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Horcher vom Dienst: Agent Johnny English (Rowan Atkinson) ist froh, dass er so altmodisch ist. Während seine Kollegen durch eine Cyberattacke enttarnt wurden, besitzt Johnny nicht mal ein Smartphone, damit er nicht geortet werden kann.

Agentenkomödie „Johnny English“ i

Interview mit Rowan Atkinson: „Niederlagen sind sehr komisch“

Als tollpatschiger „Mr. Bean“ wurde Rowan Atkinson weltweit zum Lacherfolg. Mittlerweile ist er auch als Spion in der Agentenparodie „Johnny English“ eine Spaßkanone. In der neuen Episode „Man lebt nur dreimal“, unzweifelhaft wieder eine Verulkung der James-Bond-Filme, schlägt sich Johnny unter der Regie von David Kerr mit den Tücken der Digitalisierung herum. Dieter Oßwald sprach mit dem 63-jährigen Komödianten, der einst mit Tony Blair die Schulbank drückte.

Mister Atkinson, Ihre Helden Johnny English und Mr. Bean sind denkbar unsympathische Einfaltspinsel. Weshalb sind solche Figuren dennoch derart beliebt?

ROWAN ATKINSON: Stimmt, auch ich finde keinen der beiden besonders nett. Aber ihre Selbstsucht wirkt eben unglaublich komisch. Bei ihnen kreist alles ständig nur um ihre Egozentrik. Sie kämen nie auf die Idee, die Meinung oder Ansichten von anderen Menschen anzuhören. Mr. Bean ist schon ein ausgesprochen ichbezogener Typ – aber Johnny English steht ihm darin kaum nach. Es gibt im Film diese sehr bezeichnende Szene, als sein Assistent erzählt, er hätte geheiratet. Das interessiert Johnny in keinster Weise, was er auch sehr deutlich macht. Ihn interessiert allein, ein Leben wie James Bond zu führen. Früher war mir das gar nicht so bewusst, aber mit dieser Szene wird klar: Johnny ist kein sehr netter Mensch.

Mit Olga Kurylenko spielt ein echtes Ex-Bond-Girl an Ihrer Seite. Sie traten einst selbst in „Sag niemals nie“ auf. Haben Sie beim Dreh Erinnerungen an 007 ausgetauscht?

ATKINSON: Nein, wir haben uns nie über James Bond unterhalten. Ich wusste offen gestanden auch gar nicht besonders viel über die Filme von Olga. Spielte sie nicht in „Ein Quantum Trost“ mit? Den habe ich gar nicht gesehen! Es geht mir da wie vielen anderen Leuten: Das ist der einzige Bond-Film, den ich nicht kenne – er soll ja auch nicht besonders gut sein.

An der Seite von Egozentrikern zu spielen, kann keine besonders dankbare Aufgabe sein.

ATKINSON: Für Schauspieler ist es ein Graus, mit Johnny English oder Mr. Bean aufzutreten. Denn Schauspieler müssen sich ihrem Gegenüber anpassen, was mit diesen selbstsüchtigen Figuren nur schwer möglich ist. Olga macht ihre Sache sehr gut. Noch mehr gefordert ist Ben Miller, der den Assistenten Bough verkörpert. Er muss mit diesem Egozentriker schließlich zusammenarbeiten.

Haben Sie als Kind davon geträumt, einmal James Bond zu sein?

ATKINSON: Ich kann mich nicht genau erinnern, aber ich vermute schon. Einmal James Bond sein zu wollen, ist immerhin ein sehr weit verbreitetes Syndrom. In den 60er Jahren gab es den Spruch: „Jeder Mann möchte James Bond sein. Und jede Frau möchte ins Bett mit ihm.“ Bond besaß einfach diese universelle Anziehungskraft. Für Johnny English ergibt sich das Problem, dass er gerne Bond wäre. aber offenkundig überhaupt nicht qualifiziert dafür ist. Bizarrerweise geht er dennoch als Sieger hervor – doch bis dahin können wir uns an all seinen Niederlagen erfreuen.

Wie sein Vorbild verfügt auch Johnny English über technische Spielereien. Wie viel Spaß macht die Verwendung solche Wunderwaffen?

ATKINSON: Das macht ziemlichen Spaß. Für mich ist es die Ausnahme, weil ich Dreharbeiten eigentlich sonst immer hasse. Filmemachen gefällt mir absolut nicht, es bedeutet sehr viel Stress und bietet keinerlei Vergnügen.

Das sind nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für den Job. Warum machen Sie dann Filme?

ATKINSON: Mir gefällt die Entwicklung der Ideen und Drehbücher. Und ich genieße es, im Schneideraum mit dabei zu sein. Mich stört einfach nur das Stück dazwischen, eben diese lästigen Dreharbeiten.

Und das Stück danach? Die 160 Millionen Dollar Einnahmen, die jeder der beiden ersten Teile einspielte?

ATKINSON: Klar, ich genieße Filme, die erfolgreich sind. Und mir gefällt es, wenn eine Figur derart populär wird. Das heißt jedoch nicht, dass ich diese Figur gerne spiele. Und ebenso wenig, dass ich gerne Filme drehe. In diesem Fall gefiel mir die Grundidee sehr gut: der Kampf von digital gegen analog. Auf dieser Basis lassen sich gute Ideen für einen Film entwickeln.

Wie gut bewegen Sie sich in der digitalen Welt?

ATKINSON: Ich bin ganz okay damit. Im Unterschied zu Johnny English habe ich ein Smartphone, ein Tablet und einen Computer. Soziale Medien nutze ich jedoch überhaupt nicht, weil ich ein einfacheres Leben führen möchte. Wir stehen doch alle vor diesem Dilemma: Da gibt es diese enormen technologischen Möglichkeiten. Gleichzeitig empfindet man sie aber als Last. Was dein Leben einfacher machen sollte, entpuppt sich als das Gegenteil.

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