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Zwei, die sich prächtig verstehen: Geigerin Lisa Batiashvili und Dirigent Yannick Nézet-Séguin im Wiesbadener Kurhaus.

Rheingau-Festival

Die Geige tanzt Furiant

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Die georgische Star-Violinistin Lisa Batiashvili und der kanadische Star-Dirigent Yannick Nézet-Séguin übertrumpften sich beim Gastspiel im Kurhaus Wiesbaden gegenseitig an Temperament.

Es war noch unter Karajan: Vor mehr als 40 Jahren spielten die Berliner Philharmoniker zuletzt im prunkvollen Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses. Nun gab es auf Einladung des Rheingau-Musik-Festivals ein Wiedersehen mit dem Elite-Ensemble. Und was für eines! Es wurde ein Abend, der an Virtuosität, aber auch Tiefgang kaum zu überbieten war.

Stiegen die Berliner Philharmoniker einst, von Herbert von Karajan auf perfekt-disziplinierten Schönklang getrimmt, zum weltweiten Vorzeige-Orchester auf, sind heute andere Qualitäten gefragt: Natürlichkeit im Klang, lebendiges Gestalten und Spontaneität heißen die Maximen. Und da ist der kanadische Pultstar Yannick Nézet-Séguin, der kürzlich erst mit den Wiener Philharmonikern in Frankfurts Alter Oper Furore machte, als Gastdirigent bei den Berlinern genau der Richtige. Was er an Finessen aus der allseits bekannten „Moldau“ von Smetana herausholte, war frappierend: So naturalistisch-quirlig hat man die Flöten in dieser sinfonischen Dichtung schon lange nicht mehr gehört. Im Silberglanz der Streicher schimmerte geheimnisvoll der Mondschein beim Nymphenreigen, ungemein plastisch traten die Stromschnellen hervor.

Zum mitreißenden Höhepunkt des Programms, das wenige Tage zuvor auf der Berliner Waldbühne zu erleben war, aber geriet Dvoráks Violinkonzert mit der Georgierin Lisa Batiashvili. In Temperament und Virtuosität schienen sich hier die Violinistin und der Dirigent gegenseitig zu übertreffen. Die Spannkraft von Batiashvilis intensiv leuchtendem Ton, der von intimster Zartheit bis zu nobler Grandezza anschwellen kann, schien sich unmittelbar auf den Dirigenten und das Orchester zu übertragen. So konnten die Energieströme ungehindert fließen, der Klänge verschmelzen – und der böhmische Furiant im Finalsatz hatte rhythmisches Feuer wie nie. Da passte die Solo-Zugabe der Geigerin, ein rasantes Schmankerl des georgischen Komponisten Aleksi Matschawariani, bestens.

Sonnig, überschwänglich und beseelt – so ging es nach der Pause weiter mit Dvoráks sechster Sinfonie. Dass dieses Werk vom Nationalstolz des Komponisten durchtränkt ist, spürt man an den vielen eingearbeiteten Volkstänzen. Doch Nézet-Séguin und die Berliner Philharmoniker ließen sich nicht von falschem Pathos verführen. Am Ende „Standing Ovations“ und Dvoráks unverwüstlicher Slawischer Tanz Nr. 8 als Rausschmeißer.

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