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8 Geschichten aus 80 Jahren: TV-Legende Frank Elstner feiert runden Geburtstag

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Von: Stefanie Thyssen

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Frank Elstner heute und 1974
Frank Elstner heute und 1974 © SWR

Seit den 1960er Jahren hat Frank Elstner das deutsche TV-Programm nachhaltig geprägt. Im Interview mit dem Münchner Merkur blickt der „Wetten dass...“-Erfinder nun anlässlich seines 80. Geburtstags auf seine Kindheit und seine Karriere zurück.

„Elstner, hallooo!“ Der Mann am anderen Ende der Leitung klingt nach vielem, aber nicht nach 80. Vital, kraftvoll, energisch, charmant. Und das ist er ja alles auch: Frank Elstner, noch 79 Jahre alt, Radio- und Fernsehlegende, Erfinder von „Wetten, dass..?“, Filmemacher, fünffacher Vater, Großvater und für Millionen von Zuschauern einer, der immer da war.

Teil des kollektiven Fernsehgedächtnisses. Kaum jemand hat an so vielen Kapiteln deutscher TV-Geschichte mitgeschrieben wie er.

Frank Elstner wird am 19. April 80 Jahre alt

Das Erste schenkt ihm einen besonderen Abend: In „Frank Elstner – Noch eine Frage!“ lassen sieben Gratulanten den Jubilar hochleben, darunter Jan Böhmermann, Anke Engelke, Jean-Claude Juncker, Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger und Michelle Hunziker.

„Das ist eine ganz reizende Geste der ARD, einem Moderator solche Aufmerksamkeit zu widmen“, sagt Elstner dazu im Gespräch mit unserer Zeitung. Und als die Fragende einwirft: Na ja, „einem“ Moderator, das sei jawohl etwas kokett, entgegnet der trocken: „Besser zu kokett als zu eingebildet.“ Punkt für ihn.

Frank Elstner mit aufgeschlagener Zeitung
Die ARD widmet Frank Elstner eine Sondersendung ©  SWR/Jan Welchering

TV-Legende blickt zurück auf Kindheit, Karriere und (wenige) Krisen

Aus Anlass seines Geburtstags werfen wir gemeinsam einen Blick zurück auf sein Leben. Elstner erinnert sich an seine Kindheit, die Anfänge beim Radio, den Durchbruch im TV, das auch turbulente Privatleben, schließlich die bittere Diagnose Parkinson. Kurz: Wir erzählen acht Geschichten aus 80 Jahren: dramatische, lustige, glückliche und belastende.

Man weiß so viel über die Karriere von Frank Elstner – wo und wie er aufgewachsen ist, dürfte den meisten unbekannt sein. „Ich bin das Kind von zwei Schauspielern und im Grunde in der Garderobe von Theaterhäusern groß geworden“, erzählt Frank Elstner, der 1942 im österreichischen Linz geboren wurde. Bis er zehn ist, zieht die Familie von Stadt zu Stadt.

„Je nachdem, wo meine Eltern grad gespielt haben.“ Unbeschwerte Jahre waren das aber keinesfalls. Als Elstner dreieinhalb ist, muss die Familie aus Brünn in der Tschechoslowakei, wie es damals hieß, nach Wien fliehen. „Wir waren auf dem berühmten Todesmarsch der Vertriebenen von Brünn nach Wien“, erinnert sich Elstner. „Und haben knapp überlebt.“

Trauma und Theater

Eine schreckliche Zeit sei das gewesen. Eine, die bis heute nachwirke. „Vor fünf Jahren bin ich noch mal nach Tschechien gefahren und habe mir den Weg angeguckt, den wir damals gelaufen sind“, so Elstner. „Wir hatten auf der Flucht nur meinen Kinderwagen dabei. Meine Mutter hatte ihn mit Sachen vollgepackt, ich bin nebenher gelaufen und weiß noch, dass furchtbar viel geschrien wurde auf diesem Weg.“

In Wien blieb die Familie zwei Jahre, dann ging es für ein Jahr nach Berlin (dort wurde er eingeschult), später nach Bayern, schließlich Baden-Baden, wo Elstner auch heute wieder lebt.

