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Becker (Peter Kurth) hat eine Frau und deren Kind getötet. Lange hat er dafür im Gefängnis gesessen. Nun ist Becker entlassen, wird von dem Ehemann und Vater der beiden Ermordeten verfolgt und muss außerdem mit seinen Schuldgefühlen fertigwerden.

Psychothriller „Zwischen den Jahren“

Interview mit Peter Kurth: „Mit Erfolg rechne ich nicht“

Unter der Regie von Lars Henning spielt Peter Kurth in „Zwischen den Jahren“ einen Doppelmörder, der von dem Ehemann und Vater seiner beiden Opfer verfolgt wird.

Für seine Darstellung eines ALS-kranken Ex-Boxers in „Herbert“ bekam Peter Kurth voriges Jahr den Deutschen Filmpreis für die „Beste männliche Hauptrolle“ sowie den Deutschen Schauspielpreis. 2014 wurde der heute 59-Jährige von den Kritikern der Fachzeitschrift „Theater heute“ zum „Schauspieler des Jahres“ gekürt. Kurth war lange Ensemblemitglied des Thalia-Theaters Hamburg sowie des Berliner Maxim-Gorki-Theaters. Seit 2013 ist er am Schauspiel Stuttgart engagiert. Im Frankfurt-„Tatort“ trat er außerdem an der Seite von Joachim Król und Nina Kunzendorf als Kommissar Seidel auf. In dem Psychothriller „Zwischen den Jahren“, der unlängst auf der Berlinale lief, spielt Kurth den haftentlassenen Mörder Becker, der von dem Ehemann und Vater seiner beiden Opfer gejagt wird. Mit dem Schauspieler unterhielt sich Dieter Oßwald.

Herr Kurth, haben Sie mit dem großen Erfolg dieses kleinen Thrillers auf der Berlinale gerechnet?

PETER KURTH: Ich gehöre zu den Leuten, die eher tiefstapeln und keine großen Erwartungen hegen. Mit Erfolg rechne ich sowieso nicht. Erst recht, wenn es sich um ein so hartes Thema handelt wie in „Zwischen den Jahren“. Umso schöner ist es natürlich, wenn die Resonanz so positiv ausfällt und ein Projekt seinen Weg nimmt.

Wie schon in „Herbert“ spielen Sie auch hier eine knorrige Figur. Sind Sie der Spezialist für solche harten Typen?

KURTH: Spezialist klingt nach einer Festlegung, das würde ich ungern machen. Die Ähnlichkeiten dieser beiden Geschichten und meiner Rollen ist tatsächlich purer Zufall. Den Regisseur Lars Henning kenne ich sehr lange, vor zehn Jahren entstand mit ihm bereits eine Kurzfilm-Version mit dem Titel „Security“. Damals hat es zwischen uns beiden gefunkt, wir konnten sehr gut miteinander arbeiten. Als er nach sehr langer Vorarbeit mir diese Figur nochmals für den Spielfilm anbot, konnte ich nur zusagen. Alles andere wäre Verrat gewesen, auch an mir selbst.

Was interessiert Sie an solch einer Außenseiter-Figur?

KURTH: Diese Figur hat einen ganzen Sack voller Probleme, an denen sie schließlich auch wirklich scheitert. Das auszuloten, ist eine große Aufgabe, weil man selbst ja doch aus einer anderen Ecke kommt. Man muss also da schon richtig hinschauen und recherchieren. Man kann die Rolle ja nicht nur spielen. Im Film geht es darum, dort einzutauchen und die Figur glaubwürdig zu präsentieren. Die Zuschauer müssen im Kinosessel sitzen und sagen: „Ja, das ist er!“.

Wie groß ist die persönliche Schnittmenge zu der Figur Becker? Was macht Sie wütend oder ohnmächtig?

KURTH: Ich bin so sozialisiert, dass da viele Schutzmechanismen wirken, um mit der normalen Wut über Dinge des täglichen Lebens umzugehen.

Sie sind schon häufig in Kinofilmen aufgetreten. Der große Durchbruch mit „Herbert“ samt Filmpreis kam erstaunlich spät. Woran liegt das?

KURTH: Es gab eine Zeit, wo ich mich entscheiden musste zwischen Bühne und Film, und für mich ging der Weg damals zum Theater. Ich galt wohl als recht interessanter Typ, zugleich hieß es jedoch immer: „Der hat ja keine Zeit, der spielt nur Theater“.

Haben Sie die Entscheidung bereut?

KURTH: Man kann sich ärgern über Entscheidungen, aber wenn ich das bereuen würde, dann hätte ich ein Problem. Und das habe ich glücklicherweise nicht! Der Weg war schon sehr gut so.

In „Zwischen den Jahren“ sind Sie in fast jeder Szene zu sehen. Wie erleben Sie sich selbst, wenn Sie das betrachten?

KURTH: Wenn ich mich im Film sehe, dann geschieht das meist mit einem kritischen Blick: Hier hättest du etwas besser machen können! Und dort solltest du nächstes Mal besser aufpassen. Es ist schon eine komplizierte Angelegenheit, von einer Figur auf der Leinwand begeistert zu sein, die man selbst erarbeitet hat.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die ein Schauspieler in seinem Beruf haben sollte?

KURTH: Wenn ich das wüsste, dann hätte ich schon wieder ein Problem. Damit wüsste ich ja etwas, was niemals allgemeingültig sein kann. Wenn ich das wüsste, würde das nur auf meine Person zurückfallen und auf mein Verhalten – und das wollen wir tunlichst bleiben lassen.

Sie treten demnächst in der Serie „Berlin Babylon“ von Tom Tykwer auf. Worin liegt da der Reiz für Sie?

KURTH: Die Drehbücher sind einfach ganz wunderbar. Die Roman-Vorlagen von Volker Kutscher gefallen mir schon seit vielen Jahren. Wobei es nicht nur um die Krimigeschichten geht, sondern vielmehr gibt es ein ganzes Kaleidoskop über das Lebensgefühl im Berlin am Ende der 20er Jahre. Charlottenburg hieß wegen der vielen geflohenen Russen damals Klein-Petersburg. Da gab es Verbrecherbanden, es gab die Sozialisten, die Kommunisten und den aufkeimenden Nationalsozialismus. Das ist eine sehr spannende Zeit gewesen.

Geht der Karriere-Kurs für Sie weiter in Richtung Kino?

KURTH: Klar! Nächsten Monat beginnen die Dreharbeiten zu einem großen Actionfilm, wo ich an der Seite von Tom Hanks die Hauptrolle spiele – nein, das war nur ein Spaß! Wie es weitergeht, das weiß ich noch nicht.

Vom 16. März an in den Kinos

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