Ausstellung

Hamburger Kunsthalle zeigt Bilder von Naturkatastophen

Vor allem in der Epoche der Romantik war die aufbegehrende Natur für die Künstler ein Thema. Im Hinblick auf heutige Klimadebatten wieder aktuell.

Die Erde bebt, die Ozeane bäumen sich auf, in den Vulkanen faucht es: Die Katastrophen der Natur haben den Menschen schon immer gebannt und geängstigt. In früheren Zeiten, da das Leben insgesamt unsicherer war, fürchtete man die Gewalten noch mehr als heute. Von drohendem Klimawandel sprach damals noch niemand. Aber es ging darum, sich als Mensch vor der Natur zu schützen. Und so war es für die Maler und Zeichner ein besonderes Anliegen, die ungestümen Gefühle angesichts der aufbegehrenden Natur auch auf die Leinwände zu bringen und damit innerlich zu beherrschen.

Die Hamburger Kunsthalle widmet sich mit ihrer neuen Ausstellung „Entfesselte Natur“ den vielen Arten von Katastrophen. Mehr als 200 Gemälde, Grafiken, Videos und Fotografien zeigen Stadtbrände, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Schiffsuntergänge von 1600 bis zur Gegenwart. Zu den rund 100 Künstlern zählen Caspar David Friedrich (1774–1840), John Martin (1789–1854) und Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) mit seinen Zeichnungen vom Vesuv. Durch das Bild erst werde eine Katastrophe wahrnehmbar, sagte Kunsthallen-Direktor Christoph Martin Vogtherr.

Hamburg sei der ideale Ort für eine solche Ausstellung, betonte Vogtherr. So sei beim verheerenden Stadtbrand von 1842, der weltweit Aufsehen erregt habe, erstmals eine Katastrophe fotografisch dokumentiert worden. Die Daguerreotypie mit der ausgebrannten St. Nikolai-Kirche ist Teil der Ausstellung. Auch die Zerstörung der Innenstadt 1943 durch alliierte Bomber und die Sturmflut von 1962 sind im Gedächtnis der Stadt tief verankert. Empfangen werden die Besucher von der „Sintflut“ (1818), einem Gemälde von Théodore Géricault (1781–1824) aus dem Pariser Louvre. Es zeigt ein Wassermeer ohne Arche. In den Anfängen wurden vor allem biblische und antike Katastrophen als Motive gewählt, ehe sich die Künstler realen Ereignissen zuwandten. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurden aber auch die Opfer in den Blick genommen – Menschen, die nach einem Brand oder Schiffbruch geschockt, trauernd und verzweifelt zurückbleiben.

Verdeutlicht wird die künstlerische Entwicklung anhand des Schiffsbruchs. Frühe Gemälde zeigen den Schiffsuntergang als allgemeines Ereignis, ehe um das Jahr 1800 konkrete Schiffsuntergänge als Motiv gewählt wurden – bei denen die Künstler nicht persönlich anwesend waren. Rettungsaktionen lenken den Blick auf die gestrandeten Opfer. Ein Film von 1912 stellte kurz nach dem Untergang der „Titanic“ das fröhliche Treiben der Passagiere auf dem Schiff nach. Aktuell ist ein Video, das Mittelmeer-Flüchtlinge in der Kunsthalle zeigt, wie sie ein Gemälde einer Schiffskatastrophe betrachten.

Katastrophen wurden aber auch konkret dokumentiert. So schuf Wenzel Holler (1607–1677) zwei Grafiken, die London unmittelbar vor und nach dem verheerenden Brand von 1666 zeigen. Interessanterweise gebe es dagegen von dem welterschütternden Erdbeben in Lissabon 1755 kein aussagekräftiges Gemälde, wie Kurator Jörg Tempel anmerkte. Dies sei „eine erstaunliche Leerstelle“.

Doppelschichtig ist „Der Untergang Pompejis“ von Oscar Begas (1828–1883). Das Gemälde zeigt bis heute starke Beschädigungen, die es bei der Bombardierung Berlins im Zweiten Weltkrieg erhalten hat. 70 Jahre lang galt das Gemälde als verschollen, ehe es kürzlich in einem Depot entdeckt wurde. Kurz vor Eröffnung der Ausstellung hat sich ein Sponsor gefunden, damit das Werk restauriert werden kann.

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