Interview mit Daniel Brühl

"Ich darf nichts verraten"

Der in Berlin lebende Schauspieler Daniel Brühl spielt an der Seite von Robert Downey Jr. und Scarlett Johansson einen adligen Bösewicht, der die Weltherrschaft anstrebt.

Von Dieter Oßwald

Mit „Good Bye, Lenin!“ erlebte Daniel Brühl seinen Durchbruch. Es folgten Filme wie „Die fetten Jahre sind vorbei“, „Krabat“ oder „John Rabe“. Auch international steht Brühl regelmäßig vor der Kamera: Ob mit Judi Dench in „Der Duft von Lavendel“, mit Julie Delpy in „2 Tage Paris“ oder mit Brad Pitt in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“. Nach seinem Auftritt als Rennfahrer Niki Lauda in „Rush“ und dem Politthriller „Colonia Dignidad“ von Florian Gallenberger kommt Brühl nun mit „The first Avenger: Civil War“ in die Kinos. Unter der Regie von Anthony und Joe Russo spielt er an der Seite von Robert Downey Jr. und Scarlett Johansson den Baron Helmut Zemo, Sohn eines Nazi-Wissenschaftlers. „Civil War“ (Bürgerkrieg) schließt an die Handlung von „Avengers: Age of Ultron“ an, in dem sich das Team der Avengers zur Rettung der Menschheit aufmachte. Nachdem es aber bei einem Einsatz zu einem größeren Unglück gekommen ist, beschließt die Weltregierung, die Avengers stärker zu kontrollieren. Dieter Oßwald sprach mit Daniel Brühl. Der heute 37-Jährige wurde in Barcelona geboren und wohnt in Berlin, wo er auch eine Tapas-Bar betreibt.

Herr Brühl, als Kind wurden Sie von Ihrer Mutter „Schmeißfliege“ genannt. Wie kommt man zu so einem netten Namen?

DANIEL BRÜHL: Ich war als Kind ein bisschen penetrant. Von Sachen, die mich interessierten, konnte man mich nur schwer losbekommen – und so kam ich zu diesem Spitznamen Schmeißfliege.

Waren Sie ein Comic-Fan als Kind?

BRÜHL: Ich war natürlich ein Comic-Fan. Vor allem haben mich die Klassiker begeistert, von „Tim und Struppi“ über „Gaston“ bis zu „Asterix“. Auch Moebius fand ich eine Zeitlang spannend, ebenso wie einige der Marvel-Comics. Allerdings war ich dabei bislang nicht der große Experte. Erst mit diesem Film habe ich begonnen, dieses faszinierende Universum von Marvel richtig zu entdecken.

Fällt die Figur in einem Comic-Film nicht eher eindimensional aus?

BRÜHL: Keineswegs. Ich habe versucht, meiner Figur eine menschliche Komponente zu verleihen und sie transparent zu machen, damit das Publikum einen Zugang zu ihr bekommt. Das ist kein eindimensionaler Bösewicht, der einfach nur böse ist. Er ist ein geheimnisvoller Typ, bei dem man sich fragt, was er da überhaupt macht. Erst ganz zum Schluss erfährt man, was seine Motivation war.

Endet man nach einem Auftritt in einem Comic-Film anschließend automatisch in einem Computerspiel?

BRÜHL: Das ist durchaus denkbar, bislang habe ich jedoch noch nichts Konkretes dazu gehört. In einem Computerspiel aufzutreten, klingt doch ziemlich cool. Und wer dann noch als Spielzeug-Figur in der Junior-Tüte landet, der hat es mit der Karriere wohl geschafft!

Welche Souvenirs nimmt man von den Dreharbeiten solch einer Comic-Verfilmung mit?

BRÜHL: Das war schon ein bisschen wie Kindergeburtstag. Unter anderem gab es die ganzen vorigen Verfilmungen auf Blu-Ray. Ein ganz besonderes Erinnerungsstück ist der Schlüsselanhänger von Robert Downey Jr., den er selbst entworfen hat, und den er nur ganz wenigen geschenkt hat.

Comic-Verfilmungen machen normalerweise enorme Gewinne. Bekommt man als Schauspieler was davon ab?

BRÜHL: An den Einnahmen bin ich nicht beteiligt. Dennoch gibt es keinen Grund, zu klagen. Ich wurde schon sehr fair behandelt.

Wie kommt man überhaupt an eine Rolle in solch einem Film?

BRÜHL: Kevin Feige, der Chef der Marvel-Studios, kannte meine Filme und wollte mich in London treffen. Bei dieser Begegnung hat er dann gleich ganz konkret über das Projekt und meine Rolle gesprochen. Und drei Tage später kam der Anruf, dass man mich dabei haben möchte. Bei der Größenordnung des Projektes sowie der Top-Besetzung war das natürlich eine große Ehre und Freude.

Was macht man mit Hollywood-Stars nach Drehschluss am Feierabend?

BRÜHL: Das Angenehme an den Amerikanern ist diese ganz große Herzlichkeit. Man wird am Set sofort willkommengeheißen und bekommt nie das Gefühl, als Außenseiter in der Ecke zu stehen. Man hat mich gleich zu Basketball-Spielen eingeladen, oder wir sind wir oft gemeinsam ausgegangen. Solche Erfahrungen würde ich gerne wiederholen.

Wie war dann der Dreh mit Scarlett Johansson?

BRÜHL: Da muss ich leider passen: Wie bei solchen großen Produktionen üblich, darf vorab nichts ausgeplaudert werden, was etwas mit dem Film zu tun hat. Schließlich sollen das Vergnügen und die Spannung nicht verdorben werden.

Ist die Geheimhaltung auf Dauer nicht anstrengend?

BRÜHL: Es spannt schon etwas an, wenn man ständig im Hinterkopf hat, auf das Drehbuch extrem aufpassen zu müssen und den Laptop nirgendwo liegen zu lassen. Auch jetzt bei Interviews muss ich sehr darauf achten, vom Film selbst nur bloß nichts preiszugeben.

Was wäre die mögliche Strafe?

BRÜHL: Das will ich lieber gar nicht wissen. Irgendetwas Unangenehmes würde sicher passieren. . .

Vom 28. April an in den Kinos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare