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Julia Jentsch kommt mit „24 Wochen“ ins Kino

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Astrid (Julia Jentsch) muss entscheiden, ob sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt, oder ein krankes Kind zur Welt bringt.
Astrid (Julia Jentsch) muss entscheiden, ob sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt, oder ein krankes Kind zur Welt bringt. © Friede Clausz (Neue Visionen Filmverleih)

Unter der Regie von Anne Zohra Berrached geht es in „24 Wochen“ um die Gewissensfrage: Abtreiben oder nicht? Die Regisseurin stellt das Werk in Frankfurt vor.

Ihre Karriere begann bei den Münchner Kammerspielen, mit „Die fetten Jahren sind vorbei“ gelang Julia Jentsch dann 2004 der Durchbruch im Kino. Ein Jahr später spielte sie die Titelrolle der Widerstandskämpferin in „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, wofür sie den Silbernen Bären der Berlinale erhielt. In Frankfurt drehte sie 2014 mehrere Fernsehkrimis nach den Büchern von Jan Seghers und übernahm dabei die Rolle der Kommissarin. Nun kommt die Schauspielerin in „24 Wochen“ in die Kinos, wo sie als schwangere Kabarettistin Astrid erfährt, dass ihr ungeborenes Kind mit dem Down-Syndrom und einem schweren Herzfehler auf die Welt kommen wird – und vor der Entscheidung für oder gegen Abtreibung steht. Es ist ein Thema, das die menschliche Moral berührt, gerade im Hinblick auf die Gentechnologie, die in Zukunft immer stärker in der Lage sein wird, geschädigtes Erbgut zu verändern. Nicht nur Theologen stellen sich da die Frage, ob der Mensch hier unerlaubt in Gottes Handwerk pfuscht. Dieter Oßwald sprach mit der 38-jährigen Julia Jentsch über den Film, der zum Kinostart am morgigen Donnerstag von Regisseurin Anne Zohra Berrached im Frankfurter Cinema vorgestellt wird.

Frau Jentsch, wie groß war Ihre Angst vor solch einer Rolle, die so sehr ans Menschliche geht?

JULIA JENTSCH: Solch ein Thema ist natürlich heftig. Nach dem Lesen des Drehbuchs dachte ich: Starker Stoff, gut geschrieben, bewegendes Thema – aber muss das jetzt sein für mich? Gleichzeitig hat mich das Buch nicht losgelassen. Ich traf mich mit der Regisseurin Anne Zohra Berrached, und nach dieser Begegnung war ich überzeugt. Anne hat mir erzählt, was sie mit diesem Film schaffen möchte, und wie sie arbeitet.. Es entstand schnell eine Vertrauensbasis und das Gefühl, dass ich mit dieser Regisseurin eine so schwierige Reise wagen konnte.

Nach der Vorstellung auf der Berlinale herrschte spürbar Beklommenheit beim Publikum. Wie erging es Ihnen beim Dreh? Helfen dem Profi seine Techniken, um solche Figuren zu spielen?

JENTSCH: Zum Glück standen die Arbeit und das Erzählen sehr im Vordergrund. Bei diesem Dreh waren wir alle getragen von einer positiven und leidenschaftlichen Stimmung am Set. Daraus ergab sich ein angenehmes Gegengewicht zu manchen der schwierigen Szenen. Gleichwohl gab es Tage, bei denen man anschließend froh war, das alles durchgestanden zu haben.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

JENTSCH: Meine Vorbereitung bestand darin, Menschen zu treffen, die Ähnliches erlebt haben wie Astrid. Das war sehr extrem und bewegend, weil diese Menschen mir ihre schlimmsten und intimsten Erlebnisse erzählt haben. Und, was mich verblüfft hat: Als ich im Bekanntenkreis erzählte, was für einen Film ich mache, begannen überraschend viele zu erzählen: Du, das habe ich auch erlebt. Oder: Das ist ja unsere Geschichte! Es betrifft mehr Menschen, als man denkt.

Belastet eine solch ernste Rolle Sie auch nach Ende eines Drehtages noch weiter?

JENTSCH: Während der Drehzeit ist das nicht so einfach. Schließlich überlegt man ständig, wie man diese Figur weiter entwickelt und die kommenden Szenen anlegt. Gedanklich ist das Projekt fast ständig präsent, emotional verhält es sich hingegen unterschiedlich. Es gab Szenen, die rein körperlich sehr anstrengend waren – an solchen Tagen ist man nach Drehschluss platt und froh, sich nur hoch hinlegen und schlafen zu können.

Zur Erholung durften Sie als Kabarettistin Astrid ein paar Bühnenszenen spielen. Wie hat Ihnen dieser Teil der Rolle gefallen?

JENTSCH: Das war schon noch eine Nummer für sich, zumal das alles vor realem Publikum stattfand und diese Szenen in ein laufendes Kabarettprogramm eingebaut wurden – da bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen. Ich habe einen Riesenrespekt vor diesem Job. Sich selbst lustig zu finden und ganz allein auf der Bühne zu stehen und auch weiterzumachen, wenn das Publikum nicht lacht. Knochenarbeit ist das.

Cinema, Roßmarkt 7, Frankfurt. Vorstellung am 22. September, 20 Uhr, mit Anne Zohra Berrached. Karten unter Telefon (069) 21 99 78 55. Internet

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