Mit Tessy im Archiv

Beim Südwestfunk – Elstners Familie hatte sich in Baden-Baden niedergelassen – gab es in den Fünfzigerjahren eine Kinderabteilung, den „Club der kleinen Wellenreiter“. Da habe er zum ersten Mal Kontakt zum Radio gehabt und verschiedene Sprech-Rollen übernommen. „Peterchens Mondfahrt“, „Bambi“, „Emil und die Detektive“, kurz: alles, was es an Kinderstücken gab. Elstner: „Ich habe damals das Mikrofon vor mir als etwas völlig Selbstverständliches genommen. Ich hatte keine Angst, ganz im Gegenteil. Wenn ich ein Mikrofon gesehen habe, dann wollte ich immer gleich losplappern.“ Es war der frühe Startschuss für seine Karriere.

Auf Empfehlung einer Kollegin kam er als junger Erwachsener dann zu Radio Luxemburg und wurde ins sprichwörtliche kalte Wasser geschmissen. „Der damalige Programmdirektor hat zu mir gesagt: Sie können morgen um 15 Uhr die erste Sendung machen.“ Elstner habe entgegnet: „Mach ich gerne. Ich habe allerdings keine Ahnung, wie man so was macht.“ Dank Tessy, einer jungen Dame aus dem Archiv, mit der er Nacht für Nacht alle Platten anhörte, die der Keller hergab, kannte er sich irgendwann zumindest mit der Musik aus. „Zwei, drei Monate später war ich der Einzige, der jede Scheibe einmal gehört hatte“, lacht er rückblickend.

Aus der Zeit stammt übrigens auch der Vorname, unter dem Elstner heute alle kennen: Frank. Eigentlich heißt er Timm Franz Maria. Weil es unter den Moderations-Kollegen bei Radio Luxemburg aber einen Tom gab und man keine Verwechslung wollte, wählte Elstner den Vornamen Frank.

Vom Radio ins Fernsehen

Über Camillo Felgen, der sein Kollege bei Radio Luxemburg und väterlicher Freund war, kam Frank Elstner Ende der Sechzigerjahre in die deutsche TV-Unterhaltung, zunächst als Dolmetscher für die ARD-Show „Spiel ohne Grenzen“. „Ich konnte ja Französisch“, erinnert er sich an die Zeit. „Ja, so fing meine Fernsehlaufbahn an.“ Es folgten viele Formate, unmöglich, sie alle aufzuzählen. „Die Montagsmaler“, „Nase vorn“, „Menschen der Woche“, „Verstehen Sie Spaß?“ und natürlich „Wetten, dass..?“ – im Grunde alles Kult.

Gibt es eine Sendung, die er besonders gern gemacht hat? Als Zuhörer erwartet man jetzt natürlich „Wetten, dass..?“ – seine Erfindung und sein größter Erfolg. Aber Frank Elstner überlegt eine Weile. „Mir hat eigentlich immer das am meisten Spaß gemacht, was ich grad gemacht habe. Als ich bei Radio Luxemburg war, hat mir das am meisten Spaß gemacht. Als ich ,Wetten, dass..?’ erfunden habe, hat mir ,Wetten, dass..?’ am meisten Spaß gemacht. Und als ich vor zehn Jahren angefangen habe, Tierfilme zu drehen, hat mir das am meisten Spaß gemacht.“

Frank Elstner 1974 bei  „Die Montagsmaler“
Frank Elstner 1974 bei „Die Montagsmaler“ © Wolfgang Gitzinger/SWR

Traum als Tierfilmer

Ja, die Tier-Dokumentationen aus fernen Ländern – sie sind für Frank Elstner echte Herzensprojekte geworden. „Wenn ich überlege, wohin ich gereist bin, was ich alles erfahren habe über Artenschutz, die Zerstörung der Lebensräume und vieles mehr – das ist ein wichtiges Bildungsprogramm für einen Menschen.“

Und gab es eine Phase in seiner Karriere, die er lieber ausgelassen hätte? Über Flops redet Frank Elstner nicht allzu gern. Dann windet er sich, als würde man einen Vater nach dem schwarzen Schaf unter seinen Kindern fragen. Wenn überhaupt, sagt er dann doch, sei es am ehesten „Nase vorn“ gewesen. „Ich habe die Idee sehr gemocht“, sagt er. „Aber die Kritik war hart mit mir.“ Fazit also? „Ich glaube, dass man schwere Tage nötig hat, um sich daran zu erfreuen, wie wunderschön die leichten sind.“ Ein typischer Elstner.

