Ausgezeichnet wurde auch das Haus ?Landluft? in Gerswalde.
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Ausgezeichnet wurde auch das Haus ?Landluft? in Gerswalde.

Auch Wellblech taugt zum Wohnen

"Häuser des Jahres 2016" im Architekturmuseum

Das Frankfurter Architekturmuseum stellt die „Häuser des Jahres 2016“ in einer Ausstellung vor. Die Eigenheime sind alles andere als bieder.

Ein Einfamilienhaus für das kleine Budget, das auch optisch aus dem Rahmen fällt. Was will man mehr? Doch das Berliner Büro „Werk A Architektur“ hat den Bau sogar aus vorgefertigten Holztafel-Elementen errichtet und mit Zellulose gedämmt – und damit die Standards für ein Effizienzhaus erfüllt. So hat der Bau im bayerischen Olching, im Landkreis Fürstenfeldbruck, locker den mit 10 000 Euro dotierten ersten Preis als bestes Einfamilienhaus des Jahres 2016 gewonnen.

Der alljährliche Wettbewerb in den deutschsprachigen Ländern, nun zum sechsten Mal ausgerufen, will etwas tun für die mitunter arg wechselhafte Qualität des frei stehenden Einfamilienhauses. Die wichtigsten Kriterien der Jury sind eine hohe architektonische Qualität, eine gute räumliche Gestaltung, die Einbeziehung des städtischen oder ländlichen Umfeldes und die Einheit von Ästhetik, Material und Konstruktion.

Das preisgekrönte Projekt und sieben weitere Bauten, die Auszeichnungen oder Anerkennungen erhalten haben, werden jetzt im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt (DAM) bis 8. November mit Fotos, Plänen und Projektbeschreibungen vorgestellt. Das ist nur eine kleine Auswahl angesichts von 202 Einsendungen, aber die besten 50 Bauten versammelt der Katalog, der im Münchner Callwey-Verlag erschienen ist, dem zweiten Auslober des Preises neben dem DAM.

Bisher kamen die schönsten Ideen aus der Schweiz, gefolgt von Österreich und – etwas abgeschlagen – dem Schlusslicht Deutschland. Das ist auch in diesem Jahr nicht viel anders, aber dafür punktet der Preisträger mit den niedrigsten Baukosten von 230 000 Euro. Freilich sind das nur die reinen Baukosten, nicht enthalten sind die Grundstücks-, Erschließungs-, Bauneben- und Finanzierungskosten sowie das Architektenhonorar. Der Bauherr muss also noch einmal einen Batzen Geld drauflegen.

Auffällig viele Bauherren, so der Architekturkenner Wolfgang Bachmann, entscheiden sich seit einigen Jahren für Materialien wie Sichtbeton, Zementestrich, unbehandeltes Holz, rostigen Stahl oder gläserne Brüstungen. Diesem Purismus sieht man auch dem Olchinger Bau mit seiner Hülle aus Wellblech an. Die sollte eigentlich nur aufs Dach kommen, aber als die für die Fassade ursprünglich vorgesehene Holzverschalung zu teuer geworden wäre, entschied sich die Familie für das wesentlich günstigere Wellblech. Dennoch mutet das Haus durch die geschickte Fassaden-Gliederung nicht wie eine Fabrik an.

Kleines Raumwunder

Ein weiterer Trend ist, dass Architekten aus jedem Bau ein kleines Raumwunder mit vielen ungeahnten Flächen schaffen. Das fällt natürlich leicht, wenn man einen ehemaligen Kuhstall zu einem nur temporär genutzten Landsitz umbaut, wie dies der ebenfalls in Berlin ansässige Architekt Thomas Kröger in einem kleinen Ort im Norden von Brandenburg gemacht hat – und dafür eine undotierte Auszeichnung erhielt.

Die zweite Auszeichnung ging an das Züricher Büro Markus Schietsch für ein Haus am Ufer des Bielersees, von dem DAM-Direktor Peter Cachola Schmal fast ins Schwärmen gerät. Ein komplett aus Holz gefertigtes Haus, das sich mit dem kubischen Aussehen zwar von der Natur absetzt, aber mit seiner Fassade aus Holzlamellen viel Ruhe ausstrahlt. Ein Bau, der nicht protzt und auch innen mit einer einfachen, aber gut durchdachten Raumaufteilung überzeugt.

Allemal eine Erwähnung wert sind die drei verschobenen Kuben, die neuerdings im schweizerischen Preonzo, im Kanton Tessin, stehen. Eigentlich war vorher schon ein Kubus da, aber das alte Haus war zu klein für heutiges, komfortables Wohnen. So hat das Büro Davide Macullo aus Lugano an beide Seiten des Altbaus je einen Kubus angedockt, allerdings jeden Bau leicht versetzt. Der so entstandene Dreizack bietet überraschend schöne Räume, freilich zu viel höheren Kosten als in Olching.

Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt, Schaumainkai 43, Telefon (069) 21 23 88 44. Bis 8. November, dienstags und donnerstags bis sonntags 11–18 Uhr, mittwochs 11–20 Uhr. Eintritt 9 Euro. Katalog 59,95 Euro. Internet

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