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„Greta Van Fleet&ldquo. Die Zukunft des Rock ’n’ Roll

„Anthem Of The Peaceful Army“ heißt das erste Album der Drei-Brüder-ein-Kumpel-Band aus Michigan, die angetreten ist, den Rock ’n’ Roll wiederzubeleben.

Vor kurzem erst – die Band hatte zwei Wochen am Stück frei, was selten vorkommt, denn im Grunde sind Greta Van Fleet seit anderthalb Jahren ununterbrochen auf Tournee – besuchte Sam Kiszka seine Freunde daheim in Michigan.

Sam ist 19, Bassist, und damit genauso alt wie Schlagzeuger und Grundschulfreund Danny Wagner. Sams Brüder, die Zwillinge Josh (Sänger) und Jake (Gitarrist), sind drei Jahre älter. „Die anderen fangen jetzt gerade mit ihrem zweiten Jahr auf dem College an“, so Sam. „So ermüdend das Touren und der ewige Schlafmangel auch sind, ich hätte mich angekettet gefühlt, wenn ich immer nur an einem Ort wäre. Ich weiß nicht, ob ich als Musiker die wilderen Exzesse erlebe als meine Studentenkumpels, aber ich bin mir sicher, ich habe den allerbesten Job der Welt.“

Wir treffen uns mit Sam Kiszka, einem langhaarigen, dünnen, und auf herzliche Weise selbstbewussten Burschen in einem Hotel in West Hollywood. Inbrünstig erzählt er über die Anfänge der Band im Zentrum seiner Ausführungen: Die „White’s Bar“ in Saginaw, Michigan.

„Ich war 15, als wir begannen, regelmäßig dort aufzutreten.“ Saginaw ist die nächstgrößere Stadt nach Frankenmuth, dem Kaff, in dem die Kiszkas und Wagner aufgewachsen sind. Es liegt zwischen Detroit und der einstigen Industriemetropole Flint, über deren Niedergang der Filmemacher Michael Moore einen Film drehte. Josh, Jake und Sam indes kommen nicht aus prekären Verhältnissen. Die Mutter ist Lehrerin, der Vater Chemiker. „Natürlich waren unsere Eltern immer mit dabei, um auf uns aufzupassen.“ Denn für vier Teenager aus der Provinz dürfte es wenig Faszinierenderes geben als einen Ort wie „White’s Bar“.

„Das war und ist immer noch eine üble Spelunke in einer üblen Gegend. Eigentlich schlimm, aber total geil. Das Publikum bestand aus Bikern, Drogensüchtigen und Kriminellen. Dauernd haben sich die Typen geprügelt. Nur uns haben sie respektiert.“ Bis zu sechs Stunden am Abend spielten „Greta Van Fleet“, „anstatt ins Kino zu gehen oder uns mit Mädchen zu treffen.“ Da die Jungs noch nicht viele Songs hatten, brachten sie sich selbst das Improvisieren bei.

Gern walzten sie die Klassiker aus Rock, Blues und Soul aus, so konnte ihre Version von „Creams“ „Crossroads“ problemlos eine Viertelstunde dauern. Was die vier Jungs einte, war ihr – für Teenager in den Zehnerjahren – außergewöhnlicher Musikgeschmack.

„Wir tickten immer ein Stück anders. Der Top-40-Mist, den die anderen hörten, hat uns nie interessiert. „Crosby, Stills, Nash & Young“, die „Beatles“, Eric Clapton, Muddy Waters, „The Allman Brothers“ – damit sind wir groß geworden.“ Auch „The Doors“, „The Who“ und „Led Zeppelin“ waren wichtige Einflüsse für „Greta Van Fleet“.

„Zeppelin“-Sänger Robert Plant sagte neulich über Josh Kiszka: „Seine Stimme erinnert mich an jemanden, den ich sehr gut kenne.“ Er meint natürlich sich selbst.

Da „Greta Van Fleet“ auch in punkto Frisuren, Klamotten und generellem Habitus auf der Bühne die eine oder andere Seite aus dem „Led Zeppelin“-Handbuch gelesen haben, müssen sie sich immer wieder anhören, die junge Kopie der britischen Rock-Legenden zu sein. „An diesen Vergleich haben wir uns gewöhnt“, stellt Sam Kiszka lakonisch fest. „Klar sind ,Led Zeppelin‘ ein Einfluss, aber bei weitem nicht der einzige.“ Und für seine hohe Stimme könne Josh ja nichts.

Klar ist auch: „Greta Van Fleet“, benannt nach einer heute 86-jährigen Lady aus Frankenmuth, überführen den Bluesrock der Siebziger ins Heute. Für den Rock ’n’ Roll ist dieses Quartett das Beste, was ihm seit Jahren passiert ist.

Die Musik klingt für ältere Ohren vertraut, aber die Jungs sind jung und viele ihrer Fans auch. „Drei Generationen, mindestens“, kämen zu den Shows, so Sam. Gleich mit der ersten Single „Highway Tune“ löste die Band Begeisterung aus. Große Plattenfirma, große Booking-Agentur, zuletzt Vorband von „Guns ’N’ Roses“ und den „Foo Fighters“. „Anthem Of The Peaceful Army“, das Debütalbum, wird für einen weiteren Schub sorgen.

Die im Februar in den „Blackbird Studios“ in Nashville und den „Rustbelt Studios“ in Royal Oak eingespielten zehn Songs reißen restlos mit, es gibt Melodien („When The Curtain Falls“), Gitarrensoli, auch mal akustische Einschübe („You’re The One“) und ganz grundsätzlich eine vor Energie und Spiellust berstende junge Band. „Wir sind überzeugt, dass Rock ’n’ Roll nicht nur nicht totzukriegen ist“, tönt Sam. „Im Gegenteil, er steht vor einer großartigen Zukunft.“

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