Verleger Dielmann plant Caféhaus-Literaturzeitschrift

Zu Kaffee und Kuchen auch etwas geistige Nahrung, bitte!

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Der Frankfurter Verleger Axel Dielmann will eine alte Idee wiederbeleben: eine Caféhaus-Literaturzeitschrift für Gedichte und anspruchsvolle Texte.

Literatur dorthin zu bringen, wo man Muße hat, sie zu lesen: Das war 1982 der Ursprung für Axel Dielmanns Initiative, eine Literaturzeitschrift für Cafébesucher zu entwickeln. „Schritte“ hießen die vierteljährlich erschienen Ausgaben im Din-A-3-Format, die bald in den Cafés der Republik hingen. Neben den großen Tageszeitungen war dies ein weiteres Leseangebot: Zu Café und Croissant konnte man nun ein Gedicht oder einen kurzen Text zu sich nehmen. 1993 ging aus der Zeitschrift der Axel-Dielmann-Verlag hervor, der bis heute engagierte und entlegene, süffige und störrische Literatur verlegt: Bücher, die nie dem Mainstream folgen, die überraschen und gern stören.

Um dem immer stärker an Bestsellern orientierten Literaturbetrieb etwas entgegenzusetzen, hat Dielmann nun beschlossen, sein Projekt neu aufzulegen.

In den Cafés von Frankfurt, Wiesbaden und weiteren Städten (unter anderem Hamburg, Berlin, Leipzig, Köln, Düsseldorf, Essen, München, Wuppertal, Stuttgart, Erfurt, Hannover) einschließlich der Ursprungsstadt der Caféhausliteratur, Wien (dort allein in 66 Cafés), wird die Zeitschrift von März an hängen. Idealerweise kommen noch viele Städte hinzu. Auf 45 insgesamt hofft der Verleger.

Dafür macht er mit bei der Crowdfunding-Initiative „KulturMut“ der Aventis-Stiftung. Dort kann man sich mit einem kleinen oder größeren Obolus (ab 5 Euro) beteiligen. Die erfolgreichsten Projekte, die ihr Finanzierungsziel – bei „Schritte“ 12 000 Euro – nicht erreichen, erhalten die fehlende Summe von der Stiftung und dem Kulturfonds Rhein-Main als Preisgeld. Da die Zeitschrift in mindestens 1000 Cafés aushängen soll und jedes Exemplar erfahrungsgemäß zweieinhalb Leser täglich finde, mache das bei einer Aushangzeit von 70 Tagen 180 000 Leser, sagt Dielmann. Eine stolze Zahl für eine Zeitschrift, die sich dem Experiment mehr verpflichtet fühlt als gängiger Wohlfühlware, die etwas wagen und auch verstören will, statt es ihren Lesern allzu kuschelig zu machen. Gerade, weil „Schritte“ es ernst meint, werden die ersten Schritte nicht einfach sein.

Der Verleger setzt, wie er in einem natürlich in Frankfurter Cafés gedrehten Ankündigungsfilm verrät, auf „kluge und ungewöhnlich gestaltete Gedichte, spannende Erzählungen und Romanauszüge von eigensinnigen Autoren – denn Eigensinn gibt es immer zu wenig.“ Mit den „Schritten“ wollen er und sein Team „querschießen gegen die immergleichen Bestseller“, und zwar mit „großartigen Autoren“, von denen viele auch noch unentdeckt sind. Eine Auftaktveranstaltung demnächst ist in Planung, die erste Zeitschrift soll Anfang März hängen. Ideen gibt es immer mehr als Geld. Aber bei letzterem kann ja von jetzt an jeder, dem die Idee gefällt, helfen.

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