„Rodgau Monotones“ in der Batschkapp

Hessen lärmt unter dem Weihnachtsbaum

Das gewohnte Konzert der „Rodgau Monotones“ zum Jahresende in der Frankfurter Batschkapp wurde zur schönen Extra-Bescherung.

Von DETLEF KINSLER

„The same procedure as every year“: Das gilt tatsächlich für viele Klassiker in diesen Tagen, ob im Fernsehen oder in den Frankfurter Clubs nach dem Festtagsschmaus. Aber anders als bei Butler James und Miss Sophie gönnten die „Rodgau Monotones“ ihren 800 Fans in der Batschkapp mehr als das „Best of“ der letzten Jahre. Schließlich haben sie Ende September mit „Genial“ nach sieben Jahren ein neues Album herausgebracht. Anders als noch beim Brauereifest vor fünf Monaten peppten die glorreichen Sieben diesmal ihr Programm mit reichlich neuen Songs auf. Aber bevor sich die „Monotones“ dem Querschnitt aus 38 Jahren Karriere widmeten, hieß es noch, dem Christfest gerecht zu werden. Links stand ein geschmückter Weihnachtsbaum auf der Bühne, daneben ein Rentier, rechts leuchtete ein aufblasbarer Weihnachtsmann in sattem Rot; die Musiker kamen in Nikolauskutten auf die Bühne. Und los ging es mit einem ersten Weihnachts-Medley.

Saxofon tobt sich aus

Da durfte sich die für diesen Anlass mit Achim Farr und Frank Zeller auf Drei aufgestockte Bläsersektion um Saxofonist Matthias Dörsam richtig austoben. Mit Klarinette, Trompete und Baritonsaxofon zur akustischen Klampfe und Bauchtrommel bekamen „O Tannenbaum“, „O du fröhliche“, „Ihr Kinderlein, kommet“ und „Von drauß’ vom Walde komm ich her“ einen nahezu folkloristischen Mariachi-, Klezmer- und Balkancharakter. „Das war unser Kulturauftrag“, kommentierte Gitarrist Ali Neander und empfahl, die Sekunden der Stille des Klamottenwechsels zu genießen. Denn es würden die letzten des Abends bleiben. Getreu dem Motto „Ein Leben für Lärm“ stimmte der Gitarrist mit seinem Kollegen Raimund Salg kompromisslose Boogie-Riffs an. Joky Becker pumpte seine Basslinien dazu, Schlagzeuger Mob Böttcher trieb die Band gnadenlos voran. „E bissie was geht immer“ als Songtitel klang in diesem Kontext wie eine maßlose Untertreibung.

Mama gibt Vollgas

„Vollgas“, „Mama Lauda“ (lies: Mach’ mal lauter) und „Wie geil ist das denn“ trafen da schon eher den Kern der Performance. Nie haben die „Rodgaus“ einen Hehl daraus gemacht, wen sie anfangs beklaut hatten und wem sie immer noch die Treue halten: „ZZ Top“. Der Weg von der Coverband zu einer der authentischsten deutschen Rock-’n’-Roll-Bands führte über die deutschen Texte mit viel Lokalkolorit. Der erste des Abends gleich eingangs, „Ei gude wie“, holte das Publikum sofort ab mit den so gruppentypischen Alltagsbeobachtungen voller absurder und skurriler Momente. Lieder wie „St. Tropez am Baggersee“, „Bad Orb, Bad Orb“ (als boshaft-charmante Verballhornung von „New York, New York“) und natürlich „Erbarmen, zu spät, die Hesse komme“, der Hit aus dem Jahr 1984, erwiesen sich als wahre Identitätsstifter. Dass man diese inoffizielle Landeshymne tatsächlich noch toppen kann, bewiesen die „Rodgau Monotones“ auf „Genial“ mit „Hundert Fässer Grüne Soße“.

„Stellt euch vor, Heinz Schenk hat sich als Zombie auf die letzte ,Santiano’-Tournee verirrt“, lautete die Einstimmung auf diesen neuesten Hessizismus der „Monotones“. Hessen hat wieder ein Schunkellied. Aber eines mit Twang-Gitarre. Zwischen Parodie und spaßintensiver Ernsthaftigkeit blieb auch viel Raum für die gesangliche Doppelspitze mit Peter Osterwold und Kerstin Pfau, zwei Rock-Shouter mit Operettenpotenzial.

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