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Wolfgang Petry ist von der Bühne abgetreten, aber seine Hits sind in dem Musical „Das ist der Wahnsinn!“ kräftig dabei – in Frankfurts Jahrhunderthalle

Musical "Das ist Wahnsinn!"

Interview mit Wolfgang Petry: "Plötzlich musste ich mal weinen"

Nein, zurück auf der Bühne ist Wolfgang "Wolle" Petry nicht. Doch seine Hits feiern republikweit ein Live-Comeback - als Musical "Das ist Wahnsinn!". Im Mittelpunkt stehen vier Paare, deren Beziehungsgeschichten in die Hits des Schlagerstars "Bronze, Silber und Gold", "Weiß der Geier", "Wahnsinn" eingebettet sind. Vom 12. bis 24. Februar gastiert das Musikstück in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Unterdessen weilt Petry, der sich von der großen Bühne zurückgezogen hat, auf Lanzarote, wie er Christoph Forsthoff erzählt hat.

Herr… wie spreche ich Sie eigentlich am besten an: Wolfgang Petry? Pete Wolf? Oder doch Franz Hubert Wolfgang Remling?

WOLFGANG PETRY: Ich reagiere in der Tat auf jeden dieser Namen – und zusätzlich noch auf meinen weiteren Rufnamen „Wolle“. Es ist wunderbar, sich mit den unterschiedlichen musikalischen Möglichkeiten zwischen Wolfgang Petry und Pete Wolf zu beschäftigen – wobei die Arbeit im Studio eine andere ist und es auch ein anderes Gefühl beim Singen ist.

Fühlen Sie sich geehrt, nun ein eigenes Musical zu haben? Immerhin stehen Sie damit in einer Reihe mit „Abba“, Udo Jürgens und „Queen“…

PETRY: Ich fühle mich sehr geehrt, dass es jetzt das Musical „Das ist Wahnsinn!“ mit meinen Hits gibt. Und es zeigt sich, dass man mit viel Energie und guten Ideen ein sehr unterhaltsames Musical aus meinen Liedern machen kann.

Es heißt, bei Ihrem ersten Probenbesuch hätten Sie geweint – war es so schlimm…?

PETRY: Nein, es war überhaupt nicht schlimm – ganz im Gegenteil, es war sehr ergreifend und schön. Ich habe viel gelacht – und an der Stelle, als das für mich sehr emotionale Lied „Nichts von alledem“ gesungen wurde, musste ich in der Tat weinen.

Im letzten Jahr haben Sie in Berlin dann auch eine Abendvorstellung besucht – wie fiel Ihre Kritik im nachhinein aus?

PETRY: Ich war ja bereits bei der Entstehung des Musicals eng eingebunden und habe einige Proben gesehen, wo ich mich und meine Ideen auch einbringen konnte – und natürlich habe ich mich im nachhinein bei den Machern und Darstellern bedankt, denn sie haben das ganz großartig gemacht. In „Das ist Wahnsinn!“ ist einfach alles drin, Witziges wie auch Emotionales, und es ist sehr unterhaltsam zusammengestellt. Zur Zugabe bin ich dann ja sogar spontan auf die Bühne gegangen und habe mit dem Ensemble gesungen: Ich konnte in diesem Moment einfach nicht anders.

Wolfgang Petry in früheren Jahren mit längeren Haaren.

Und, sind Sie an jenem Abend wieder auf den Bühnen-Geschmack gekommen?

PETRY: Mein spontaner Auftritt war geil und hat mir schon Spaß gemacht, aber über mehr Live-Aufritte mache ich mir im Moment keine Gedanken.

Hatten Sie sich nach Ihren seinerzeitigen ersten Probenbesuchen vorgestellt, dass „Wahnsinn!“ zu einer bundesweiten Erfolgsstory werden könnte mit inzwischen mehr als 250 000 verkauften Tickets?

PETRY: Damit gerechnet hatte ich in dieser Form ganz bestimmt nicht – ganz im Gegenteil. Als die Idee geboren wurde, war ich ja eher skeptisch. Wenn man heute aber das fertige Stück sieht und hört, Story und Musik, das passt für mich alles gut zusammen.

Nicht zuletzt ob Ihrer Songs – was macht deren Erfolg bis heute aus?

PETRY: Meine Lieder haben immer aus dem wahren Leben erzählt. Die Geschichten in den Liedern sind nachvollziehbar, und jeder meiner Leute hat sie so oder so ähnlich schon einmal selbst durchlebt.

Trotzdem mag in der Öffentlichkeit kaum jemand zu seiner Liebe zum deutschen Schlager stehen. Woher rührt dieses schlechte Image des Schlagers hierzulande?

