Ein Hochstapler legt reihenweise die Frauen rein

Regisseurin Iris Limbarth trifft mal wieder ins Schwarze. Ihre deutsche Erstaufführung des Broadway Musicals „Dirty Rotten Scoundrels“ am Staatstheater Wiesbaden hat das Zeug zum Renner der Saison.

Drive, Witz, Geist und jede Menge spritzige Song- und Tanzeinlagen münden in Ovationen des Publikums. Dass Iris Limbarth und ihre Arbeit „Superhero“ für den Deutschen Musical Theaterpreis nominiert ist, glaubt man nach drei Stunden erstklassiger Unterhaltung sofort. Denn ein echter Knüller ist auch die neue Arbeit der Leiterin des jungen Staatsmusicals: „Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken“, das auf dem Film mit Michael Caine und Steve Martin aus dem Jahr 1988 basiert und jetzt im Kleinen Haus Premiere feierte. Komponiert hat das Musical David Yazbek, das Buch stammt von Jeffrey Lane, Uraufführung war 2005 in New York. Das Stück handelt von zwei durchtriebenen Kerlen: Vom englischen Hochstapler Lawrence Jameson, der reiche Frauen an der Côte d’Azur um Schmuck und Geld erleichtert, und von Freddy Benson, dem dasselbe mit der Mitleidsmasche gelingt. Norman Hofmann spielt den vermeintlich adligen Lawrence voll gespreizter Eleganz, während Rainer Maaß seinen Freddy als rotzige Canaille anlegt. Zusammen versprühen sie einen tollen Mix aus derbem Witz, feinem Humor und umwerfendem Charme. Launig schließen sie eine Wette ab: Wer der „Soapkönigin“ Christine Colgate 50 000 Dollar abknöpft, hat gewonnen; der Verlierer muss die französische Riviera verlassen. Dass die tolpatschige Christine, engelsgleich gesungen von Nina Links, hinter ihrem Blendaxlächeln einiges zu verbergen hat, stellt sich erst am Ende heraus. Zuvor kann man sich nicht sattsehen an den wilden Cowboy-Szenen um die burschikose Jolene Oaks, die Constanze Kochanek mit johlenden Kieksern bestückt, und an Felicitas Geipels herrlich überdrehter Muriel Eubanks.

Britta Lammers Bühne erstrahlt trotz sparsamer Requisiten in mondänem Flair, zu dem Heike Korns stilvolle Roben glänzend passen. Fest aber steht: Ohne die Choreografie von Myriam Lifka, der passgenauen deutschen Übersetzung von Roman Hinze und der zehnköpfigen Band, die von Bossa Nova über coolen Funk bis hin zu Wohlfühlswing alles beherrscht, was Stimmung macht, läuft rein gar nichts.

(bbo)

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