat „Dogs of Berlin“ gerade TV-Geschichte geschrieben. Wer die unzähligen Verrisse zum Start gelesen hat, fragt sich: Gab es jemals eine deutsche Serie, die in einen größeren Shitstorm geraten ist? Für Kritiker ist die nach „Dark“ zweite deutsche Produktion des Streamingdienstes Netflix „peinlich“ („Spiegel Online“) oder „Proll-TV für Halbstarke“ (Deutschlandfunk).

Komisch ist nur, dass die Netflix-Nutzer die zehnteilige Reihe trotzdem streamen. Laut Quotenmeter.de war „Dogs of Berlin“ mit einer Reichweite von mehr als zwei Millionen Zuschauern Mitte Dezember eine der vier erfolgreichsten Serien. Wer einmal mit „Dogs of Berlin“ angefangen hat, kann kaum aufhören. Die für manche „schlechteste deutsche Serie“ ist in Wahrheit ziemlich gutes Popcorn-Kino für Zuhause und mit Sicherheit die bislang größenwahnsinnigste Produktion hierzulande. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen bei Regisseur Christian Alvart, der die Fernsehnation bereits mit seinen vier „Tatort“-Folgen mit Til Schweiger alias Nick Tschiller gespalten hat.

Arabische Familien

Die Idee zu einer Serie über kriminelle Clans in Berlin hatte der gebürtige Südhesse bereits 2009. Dann erschien jedoch die TNT-Produktion „4 Blocks“, die so packend und authentisch von arabischen Familien in Neukölln erzählte, dass Zuschauer und Kritiker sprachlos waren. Wenn „4 Blocks“ so etwas wie die heimische Version der „Sopranos“ ist – der US-Produktion, mit der die goldene Ära des seriellen Erzählens begann – ist „Dogs of Berlin“ eine Art deutsches „24“. Wie in der Agentenserie mit Kiefer Sutherland als Jack Bauer fragt man sich oft: Hätte es nicht eine Nummer kleiner sein können? Zugleich ist man aber froh, dass das ganz große Rad gedreht wird. Es geht ja nicht nur um Araber-Clans, sondern auch um den Tod eines deutsch-türkischen Fußball-Nationalspielers, der in Wettmanipulationen verwickelt ist, um Sex- und Drogen-Eskapaden seiner kickenden Kollegen und Neonazis.

Erstklassige Schauspieler

Die einzigen, die das Böse aufhalten können, sind zwei Polizisten, die sich nicht ausstehen können: ein Ex-Nazi mit Wettschulden (Felix Kramer als Kurt Grimmer) sowie ein schwuler Deutschtürke (Til Schweigers Kumpel Fahri Yardim als Erol Birkan).

Wie gesagt: Alles ist riesig in „Dogs of Berlin“, auch die Klischees. Trotzdem entwickelt die Serie einen unglaublichen Sog. Das liegt auch an den erstklassigen Schauspielern. Besonders toll sind Anna Maria Mühe als Hartz-IV-Mama sowie Katrin Sass als Neonazi-Oma. Und es liegt an den apokalyptischen Bildern des Korbacher Kameramanns Frank Lamm, der für „Bad Banks“ für den Deutschen Fernsehpreis nominiert wurde. Zwischen dem ganzen Action-Spektakel, dem Gastauftritt von Rapper Haftbefehl und Popkultur-Verweisen (von „Matrix“ bis „Schimanski“) geht es auch um moralischen Fragen: Wie böse dürfen die Guten sein, um die Welt vom Bösen zu befreien? Während deutsche Kritiker damit nicht viel anfangen konnten, kommt „Dogs of Berlin“ international gut an.

Der englische Blogger Jon Smalldon lobte, die Serie sei ein „Page turner für den Bildschirm. Unbedingt anschauen“. „Dogs of Berlin“ hat also noch einen Superlativ verdient: Keine TV-Produktion spaltet derzeit so sehr wie diese Serie.

von MATTHIAS LOHR

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare