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Das Ölgemälde "Bärenhatz" gehört mit zur Sammlung Thomée. Das Bild ist die Kopie eines Werkes von Frans Snyders (1579-1657), doch wer sie angeferigt hat, ist unbekannt. Die Jagd gehörte im gräflichen Westfalen zum adligen Alltag.

Meisterwerke aus der Sammlung Fritz Thomée

Für Gott und den Grafen

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Der einstige Landrat interessierte sich für die Kunst seines rheinischen Lebensraums und ließ deshalb auch die Burg Altena im Schiefergebirge sanieren.

Der erste Blick zu Beginn des Rundgangs fällt auf eine Auswahl von Innenraumfotografien, die Fritz Thomée in seiner Dienstwohnung zeigen, umgeben von seinen Schätzen: Spätmittelalterliche Porträts zieren die Wände, edles Porzellangeschirr füllt die Schränke, und im Bücherregal thront eine Kölner Sitzmadonna um 1335.

Doch wer denkt, Thomée (1862–1944) habe vor allem seine eigenen Schatzkammern füllen wollen, der schätzt den Kunstsammler und Landrat des Kreises Altena falsch ein. Denn ein Denkmal schuf er sich und der Nachwelt vor allem mit der Burg Altena, die er ab 1906 mit Hilfe des von ihm gegründeten Burgenvereins wieder aufbauen ließ. Dort eröffnete Richard Schirrmann 1914 die erste ständige Jugendherberge der Welt, Thomée bestückte mit einem Teil seiner Kunst das Museum der Grafschaft Mark.

Jener Teil seiner rund 900 exquisite Stücke umfassenden Privatsammlung, der an seinen Enkel Werner Marks vererbt wurde und teilweise vom oder mit Hilfe des Museums Suermondt-Ludwig erworben wurde, ist dort bis 21. Juni in der Schau „Sammlerglück. 100 Meisterwerke der Sammlung Marks-Thomée“ zu sehen. Sie gilt als das letzte erhaltene Beispiel einer bedeutenden großbürgerlichen Kunstsammlung in Privatbesitz und umfasst Ausstellungsstücke, zu denen ein rheinischer Bartmannskrug der Renaissance ebenso wie internationale Kunst gehören, und ist in die Abteilungen „Skulpturen“, „Gemälde“, „Grafik/Illuminationen“, „Kunstgewerbe“ sowie „Antike und Asiatica“ gegliedert.

Fritz Thomées Sammelleidenschaft begann jedoch bescheiden mit einer westfälischen Eisentruhe mit Scheinschlössern, die er für 62 Reichsmark restaurieren ließ. Von den Objekten, die Thomée direkt vom Museum Suermondt erwarb, sind in der Ausstellung zwei Leuchterengel der Königlich-Preußischen Eisengießerei von 1800 zu sehen.

Die thronende Madonna mit Kind, die der Sammler als wohl teuerstes Exemplar seiner Kollektion vom Kölner Maler und Restaurator Karl Brabender erwarb, zeigt Ähnlichkeit mit einer weiteren Muttergottes aus dem Museumsbestand, die wegen der Fußstellung als „Rechtsmadonna“ bezeichnet wird und mit dem für Köln typischen rundlichen Gesicht mit kräftiger Nase und kleinem Mund einer Serienproduktion von Reliquienbüsten für das Rheinland entstammt.

Dass Fritz Thomée ganze Figurengruppen nachweislich zur dekorativen Ausstattung seines Hauses erwarb, wird vor allem anhand der elf Flachreliefs deutlich, die wahrscheinlich einen Lettner oder ein zweigeschossiges Retabel zierten. Thomée kaufte die um 1520 in Nürnberg entstandene Gruppe mit Christus, den Heiligen Maria Magdalena und Christophorus sowie neun Aposteln dem dortigen neugotischen Altarbauer Josef Stärk ab. Für den Kauf der Originalkomposition „Tod Mariens“ mit der entschlafenden, von Aposteln umgebenen Gottesmutter wollte Thomée hingegen auf den Rat eines erfahrenen Experten wie Wilhelm von Bode nicht verzichten. Der Kenner und Gründer des gleichnamigen Berliner Museums, wo die Schau im Anschluss gezeigt wird, wies das Relief in zwei Expertisen direkt Tilman Riemenschneider zu und ordnete es in die mittlere Zeit des Meisters ein. Andere Fachleute hingegen versuchten anhand der Ausarbeitung der Hände festzumachen, dass die Figuren wohl eher von einem Gesellen aus Riemenschneiders Werkstatt nach den Vorgaben des Meisters gefertigt wurden.

Zweifellos aus der Hand eines Meisters stammt hingegen „Die Geburt Christi mit Stifterin“ von Rogier van der Weyden, ein Höhepunkt in der Gemäldeabteilung. Davon zeugen die souveräne Maltechnik und die Bildgestaltung, die die Geburtsszene vor dem Hintergrund einer zeitgenössischen niederländischen Stadtlandschaft zeigt, jedoch den Stall selbst als anachronistisch wirkenden romanischen Sakralbau auffasst. Ungewöhnlich für diese Zeit ist auch die anbetende Frauengestalt, die an Stelle eines sonst üblichen männlichen Stifters am Rande der Weihnachtsgeschichte betet.

Ganz andere Akzente setzt hingegen Luca Cranach d. Ä. um 1515, der das neugeborene Christuskind von einer Schar betender Engelchen umgeben zeigt. In ihrer kindlichen Nacktheit begegnen sie ihm auf Augenhöhe, könnten fast seine Zwillingsbrüder sein und sind nur aufgrund ihrer spätmittelalterlichen Nacktheit als Himmelsboten zu erkennen. Bedeutend unter den Porträts ist das Bildnis eines jungen Mannes mit Bolzen, das zu einer doppelseitigen Bildtafel gehörte. Thomée konnte 1932 nur diese Darstellung bei De Boer erwerben, die wegen ihres goldenen, fast ikonenhaft wirkenden Hintergrundes möglicherweise ein Familienbild mit einem verstorbenen Vorfahr sein könnte. Der Bolzen würde zu einem Jäger passen, die zweite Bildhälfte, die sich im Besitz eines anderen privaten Sammlers befindet, zeigt wahrscheinlich den selben, jedoch etwas älteren Mann und lässt auf den Künstler Wolfgang Beurer (um 1500) schließen.

Zu den prominenten Bildern von Thomées Nachlass gehört Peter Gertners Porträt der Susanna von Brandenburg, Gemahlin des Pfalzgrafen von Heidelberg. Thomées Begeisterung für Architektur und historische Bauten zeigt das „Kircheninterieur“ des niederländischen Malers Hendrick van Steenwyck (1580–1649), der viele Jahre in Frankfurt lebte und arbeitete. Seine experimentellen gotischen Sakralbauten mit neuen Anordnungen von Gewölben und Vierungen sind indes weniger durch den Kaiserdom als die Kathedrale zu Antwerpen inspiriert, wo sich Steenwyck vor seiner Übersiedlung nach Overijssel aufhielt.

Suermondt-Ludwig-Museum, Wilhelmstraße 18, Aachen. Bis 21. Juni, dienstags, donnerstags, freitags 12–18 Uhr, mittwochs 12–20 Uhr, samstags und sonntags 11–18 Uhr. Eintritt 5 Euro. Telefon (0241) 47 980-40. Internet .

Burg Altena: „Pop-Up-Weekend“, 9. und 10. Mai. Hotline 0800-58 76 288.

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