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Der britische Singer-Songwriter George Ezra spielte zum Auftakt seiner Tournee in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Jahrhunderthalle

George Ezras Auftritt in Frankfurt gleicht einer Partysause mit Tiefgang

Upgrade gemeistert: George Ezra, britischer Singer-Songwriter mit Herz und Bass-Bariton, gelingt der Aufstieg vom Club in die Mehrzweckhalle.

Als George Ezra 2014 mit seinem Debütwerk „Wanted On Voyage“ hierzulande als „Next Big Thing“ von der Insel annonciert wurde, absolvierte er seine Rhein-Main-Premiere quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit: im klitzekleinen Cub „Ponyhof“ in Alt-Sachsenhausen. Vier Jahre später verkauft der britische Singer-Songwriter schon Wochen im Voraus die nicht gerade kleine Jahrhunderthalle aus, kann es sich leisten seinen jüngeren Bruder Ethan unter dem Pseudonym „The Ten Tonnes“ im Vorprogramm unterzubringen und sorgt zudem auch noch für handfesten Kreischalarm. In die Mehrzweckhalle an der Pfaffenwiese verteilt, findet sich ein repräsentativer Querschnitt der deutschen Gesellschaft von fast allen Altersstufen.

Allerdings entdeckten mittlerweile auch erkleckliche Teen-Mädchen-Horden das putzig dunkelblonde Multitalent für sich. Geht der attraktive 25-Jährige doch rein optisch als possierlicher Oberprimaner durch – und erinnert an Tim Bendzko. Im Gegensatz zum deutschen Kollegen, der mal eben schnell die Welt retten möchte, wirkt der ganz in Schwarz gekleidete George Ezra mit sinnlichem Schmollmund ungleich souveräner, wesentlich vielseitiger und auch um Klassen talentierter.

„Don’t Matter Now“ dient als wuchtig fideler Einstand, der sämtliche Vorzüge von George Ezras Kunst in sich vereint: vom rhythmisch versierten Spiel auf der E-Gitarre über den kräftig ausdrucksvollen Bass-Bariton bis hin zur Fähigkeit, einen Song aufs Wesentliche zu komprimieren. Die Ruhe selbst in Person, strahlt Ezra gleichermaßen Professionalität, Gelassenheit und Zielstrebigkeit aus. Optimale Ergänzung erfährt er durch sein exzellentes Begleitensemble, inklusive ausgezeichnetem Blechbläser-Duo und perfekt mehrstimmigem Harmoniechor.

Zudem erweist sich George Ezra als ausgezeichneter Conférencier, der zu jedem Song ein kleine Geschichten zu erzählen weiß: Britisches Understatement blitzt auf bei der sonoren Begrüßung mit den Worten „Hello, my name is George Ezra and we’re gonna play some songs for you tonight“. Vor den beiden Stadt-Porträts mit B, „Barcelona“ und „Budapest“, erfährt das in sämtlichen Songs textsichere Publikum, dass Ezra die erstgenannte Metropole recht gut kennt, Ungarns Hauptstadt allerdings noch nie besucht hat.

Um einiges detaillierter gerät dem Briten die Entstehungsgeschichte seines im Frühjahr erschienenen zweiten Studiowerks „Staying At Tamara’s“: Zum Komponieren zog er sich einmal mehr in besagtes Barcelona zurück, vermied aber, obwohl er es sich mittlerweile leisten könnte, Hotelluxus und wählte stattdessen die „Airbnb“-Variante – ohne jeglichen Extra-Komfort lebte er mit den jeweiligen Gastgebern zusammen. Kreative Aufladung gelang vor allem bei einem Mädchen namens Tamara, deren Freundeskreis sich aus Künstlern, Designern und Modestudenten zusammensetzte. Es sind jene illustren Figuren, die Ezra im flotten Folk-Pop von „Pretty Shining People“ lebendig werden lässt.

Aus dem gleichen Album stammen auch das mit Funk-Bass aufgepeppte „Get Away“, das mit Violine verzierte „Hold My Girl“, der Westcoast-Soft-Pop von „All My Love“, das Country & Western inspirierte „Saviour“ sowie das mit Falsettgesang garnierte „Paradise“. Vom Erstling überzeugen der düstere Americana-Rocker „Did You Hear The Rain?“, die Fifties-Reminiszenz „Blame It On Me“ und der Jamaika-Pop von „Listen To The Man“.

Alles in allem erweist sich der mit 75 Minuten recht knapp gehaltene Auftritt als überaus positive Partysause mit Tiefgang.

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