1. Startseite
  2. Kultur

"Die glorreichen Sieben" Im Staub der Prärie

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martin Schwickert

Kommentare

Wer zieht hier den Kürzeren? Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo, links) und Farraday (Chris Pratt) bringen ihre Waffen zum Einsatz. Gegen wen oder was sie ihre Schießeisen richten, wird sich wohl noch zeigen.
Wer zieht hier den Kürzeren? Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo, links) und Farraday (Chris Pratt) bringen ihre Waffen zum Einsatz. Gegen wen oder was sie ihre Schießeisen richten, wird sich wohl noch zeigen. © Sony Pictures Releasing GmbH (Sony Pictures Releasing GmbH)

Rund 55 Jahre nach den ersten „Glorreichen Sieben“ zieht nun Denzel Washington als Kopfgeldjäger durch eine unwirtliche Gegend.

Nach der Neuverfilmung von „Ben Hur“ folgt nun innerhalb kurzer Zeit mit Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ das Remake eines weiteren Klassikers. Und der wiederbelebte Western zeigt sich durchaus vital. Dabei war John Sturges’ Kinowerk „Die glorreichen Sieben“ aus dem Jahre 1960 selbst schon ein Remake, und zwar von Akira Kurosawas sechs Jahre zuvor produziertem Eastern „Die sieben Samurai“. Dass der Stoff auch noch bei der dritten Verwertung eine gewisse Anziehungskraft entwickelt, hat weniger mit der Vielschichtigkeit als mit der Geradlinigkeit der Handlung und mit einer erstklassigen Besetzung zu tun. Denzel Washington führt als Kopfgeldjäger Sam Chisolm die Söldnergang an, die das Städtchen Rose Creek aus den Fängen des kriminellen Kapitalisten Bartholomew Bouge (Peter Sarsgaard) befreit.

Auf der Spur von Quentin Tarantino

Damit folgt der Amerikaner Antoine Fuqua der Spur, die sein Landsmann Quentin Tarantino mit „The Hateful Eight“ hinterlassen hat: Afroamerikanische Helden durchbrechen die weiße Vorherrschaft im Western. Dieser Chisolm schart eine exzentrische Multi-Kulti-Mannschaft um sich: Vom traumatisierten Bürgerkriegsveteranen Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke) und dessen koreanischem Freund Billy Rocks (Byung-hun Lee) über den Mexikaner Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo) und den irischen Haudegen Josh Farraday (Chris Pratt) bis zu dem psychisch gestörten Trapper Jack (Vincent D’Onofrio) und dem verstoßenen Indianersohn Red Harvest (Martin Sensmeier) ziehen alle mit Colts, scharfen Klingen, Pfeil und Bogen gegen das Böse aus. Die Fähigkeit zur Erneuerung des Western hat sich damit zwar schon erschöpft, aber Fuqua inszeniert die klassische Western-Story mit einem großen Herzen fürs Genre und einem großzügigen Budget, das nicht nur in Star-Honorare investiert wurde, sondern auch in eine äußerst hochwertige visuelle Umsetzung. Kameramann Mauro Fiore hat fabelhafte Landschaftstotalen aufgenommen, in denen sich die Silhouetten der sieben Helden auch schon einmal vor der untergehenden Sonne abzeichnen dürfen, mit Kampfgetümmel, das den Ansprüchen des modernen Actionkinos Genüge tut. Wenn der Bösewicht mit seiner Armee angeritten kommt, bebt der Kinosaal in bester Surround-Qualität, so dass man glaubt, das Schnauben der Pferde im Nacken zu spüren. Sicherlich wirkt das Finale mit seinen ausgiebigen Gefechten etwas länglich, aber das war bei den „Glorreichen Sieben“ unter John Sturges auch nicht anders. Und so öffnen „Die glorreichen Sieben“ vielleicht die Tür für weitere Produktionen eines Genres, das schon oft totgeredet wurde, das aber entgegen vielen irrigen Behauptungen nie wirklich gestorben ist. Western gibt es immer wieder. Sogar beim deutschen Heimatfilm. Sehenswert

Auch interessant

Kommentare