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Die Kelly Family auf der Bühne bei der Live-Show Schlagerchampions.

Kelly Family

Kelly Family: Im Refrain sind sich alle einig

Die Kelly Family feiert ihr 25. Jubiläum und macht in Frankfurt Station.

Sie haben „25 Jahre auf dem Buckel“: So übersetzt ein Herr aus der Wetterau den Tourtitel „25 Years Over the Hump“. Das ist zwar falsch, passt aber, denn die Kelly Family feiert gerade, dass sie vor 25 Jahren mit dem Album „Over the Hump“ von Straßenmusikern zu Stars wurde. Und die ausverkaufte Festhalle feiert mit.

Für alle, die seit Februar 2017 ohne Internet und Fernsehen leben: Die Kelly Family – Angelo, Jimmy, Joey, John, Kathy, Patricia und Paul – betreibt ein Comeback. Nicht dabei sind die Schlager singende Schwester Maite und Bruder Michael Patrick „Paddy“, der als Casting-Show-Juror unterwegs ist, sowie aus gesundheitlichen Gründen „Barby“. Zwei ältere der zwölf Geschwister muszierten ohnehin nie oder nur kurz mit.

Comedians verunglimpften die Kellys in den 90ern als „singende Altkleidersammlung“. Wer genau hinhörte, stellte schon damals fest, dass sie in ihrem Genre – einfach gestrickter, folkig grundierter Pop – durchaus was drauf hatten. Seitdem haben sie Abstürze hinter sich, aber auch Aufstiege wie Joey als Extremsportler und Motivationsredner. Und sie haben viel musikalische Erfahrung außerhalb der Familienbande gesammelt, ob als Straßenmusiker wie Jimmy, in Opernnähe wie Kathy oder mit Symphonic Rock wie John.

Kelly Family: Ist ja schon fast Advent

Das merkt man, sowohl im ersten Teil der Show, in dem sie „Over The Hump“ am Stück spielen, als auch bei den neuen Songs und alten Hits danach. Von der Hard-Rock-Simulation bei Titeln wie „Why Why Why“ oder „The Wolf“, bei denen sich Joey in Gitarrengott-Pose wirft, über Balladen wie den Hit „An Angel“ über Spanisches wie „El Camino“ oder „Baila Mi Corazon“ bis zu Folk wie „Cover the Road“: In die Kelly-Wundertüte passt vieles, auch „White Christmas“ und „Oh Holy Night“; ist ja schon fast Advent.

Hauptingredienz im Erfolgsrezept sind nicht die instrumentalen Fähigkeiten, die sich abgesehen vom passablen Drummer Angelo in Grenzen halten. Auch nicht die zum Teil beachtlichen Stimmen. Den Weg weisen eher die Arrangements: Jeder darf mal solo singen, im Refrain sind sich alle einig.

Kelly Family:  Heile Familie auf der Meta-Ebene

Wir sind alle eine große Familie, ist die Botschaft neuer Songs wie „Over the Hump“ oder „We Had a Dream“, mit allen Brüchen, zwischenzeitlichem Zwist und mit offensiver Dankbarkeit an die Fans. Dass Vater Dan, der die Kinder seit 1974 in Fußgängerzonen auftreten ließ, nicht nur ein liebevoller Patriarch, sondern auch ein alkoholkranker Diktator war, sprechen sie ebenso aus wie die Schattenseiten des Ruhms – trotzdem ist alles (wieder) gut: heile Familie auf der Meta-Ebene.

Selbst die üppigen Effekte setzen auf friedlich-familiäre Vereinnahmung: Neben ein paar Flackerflammen und Feuerstößen ganz viel Glitzerfolie, Rosenblätter, Papierstreifen und sogar Kunstschnee. Die böse Welt da draußen kommt mit keiner Silbe in die Halle. Die Kelly Family ist fürs erste „Over the Hump“: über den Berg. Und zum Schluss singt der ganze Saal „We Are the World, We Are the Children“.

Von Volker Schmidt

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