Popsängerin Katie Melua

„Georgien bleibt meine Heimat“

Die in London lebende Songschreiberin Katie Melua schöpft aus der Volksmusik Georgiens. Das Ergebnis stellt sie in der Jahrhunderthalle Frankfurt vor.

Katie Melua wurde mit dem World Music Award ausgezeichnet und als erfolgreichste Künstlerin Europas geehrt („Call Off The Search“, „Piece By Piece“). Auf ihrer diesjährigen Sommertournee singt die in London lebende 31-jährige georgisch-britische Musikerin Popsongs, durch die Blues, Jazz und Folk schimmern. Am 28. Oktober startet Melua dann in der Frankfurter Jahrhunderthalle die Herbsttournee zu ihrem Weihnachtsalbum (Titel noch unbekannt), das bis dahin erschienen sein soll. Begleitet wird die Sängerin darauf von einem georgischen Frauenchor. Olaf Neumann sprach mit Katie Melua.

Miss Melua, Sie sind inzwischen seit 15 Jahren im Musikgeschäft und haben viele Millionen Platten verkauft. Sind Sie ein glücklicher Mensch?

KATIE MELUA: Also, ich bin rundum glücklich mit dem, was ich gemacht und erreicht habe. Es könnte nicht besser sein, meine Zwanziger waren unerhört gut! Ich durfte tun, was ich liebe, und habe dabei so viele inspirierende Leute getroffen. Ein schöneres Leben kann man sich nicht wünschen.

Das klingt ein bisschen klischeehaft.

MELUA: Natürlich hatte ich Höhen und Tiefen, und zwar nicht zu knapp! Aber auch die merkwürdigen Zeiten gehören zu meinem Leben dazu. Unterm Strich kann ich aber sagen: Ich liebe die Musik immer noch wie am ersten Tag.

Wünschen Sie sich manchmal eine Auszeit vom Job?

MELUA: 2010 wurde ich sehr krank, da war ich zu einer Auszeit gezwungen. Durch die digitale Revolution ist der Rhythmus meines Lebens schneller geworden. Ich habe immer gedacht, dieser Job sei locker zu bewältigen, aber Künstler sind halt sehr sensible Wesen. Doch ich liebe es immer noch, Platten zu machen und Konzerte zu geben. Was will man mehr?

Werden Sie immer wählerischer, was die Musik betrifft?

MELUA: Ja, ich arbeite an einer neuen Platte. Und zwar gemeinsam mit einem 23-köpfigen georgischen Frauenchor, mit dem ich dann im Herbst auf Tour gehe.

Wie kamen Sie mit dem Chor aus Ihrer Heimat Georgien zusammen?

Melua: Mit dem klassischen Chor aus Gori will ich seit Jahren zusammenarbeiten. Er ist einfach außergewöhnlich und existiert bereits seit 40 Jahren. Gori liegt eine Autostunde von der Hauptstadt Tiflis entfernt. Die Frauen sind seit 15 Jahren nicht mehr außerhalb von Georgien aufgetreten. Es wird bestimmt aufregend, wenn wir zusammen auf Tournee gehen.

Was ist in künstlerischer Hinsicht das Besondere an diesem Chor?

MELUA: Ich bin auf ihn gestoßen, als ich in England nach georgischen Musikern suchte, weil ich ein Ballettprojekt machen wollte. Entdeckt habe ich den Chor auf Spotify. So etwas Starkes und Tiefes hatte ich vorher noch nicht gehört, ich bekam sofort eine Gänsehaut. Der Gesang klingt gleichzeitig verstörend und engelhaft. Als ob diese Frauen aus der Hölle und aus dem Himmel kämen! Obwohl es ein weiblicher Chor ist, sind auch sehr tiefe Stimmen dabei.

Hat dieser Chor einen Einfluss auf Ihr Songschreiben?

MELUA: Natürlich! Wir arbeiten gerade an einem sehr speziellen Projekt. So, wie ich Ihnen den Chor beschrieben habe, denken Sie jetzt bestimmt, dass er völlig anders klingt als das, was ich sonst mache. Die Herausforderung bei diesem Projekt ist aber, ihren Sound und meinen Sound zusammenzubringen. Ich habe das Gefühl, wir schaffen das.

Sind Sie gerade dabei, Ihre georgischen Wurzeln neu zu entdecken?

MELUA: Auf jeden Fall! Ich wollte schon immer eine Platte machen, die mich nach Hause bringt. Immer, wenn ich nach Georgien fahre und die Häuser, Bäume und Menschen dort sehe, überkommen mich ganz andere Gefühle als in England, wo ich seit langem lebe. Georgien ist und bleibt meine Heimat.

Mit welcher Art von Musik sind Sie in Georgien aufgewachsen?

MELUA: In der folkloristischen georgischen Musik gibt es eine lange Tradition von mehrstimmigem Gesang. Solche Chöre zu Gitarrenbegleitung habe ich als Kind oft gehört. Das ist nicht immer perfekter Gesang, aber die Leidenschaft ist immer da. Darüber hinaus spielt in Georgen klassische Musik eine große Rolle, in fast allen Familien bekommt mindestens eine Person Klavierunterricht. Meine Mutter hat zu Hause immer Klavier gespielt, und mein Onkel widmete sich der Rockmusik. Mit all dem bin ich aufgewachsen.

Sind Sie im Moment mehr von traditioneller Musik fasziniert als von Popklängen?

MELUA: Was ich schon immer geliebt habe, ist traditionelle Musik und Retro-Pop. Diese Sachen haben nicht ohne Grund die Zeit überdauert. Von dem, was heute erscheint, wird wahrscheinlich nur ein ganz geringer Prozentsatz als Klassiker in die Geschichte eingehen.

Stimmt es, dass „Judas Priest“ Ihre Lieblingsband ist?

MELUA: Yeah! Mein Onkel hat damals viel „Judas Priest“ gehört, und auch mein Bruder ist ein großer Fan. Ich selbst habe mir schon länger keine „Priest“-Platten mehr angehört. Aber ja: Ich finde diesen Sound phänomenal! Genauso wie „Pink Floyd“, „Led Zeppelin“, „Queen“, „Deep Purple“, „Black Sabbath“. Rock und Heavy Metal ist in den ehemaligen Sowjetrepubliken enorm populär. Ich glaube sogar, dass diese Musik in den 90er Jahren den jungen Georgiern die Kraft verliehen hat, für die Unabhängigkeit zu kämpfen. Hätte ich eine tiefere und brummige Stimme, würde ich heute sicher Heavy Metal machen. Aber mit meinem sehr weiblichen Organ brauche ich das erst gar nicht zu versuchen.

Jahrhunderthalle Frankfurt, 28. Oktober, 20 Uhr. Karten zu 65 bis 92,25 Euro unter Hotline 01806-57 00 70. Internet

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