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Justin Timberlake performt in Frankfurt.

Konzert

Justin Timberlake versprüht Lagerfeuer-Romantik in der vollen Festhalle

Grandiose Performance, mieser Sound: US-Alleskönner Justin Timberlake bittet in der Festhalle zum ereignisreich ekstatischen Trip in den Wald.

Justin Timberlake strotzt nur so vor natürlicher Bodenständigkeit und textiler Schlichtheit. Locker sitzende Hosen, ein weites T-Shirt, weiße Turnschuhe und ein stets angedeutetes Lächeln im bärtigen Antlitz genügen beim proppevollen Hochleistungsmarathon am ersten von zwei Gastspielen seines nach dem fünften Studioalbum betitelten Showkonzepts „Man Of The Woods“. Weitaus opulenter sind die Kulissen: Ein sporadisch mit Bäumen bestückter und von mehreren Tanzinseln unterbrochener Laufsteg windet sich einem Fluss gleich als gigantische Serpentine quer durch den gesamten Innenraum der Festhalle. In einzelnen Nischen, von Security bewacht, die streng die gültigen Armgelenk-Bändchen kontrollieren, dürfen jene betuchteren Fans stehen, die ihrem Star nah sein möchten und einen höheren Ticketpreis berappen können.

Für die Besucherschar der ersten und zweiten Etage, die zwar nicht so nah an den immer wieder mit hysterischem „Justin“-Gekreische gerufenen Sänger, Komponisten, Moderator und Schauspieler herankommen, dafür aber den Gesamtüberblick behalten, gilt heute die Ausnahme, die ansonsten die Regel bestätigt: Auf beiden Stockwerken lassen sich sämtliche Sitzplätze einnehmen.

Als einziges Manko vom pompösen Auftakt „Filthy“ bis zum finalen „Can’t Stop The Feeling!“ ohne Zugabenteil erweist sich in der opulenten, bis auf die Sekunde getimten Show von Anfang an die Soundqualität. Je nachdem, wo man steht oder sitzt, kann das stets etwas zu basslastig dumpfe Phongewitter von recht passabel bis grauenhaft schlecht variieren. Mitunter lassen sich ganze Songzeilen von makellos bis ins Falsett gesungenen Einsätzen Justin Timberlakes kaum verstehen. Am erstklassigen Begleitensemble „Tennessee Kids“ liegt die miese Akustik nicht.

Irritiert durch die fehlende Klangbalance zeigt sich die mehrheitlich weibliche Besucherschar diverser Altersgruppen allerdings nicht. Genügt doch allein Justin Timberlakes immer wieder auf Nähe geeichte Präsenz: Er schüttelt Hände, umarmt ihm grenzenlos glücklich entgegegestreckte Leiber, gibt Autogramme, posiert für Selfies und erzeugt so höchste Wallungen kollektiver Emotionen.

In schöner Regelmäßigkeit turnt der 37 Jahre alte Ehemann von Ebenso-Alleskönnerin Jessica Biel mit oder ohne seine sechs Tänzer, drei weibliche und drei männliche, in choreografierter Grandezza über die weitflächige Bühnenlandschaft. Immerhin funktioniert die 1993 als Dreikäsehoch im Gespann mit Britney Spears, Christina Aguilera und Ryan Gosling in der TV-Show „Mickey Mouse Club“ in den USA gestartete, wenig später dann mit der Boyband „*NSYNC“ auf globale Eroberung zielende Weltkarriere noch immer ausgezeichnet – im Gegensatz zu den in die Krise geratenen Euro-Kollegen Ronan Keating und Robbie Williams.

Nach wie vor buhlt Mr. Timberlake, der gelegentlich zur Akustikgitarre greift, am E-Piano brilliert und auch einen digitales DJ-Pult 1A zu bedienen versteht, mit Konkurrent Bruno Mars um den verwaisten Thron des King Of Pop Michael Jackson. Von seinen gerade mal fünf seit 2002 erschienenen Soloalben platzierten sich die letzten vier allesamt auf der Pole Position der US-Hitlisten. Dazu gab es zig ausgekoppelte Charthits als Discotheken-Renner, die sich in zwei Stunden in der Festhalle als jeweils frenetisch begrüßte Werkschau aneinanderreihen.

Timberlake & Team liefern aber nicht nur US-Nummer-eins-Hits wie „SexyBack“, „My Love“ und „What Goes Around . . . Comes Around“. Jeder Song erhält seine ureigene Kulisse. Beim Titelsong „Man Of The Woods“ wachsen tatsächlich Grasbüschel aus dem Boden, bei „Cry Me A River“ kullern auf den immer wieder hoch- und heruntergefahrenen transparenten Projektionsflächen vom einen bis zum anderen Hallenende Millionen virtueller Tränen hernieder.

Doch es geht noch heißer: Im letzten Konzertdrittel leistet sich der Ex von Britney Spears und Cameron Diaz im Akustikset tatsächliche ein echt loderndes Lagerfeuer, um das er und sein Chor sich gruppieren: Zenya Bashford darf Fleetwood Macs „Dreams“, Nicole Hurst Lauryn Hills „Ex-Factor“, JK John Denvers „Thank God I’m A Country Boy“ und Kenyon Dixon „Come Together“ von den „Beatles“ performen.

Danach zünden mit „Montana“, „Summer Love“, „Rock Your Body“, „Supplies“ und „Like I Love You“ weitere Hit-Glanzlichter. Dass zur ordentlich groovigen Mucke nur wenige das Tanzbein schwingen wollen, eine Mehrheit lieber per Smartphone filmt, liegt nicht am grandiosen Justin samt Anhang, sondern am gegenwärtigen Zeitgeist.

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