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Ian Gillan, hier bei einem Auftritt mit ?Deep Purple? in der Münchner Olympiahalle im vergangenen Jahr, hat jetzt ein Album mit den alten Kumpels der Band ?Javelins? herausgebracht. Darauf huldigen die Musiker den Helden ihrer Jugend.

Nostalgie-Trip

Interview mit Deep-Purple-Sänger Ian Gillan: „Musik ist die Nahrung der Liebe“

Ian Gillan ist eine Legende und hat mit „Deep Purple“ fast alles erreicht. Jetzt hat der 73-Jährige fernab von Starruhm alte Kumpels zusammengetrommelt. Mit den „Javelins“ hat der Hardrocker die Musik der Helden seiner Jugend eingespielt. „Ian Gillan & The Javelins“ heißt dementsprechend das Album, das heute erscheint. Matthias Bossaller sprach mit Ian Gillan.

Mr. Gillan, Sie sind noch vor Ihrer Zeit bei „Deep Purple“ als junger Mann viel in Deutschland herumgereist. So kurz nach dem Krieg war dies sicherlich nicht unproblematisch?

IAN GILLAN: Oh nein, alles was ich als Teenager in Deutschland vorgefunden habe, war eine große Zuneigung und Liebe zur Musik. Ich habe in Deutschland sofort viele Leute kennengelernt, und wir haben uns super verstanden. Meine Eltern haben mir gesagt: Genieße Dein Leben und schließe Freundschaften. Das habe ich dann gemacht.

Wie ist eigentlich die Idee entstanden, die „Javelins“ wiederzubeleben?

GILLAN: Ich habe den Kontakt zu den anderen nie verloren. Vor einigen Jahren hatten wir eine Party. Da haben wir darüber gesprochen, ein Album aufzunehmen. Später habe ich den Jungs ein paar Gesangs-Demos geschickt. Sie haben dann sechs Wochen lang geprobt. Anschließend haben wir uns in Deutschland getroffen und innerhalb von vier Tagen das Album eingespielt.

Das hört sich so einfach an. Haben denn die anderen überhaupt weiter in professionellen Bands gespielt?

GILLAN: Eben nicht! Das war eine tolle Erfahrung für mich. Sie haben sich über die Jahre nicht weiterentwickelt. Als sie in Hamburg angekommen sind, haben sie exakt noch so geklungen wie 1963. Ich dachte mir: Wow, das ist nicht Retro, das ist der echte, authentische Sound, so wie wir ihn damals gespielt haben.

Haben die anderen Musiker Sie mit Ehrfurcht behandelt, weil Sie eine Hardrock-Legende sind?

GILLAN: Nein, ich bin noch nie von Musikern mit Ehrfurcht behandelt worden. Ich bin doch nur der Sänger. Die Jungs von den „Javelins“ und ich sind uns immer auf Augenhöhe begegnet.

Wie würden Sie die Songs der „Javelins“ beschreiben?

GILLAN: Das war damals die angesagte Musik. Vom Rock ’n’ Roll und Blues eines Chuck Berry oder Howlin Wolf haben wir gelernt. Die Musik war ein großer Teil unseres Lebens damals. Die „Drifters“, Jerry Lee Lewis oder Ray Charles waren unsere Helden.

Können Sie sich noch daran erinnern, wann sie das erste Mal von der Musik so richtig berührt wurden?

GILLAN: Darüber habe ich nie nachgedacht. Es passiert einfach, es ist wie atmen oder essen. Musik ist die Nahrung der Liebe oder generell des Lebens. Musik ist überall. Ich höre gerne dem Gesang der Vögel in den Bäumen zu. Natürlich gab es bestimmte Momente im Leben, die ich als sehr aufregend empfunden habe. Zum Beispiel, als ich das erste Mal „Heartbreak Hotel“ von Elvis gehört habe.

Wann war Ihnen klar, dass Sie auf der Bühne stehen wollen?

GILLAN: Ich habe nie daran gedacht, irgendwann mal auf der Bühne zu stehen. Wir waren vier oder fünf Freunde, die in einem Hinterzimmer ein bisschen musiziert haben. Wir hatten Secondhand-Gitarren, die nur zwei oder drei Saiten hatten. Unser Schlagzeug bestand aus Keksdosen. Wir haben versucht, Songs nachzuspielen, die wir im Radio gehört haben. Niemand wollte uns zu Hause proben lassen, weil wir zu viel Krach gemacht haben. Ich habe nie an morgen gedacht. Ich bin nicht ehrgeizig, war ich noch nie.

Hatten Sie nie das Ziel, in einer professionellen Band zu spielen?

GILLAN: Das kam erst später. Ich hatte zu der Zeit Gelegenheitsjobs in einer Fabrik und später im Supermarkt. Das einzige, über was ich mir Tag und Nacht Gedanken gemacht habe, war die Musik. Ohne dass ich das Ziel verfolgt hätte, Profi-Musiker zu werden, landete ich 1965 bei „Episode Six“, einer professionellen Band. Ich habe damals jede Sekunde genossen.

Wie sind Sie mit dem Erfolg von „Deep Purple“ umgegangen?

GILLAN: Du kannst lernen, wie man ein Musikinstrument spielt. Du kannst aber nicht lernen, wie man mit Erfolg umgeht. Es ist völlig egal, ob du ein Fußballer oder ein Schauspieler bist. Mit dem Erfolg ändert sich plötzlich sehr viel in deinem Leben. Plötzlich hast du ein Model als Freundin. Dein Manager erzählt dir, dass du deine alten Freunde loswerden solltest, weil sie hässlich sind, nicht zu deinem Image passen und dein neues Leben ohnehin nicht verstehen würden.

Ihre Karriere neigt sich nun langsam dem Ende entgegen. „Deep Purple“ befinden sich auf ihrer Abschieds-Tour. Wissen Sie schon, was danach kommt?

GILLAN: Wenn ich merken würde, dass meine Stimme nicht mehr mitspielt, würde ich sofort aufhören. So weit bin ich aber noch nicht.

Das hört sich so an, als ob das Ende von „Deep Purple“ noch gar nicht richtig feststeht.

GILLAN: Vor einigen Jahren hatten wir uns alle mit irgendwelchen Krankheiten herumschlagen müssen. Wir werden schließlich nicht jünger. Wir haben entschieden, von einer langen Abschieds-Tour zu sprechen. Wann diese genau endet, haben wir nicht festgelegt. Derzeit fühlen wir uns alle großartig und stark.

Ian Gillan & The Javelins

Earmusic (Edel)

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