Rheingau Musik Festival

Kammermusikabend: Nur eine Simulation von Leidenschaft

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Lediglich auf durchschnittlichem Niveau bewegte sich der Kammermusikabend des Rheingau Musik Festivals mit „Fokus-Künstler“ Brett Dean auf Schloss Johannisberg. Das lag auch an der ersten Geigerin.

Stabil und stabilisierend wirkten vor allem die Bratschen. Brett Dean, Fokus-Künstler des Rheingau Musik Festivals, und Hélène Clément gestalteten die Begleitstimmen des Mozart-Quintetts C-Dur KV 515 federnd, spannend, präzise. Dem schloss sich Sekundgeigerin Gergana Gergova bisweilen an. Um diesen Kern herum agierten die dialogisierenden Außenstimmen von erster Violine (Baiba Skride) und Violoncello (Alban Gerhardt) indes unscharf, flackernd, mit starker Tendenz zum Ungefähren, in der Oberstimme sogar Substanzlosen.

Dergestalt geriet der Kopfsatz weniger zur Deutung denn zur Diagnose. Dass auf dem Podium des Metternich-Saals von Schloss Johannisberg kein homogenes, feinfühlend interagierendes Ensemble saß, wurde mehr als offenbar. Die Einzelstimmen wuchsen nicht zum Ganzen zusammen. Wo tänzerische Eleganz sich hätte ausschwingen sollen wie im Menuett oder die Seele beredt sich aussprechen wie im Adagio, blieb es zumeist beim Aneinanderreihen von Noten. So als würde ein Text buchstabiert. Aufs Ganze betrachtet eine enttäuschende, nur durchschnittliche Wiedergabe. Für ein solch hochwertiges Mozart-Werk ist das jedoch zu wenig. Ob Dean selbst mit der klanglichen Umsetzung seiner 2010 komponierten „Epitaphs“ zufrieden war? Mit etwas Fantasie ließ sich konstruieren, wie diese „Folge von Erinnerungsstücken an Wegbegleiter“ (Dean) hätte klingen können. Ähnlich wie bei Mozart erschöpfte sich der Vortrag mehr in Andeutungen, als dass die Aussage klar zutage getreten wäre.

Während des G-Dur-Quintetts Opus 111 von Brahms verstärkte sich die Tendenz der ersten Geigerin, Effekte just dort zu setzen, wo keine sind und auch keine hingehören. Also gleichsam auf dem falschen Fuß Hurra zu schreien. Das setzte starke Fliehkräfte frei und verfälschte sowohl die strukturelle als auch die emotionale Aussage dieses Spätwerks. So erschien der Beginn des Kopfsatzes mehr eine Simulation von Leidenschaft denn authentische Gefühlsäußerung. Die Wiedergabe vermittelte vielfach den Eindruck, nicht durchdacht sowie handwerklich und interpretatorisch nicht genug geprobt zu sein. In den Bratschen sehr viel weniger, in den Violinen und im Cello dafür deutlich mehr. Rheinbergers „Abendlied“ als Zugabe.

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