„Wetten dass...“ - Nicht mehr sein Ding

Über „Wetten, dass..?“ ist eigentlich alles gesagt. Elstner hat die Show Anfang der Achtzigerjahre erfunden, eines Nachts am Küchentisch, ein Geistesblitz, so einfach wie genial. Von 1981 bis 1987 moderierte er die Sendung selbst. Gab dann an Thomas Gottschalk ab. Der Rest ist Geschichte.

Nur eine Frage hätten wir noch: Wie hat es Elstner geschafft, Gottschalk davon zu überzeugen, nach dem Sensations-Comeback im vergangenen Herbst doch einmal im Jahr weiterzumachen? „Ich musste ihn davon gar nicht überzeugen“, sagt Elstner. Er habe mit „Wetten, dass..?“ im Grunde überhaupt nichts mehr zu tun. „Und ich will das auch nicht.“ Die Show sei jetzt die Sache von Thomas. „Ich habe mich über seinen wunderbaren Erfolg sehr gefreut, ich habe es ihm vor allem auch gegönnt.“

Aber bleibt es wenigstens dabei – er, Elstner, kommt bei jeder neuen Ausgabe im ZDF vorbei, einmal im Jahr, als Star-Gast? „Das kann man als 80-Jähriger nicht mehr garantieren“, weicht er etwas aus. Aber wenn er könnte? Frank Elstner überlegt. „Ich glaube, ich würde höchstwahrscheinlich nicht kommen. Weil ich der Meinung bin, dieses laufende Danke-Schön aus Richtung von Thomas zu mir, das muss irgendwann mal aufhören. Das hat der Zuschauer jetzt oft genug gehört. Der Thommy soll sein eigenes Ding machen.“ Punkt.

Die Moderatoren Thomas Gottschalk (l-r), Wolfgang Lippert und Frank Elstner sitzen auf einer Couch während der 100. «Wetten, dass...?»-Sendung.
Die Moderatoren Thomas Gottschalk (l-r), Wolfgang Lippert und Frank Elstner sitzen auf einer Couch während der 100. «Wetten, dass...?»-Sendung. © Hartmut Reeh/dpa

Nachwuchsstar mit 77

Es versteht sich von selbst, dass Frank Elstner mit Preisen überhäuft worden ist. Gibt es eine Gala, an die er sich besonders gern erinnert? „Jede Preisverleihung ist mir in guter Erinnerung“, sagt er dann. Und es klingt wie bei der Frage nach der Lieblingssendung oder dem schwarzen Show-Schaf. Elstner ist so viel daran gelegen, niemanden zu verletzen (es sind ja immer Kollegen an seiner Arbeit, an einer Gala beteiligt), dass es einen fast rührt.

Dennoch: Der ungewöhnlichste Preis war – da kann er sagen, was er will – der Youtube Goldene Kamera Digital Award, den er im September 2019 – da war er 77 Jahre alt – als, Achtung, Newcomer des Jahres bekommen hat. „Der Kai Pflaume“ habe das damals moderiert und so charmant angesagt, dass es hängen geblieben sei, erinnert sich Elstner und muss schmunzeln. „Ich sei der älteste Preisträger des Abends, der die jüngste Sendung gemacht habe.“

Moderator Frank Elstner (r) bekommt von Moderator Kai Pflaume den YouTube Goldene Kamera Digital Award in der Kategorie «Bester newcomer» verliehen.
Moderator Frank Elstner (r) bekommt von Moderator Kai Pflaume den YouTube Goldene Kamera Digital Award in der Kategorie «Bester newcomer» verliehen. © Jörg Carstensen/dpa

Frauentyp? Nun ja...

Wer nichts über Frank Elstner weiß und ein Foto von ihm sieht, würde ihn vermutlich für einen vielleicht sogar etwas biederen Familienvater halten. Perfekt angezogen, formvollendet im Umgang, kein Draufgänger. Aber ein Frauentyp war er doch auch in seinem Leben. Jedenfalls hat er fünf Kinder von vier Frauen. „Ja, das stimmt, aber das ist nicht vorbildlich“, sagt er dazu und klingt nachdenklich. „Ich glaube, wenn ich fünf Kinder von einer Frau hätte, wäre das Leben leichter gewesen.“ Aber vielleicht auch nicht so aufregend? Elstner überlegt. „Für die Kinder wäre es schon leichter gewesen.“

