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Mit seiner markanten Stimme bringt Ronnie Radke im Frankfurter ?Zoom? seine Fans beinahe um den Verstand.

Rockkonzert

In der Kehle von Ronnie Radke steckt eine Horde Zombies

Schlimme Finger oder doch ganz handzahm? Die von Vokalist Ronnie Radke angeführte amerikanische Alternative-Rock-Formation „Falling in Reverse“ gastiert im Frankfurter „Zoom“.

Ronnie Radke, Frontmann von „Falling in Reverse“, erfüllt sämtliche Kriterien eines Multitalents: Im Rampenlicht erweist er sich als gewiefter Vokalist und Entertainer, im Aufnahmestudio glänzt er als Komponist, Texter, Gitarrist und Pianist in Personalunion. Wahre Pin-Up-Qualitäten besitzt der attraktive 34 Jahre alte Vokalist aus Las Vegas auch noch. Wenn er im armlosen Muskel-T-Shirt seinen trainierten Body mit flächendeckenden Tattoos zur Schau stellt, dann richten sich nicht nur die begierigen Blicke zahlloser junger Damen auf ihn, die sich mehrheitlich im vorderen Bühnenbereich drängen, sämtliche Texte mitsingen und immer wieder schrille Schreie hysterischen Entzückens ausstoßen. Auch die nicht ganz so zahlreichen Jungs im Publikum finden so einen Anblick toll.

Mit seinem Charisma taugt Radke definitiv zum Jugendidol. Zumal er mit gleich zwei unterschiedlichen Vokalstilen in den Bann zu ziehen versteht: Seine kräftige Gesangsstimme, die an Billie Armstrong („Green Day“) und Mark Hoppus („Blink 182“) gleichermaßen erinnert, wechselt sich mit gutturalem Kehlgesang („Death Growl“) ab, als wäre eine Horde Zombies aus den populären TV-Serien „Z Nation“ und „The Walking Dead“ ausgebrochen.

Im doch recht markanten vokalen Unterschied spiegelt sich auch Radkes vielschichtige Persönlichkeit wider: Geriet der unter recht prekären Verhältnissen ohne Mutter in Las Vegas aufgewachsene Radke doch immer wieder auf die schiefe Bahn. Nachdem er gegen sein Bewährungsurteil verstieß, saß er von 2008 an zweieinhalb Jahre im Knast wegen Anstiftung zum Mord. Später wurden Vorwürfe wegen häuslicher Gewalt und Gefährdung von Konzertbesuchern laut. Erstaunlicherweise schadete Radkes Image als ausgewiesener „Baddie“ der Band bislang nicht.

Im ausverkauften „Zoom“ gibt Ronnie Radke durchweg sympathisch den Bescheidenen. Nach jedem Song, den er im Gespann mit Sologitarrist Christian Thompson, Rhythmusgitarrist Derek Jones, Bassist Zakk Sandler sowie Tournee-Schlagzeuger Michael Levine abfeuert, bedankt er sich überschwänglich artig bei der Fangemeinde für die Euphorie und wundert sich über textsicheres Mitsingen. Fast schon eine devote Haltung nimmt Radke ein, als könne er die Bewunderung des Publikums nicht so ganz begreifen.

Tatsächlich reißt der repräsentative Querschnitt aus bislang vier Studioalben seit 2011 vom ersten Ton an mit. Eine quirlige Mixtur aus Hardcore, Pop Punk, Glam Metal und Alternative Rock mit stets eingängigen Refrains – vom Auftakt „Champion“ bis zur finalen Zugabe „Just Like You“. Gelegentlich rappt Radke auch. Als aufschlussreich erweisen sich zudem die Texte von Hymnen wie „Loser“, „Sink Or Swim“, „Raised By Wolves“, „Good Girls Bad Guys“ und „I’m Bad At Life“.

Noch ein ganzes Stück interessanter, eigenwilliger, authentischer und ganz nach sich selbst klingen „Falling in Reverse“ immer dann, wenn die Songregel durch Ausnahmen durchbrochen wird: „Bad Girls Club“ entpuppt sich als lupenrein voranpreschender Elektropop im Sing-Along-Modus, „Alone“ haut wuchtig rein als Rap/Techno-Hybrid mit Hitqualität. Ohnehin klingt beim spielfreudigen US-Quintett eigentlich nahezu jeder Song wie ein Ohrwurm.

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