PETRY: Das Image des deutschen Schlagers ist für Millionen von Menschen absolut okay. Daneben gibt es natürlich auch andere Geschmäcker, und manche meinen dann, dem Schlager ein schlechtes Image verpassen zu müssen. Doch ich mag dieses Schubladendenken nicht.

Haben Sie deshalb auch vor zwei Jahren einen Abstecher in ein ganz anderes Genre unternommen und als Pete Wolf ein Blues-Rock-Album veröffentlicht?

PETRY: Ich habe mich schon immer mit vielen verschieden Musikrichtungen beschäftigt, nicht nur mit Blues. Und ein solches Album hatte ich schon mein ganzes Leben lang machen wollen, doch bis dahin war nie der richtige Zeitpunkt gewesen. Nun hat einfach alles zusammengepasst.

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Ihr jüngstes Album „Genau jetzt!“ indes schließt für viele genau dort an, wo Sie einst mit ihrem Rückzug von der Bühne aufgehört haben. Sind Sie damit wieder bei sich selbst angekommen?

PETRY: Ich denke darüber nicht großartig nach. Musik zu machen und Töne aneinander zu reihen, ist mein Leben und meine Leidenschaft, und das kann und will ich auch nicht ausschalten. An der inhaltlichen Diskussion möchte ich mich nicht beteiligen: Ich mache Musik, die mir gefällt – egal ob als Wolfgang Petry oder mit der Pete Wolf Band.

Was braucht es für Sie neben der Musik zum Glück?

PETRY: Ich finde Gesundheit ist das größte Glück, das wir haben können.

Ihr persönliches Glück haben Sie nach Ihrem Rückzug von der Bühne in Hennef gefunden – ein eher unscheinbarer Ort.

PETRY: Hennef und seine Umgebung sind wunderschön! Man kann die Ruhe genießen und doch auch schnell mitten im Leben sein – für mich eine perfekte Mischung.

Zumindest in der wärmeren Jahreszeit, denn im Winter ziehen Sie sich ja nach wie vor in den Süden zurück.

PETRY: Ich mag keinen Schnee, und Kälte ist auch nicht so mein Ding. Daher ist es einfach schön, eine gewisse Zeit im Jahr in einem anderen Klima zu leben.

Verschiedene Ihrer Kollegen sind nach ihrem Rückzug von der Bühne ein paar Jahre später dann doch schwach geworden und haben ihren Rücktritt vom Rücktritt erklärt. Wann werden Sie mit den Songs des Wolfgang Petry wieder in die Stadien der Republik zurückkehren?

PETRY: Ich kann mir das nicht vorstellen. Alles hat seine Zeit, und ich glaube nicht, dass diese Zeit nochmal zurückkommt.

Apropos Zeit, Sie steuern langsam aber sicher auf die 70 zu – was löst diese Zahl bei Ihnen gedanklich aus?

PETRY: Gar nichts. Ich stehe mitten im Leben, eine einfache Zahl spielt für mich da keine Rolle.

Immerhin haben Sie selbst das Altern in Ihrem neuen Song „80“ aufgegriffen. Unsere Gesellschaft erlebt eine immer größere Zahl pflegebedürftiger alter Menschen. Fürchten Sie, selbst einmal zu einem Pflegefall zu werden?

PETRY: Ich hoffe, ich werde selbst nie zu einem Pflegefallfall, denn ich möchte anderen nicht zur Last fallen. Doch großartige Gedanken mache ich mir darüber nicht – und Angst habe ich auch keine.

Obgleich in Ihrem Bekanntenkreis in den letzten Jahren schon so mancher gestorben ist, wie Ihr Sohn erzählt hat. H aben Sie Angst vor dem Tod?

PETRY: Mit dem Thema habe ich nichts zu tun. Ich schaue dem Tod in die Augen – aber bis es soweit ist, läuft ganz sicher noch viel Wasser den Rhein runter . . .

…und Sie an selbigem noch so manches Mal entlang, denn für Ihre eigene Fitness treiben Sie täglich zwei Stunden Sport – was steht da auf Ihrem Trainingsplan?

PETRY: Mein Sportprogramm besteht aus den unterschiedlichsten Übungen, viel Bewegung, Muskeltraining und Laufen. Ich mache dieses Training einfach aus dem Grund, weil es mir gut tut und mir sonst etwas fehlen würde. Zumal es auch sehr gut ist für meine Arbeit im Studio, denn dadurch habe ich ordentlich Puste beim Singen.

Das ist Wahnsinn!

Jahrhunderthalle, Pfaffenwiese, Frankfurt.. 12. bis 24. Februar, verschiedene Uhrzeiten. Karten zu 34,90 bis 74,90 Euro unter Hotline 01805-57 00 70. Internet www.eventim.de,

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