Ihnen widmet Frank Elstner nun den Abend seines 80. Geburtstags. Ein großes Fest will er nicht. Auf die Frage, wie er denn feiere, antwortet er fast ein bisschen trotzig: „Das kann ich Ihnen genau sagen: gar nicht.“ Er sei dankbar dafür, dass er 80 geworden sei und hoffe, dass das noch ein paar Jährchen halte. „Und so werde ich an meinem Geburtstag mit den Menschen essen gehen, die am wenigsten von mir hatten: Und das sind meine Kinder.“ Er verrate auch niemandem, wohin sie gehen. „Ich möchte endlich mal mit meinen Kindern alleine sein.“

Frank Elstner kommt mit Ehefrau Britta Gessler und Tochter zur Verleihung der YouTube Goldene Kamera Digital Awards.
Frank Elstner kommt mit Ehefrau Britta Gessler und Tochter zur Verleihung der YouTube Goldene Kamera Digital Awards. © Jörg Carstensen/dpa

„Dann zitter ich halt“

Wenn man mit Frank Elstner spricht, hat man das Gefühl: Hadern ist ein Fremdwort für ihn. Eine Sendung wird abgesetzt? Macht nichts, die nächste kommt bestimmt. Ein Interview, das er führt, verläuft nicht wie gewünscht? Das nächste Mal wird’s besser. Ist ihm das also fremd, hadern? „Na ja. Wenn Sie mit 70 erfahren, dass sie Parkinson haben, ist das keine große Freude“ sagt er. „Und dann hadert man auch schon mal.“

Und nun kommt wieder das große positive Aber: „Aber ich habe mir einen tollen Arzt gesucht, der sich damit richtig auskennt, habe mit ihm ein Buch rausgebracht („Dann zitter ich halt“) und bin für dieses Buch sehr gelobt worden.“ Das Wichtigste: Viele Parkinson-Kranke bedanken sich bei ihm, „weil dieses Buch Mut macht“. Parkinson sei immer noch nicht heilbar, aber man könne sich darauf einstellen. „Und man kann, wenn man sich richtig ernährt und viel Sport treibt, die Krankheit ein bisschen verzögern. Das ist jetzt mein neues Hobby.“

Pläne mit 80? Und ob!

„Mein Mann hat noch so viel Quatsch im Kopf, der wird mindestens 100!“ Ein Zitat von Frank Elstners Ehefrau Britta, Mutter seiner beiden Töchter, die er vor fast 40 Jahren im Flugzeug kennengelernt hat. Er kommentiert ihren Satz mit einem trockenen Lachen: „Da kann sie sich ja auf was gefasst machen.“

Aber ist das vielleicht wirklich das Geheimnis eines langen und erfüllten Lebens, der (positive) Quatsch im Kopf? Es stimme schon, sagt Elstner. „Wenn ich überlege, mit was ich mich alles beschäftige. Das hält schon fit.“ Im Mai werde er auf die Azoren fliegen und einen Film machen über Wale. Das sei zwar auch „nur“ ein Tierfilm, „aber mit Walen kenn ich mich noch nicht aus. Jetzt arbeite ich daran, dass ich etwas über Wale weiß. Und so erarbeite ich mir jedes Thema, das es gibt, aufs Neue.“

Frank Elstner und Michelle Hunziker sitzen sich an einem Tisch gegenüber, sie lacht und schlägt die Hände zusammen.
„Frank Elstner - noch eine Frage!“ - Die Überrraschungsshow zum 80. Geburtstag mit Michelle Hunziker © SWR/Thomas Kost

Diese TV-Stars gratulieren dem Jubilar im Fernsehen

Über Jahrzehnte hat Frank Elstner seine Sendungen geplant und die Strippen gezogen. Zu seinem 80. Geburtstag gibt er nun die Kontrolle ab und lässt sich überraschen. Jan Böhmermann, Anke Engelke, Jean-Claude Juncker, Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger, Günther Jauch und Michelle Hunziker werden Elstner zu den unterschiedlichen Phasen seines Lebens befragen.

Die ARD verspricht einen „besonderen Fernsehmoment für Neugierige und für Nostalgiker“. Ausstrahlung ist an Karfreitag, 21.45 Uhr, im Ersten.

Am Ostersonntag läuft im SWR eine Folge von „Elstners Reisen“ (16.30 Uhr). Am Ostermontag folgt ab 22 Uhr die lange „Frank-Elstner-Nacht“, u. a. mit alten Folgen von „Die Montagsmaler“, „Elstners Reisen“ und seinen Talksendungen.

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