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Die Geigerin Anne-Sophie Mutter gehört zu den Großen unter den Musikern und kommt ebenfalls wieder nach Frankfurt.

Konzert-Ausblick

Was Klassik-Fans 2019 nicht verpassen sollten

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Dass der Komponist Jacques Offenbach 200. Geburtstag hat, lässt die Opernplaner und Konzertveranstalter kalt. Dafür stehen die Wiener Philharmonike, Anne-Sophie Mutter und Jonas Kaufmann in den Programmen.

Ausgerechnet Offenbach! Der Komponist Jakob Offenbach, der sich in seiner Pariser Wahlheimat Jacques nannte, wurde am 20. Juni 1819 geboren, vor zweihundert Jahren also, in Köln, wohin der in Offenbach am Main geborene Vater gezogen war. Große Kulturver-anstalter schauen gerne auf den Jubiläumskalender – für Offenbach findet sich im Frank-furter Musikleben jedoch kein Platz. Im ersten Halbjahr jedenfalls nicht, denn die Branche plant jahresübergreifend, die Programme der im Herbst beginnenden neuen Spielzeit werden erst im Frühjahr veröffentlicht.

Macht des Schicksals

Bis dahin bringt die Frankfurter Oper noch Werke von Verdi („La Forza del Destino“, 27. Januar), Smetana („Dalibor“, 24. Februar), Schreker („Der ferne Klang“, 31. März), Händel („Rodelinda“, 12. Mai) und Szymanowski („König Roger“, 2. Juni) heraus. Dazu einiges im Bockenheimer Depot. Ob Bernd Loebe und sein Team bis dahin wohl wissen, wie (und wohin) die Reise in den kommenden zehn Jahren für Frankfurts sanierungsbedürftige Städtische Bühnen geht? Allmählich scheint ja die Einsicht zu wachsen, dass auch eine angemessene Ausweichspielstätte Geld kostet, wenn sich in der Stadt überhaupt eine solche finden lässt, und dass deshalb ein Neubau an anderem Ort samt geordnetem Übergang an Reiz gewinnt, ob mit oder ohne Wettbewerb.

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Im September übernimmt Loebe zusätzlich die künstlerische Leitung der Tiroler Festspiele in Erl. Bellinis „Sonnambula“, die dort vor wenigen Tagen in einer Neuinszenierung herauskam, fällt anders als in unserer Premierennotiz gemeldet, noch nicht unter seine Verantwortung.

Auch ein anderer bedeutender Jubilar kommt an der Frankfurter Oper im Jahr 2019 nicht vor: der am 8. März 1869, vor 150 Jahren also, verstorbene Hector Berlioz. Der französische Exzentriker rühmte in seinen Memoiren das Frankfurter (Opern-)Orchester über alle Maßen, um sich zugleich über die Gleichgültigkeit des Publikums zu mokieren. Das HR-Sinfonieorchester jedenfalls hat das spektakuläre Berlioz-Requiem zur Eröffnung des Rheingau-Musik-Festivals durch das viel weniger spektakuläre „Stabat mater“ von Antonín Dvorák ersetzt (22. und 23. Juni im Kloster Eberbach). Bis dahin warten die Sinfoniker von der Bertramstraße mit großen Namen (Sol Gabetta und Bejun Mehta etwa, im Mai) und interessanten Programmen auf, ebenso wie die Frankfurter Museumskonzerte mit Sabine Meyer (im März).

Pianisten und Tenöre

Jonas Kaufmann, einer der stimmgewaltigsten Tenöre im derzeitigen Musikleben, singt Arien und Duette in der Alten Oper, begleitet von der Philharmonie Prag.

Die Alte Oper präsentiert zu Jahresbeginn (19. Januar) die Wiener Philharmoniker mit dem Pianisten Igor Levit; zum Saison-Höhepunkt lädt vom 20. bis 24. März die Performance-Künstlern Marina Abramovic ein, ihre Methode kennenzulernen, Musik anders zu hören. Pro Arte präsentiert im Großen Saal u.a. Jonas Kaufmann und Rolando Villazón (10. Februar, 30. März), den unverwüstlichen Gitarristen Pepe Romero (16. März), dazu Martin Grubinger (10. April) und Anne-Sophie Mutter (24. Mai). Leopold Mozarts 300. Geburtstag am 14. November ist für Frankfurt eher nicht relevant. Der 70. Todestag (8. Juni) von Richard Strauss hingegen, der einst in Frankfurt fast Kapellmeister geworden wäre, erleichtert alle Veranstalter um kostentrei-bende Tantiemenzahlungen; seine Werke sind aus dem Repertoire aber auch so nicht weg-zudenken. Das HR-Sinfonieorchester spielt am 15. März konzertant „Elektra“, während die Staatstheater in Wiesbaden („Salome“ ab 16. Februar) und Darmstadt („Ariadne auf Naxos“, ab 26. April) zwei Publikumsrenner ins Programm nehmen.

Gespannt darf man sein, was den Musiktreibenden in Frankfurt zu Clara Schumann einfällt. Die am 13. September vor 200 Jahren geborene Klaviervirtuosin, Komponistin und Witwe Robert Schumanns gehört, neben Georg Philipp Telemann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Paul Hindemith, wohl zu den bedeutendsten in der Stadt einst tätigen Musikpersönlichkeiten. Fast zwanzig Jahre unterrichtete die bewundernswerte Frau und alleinerziehende Mutter am Dr. Hoch’schen Konservatorium – bislang kündigt immerhin der Frankfurter Geschichtsverein eine hochkarätige Vortragsreihe an.

Auftritt der Geiger

Heute würde eine solche Künstlerin auch zu den Stars der Kron-berg Academy gehören – die private Hochschule wartet vom 16. bis 23. Juni mit Meisterkursen und Konzerten diesmal für Geiger auf. Geburtstag, wenn auch mit 120 Jahren nur einen halbrunden, feiert Eintracht Frankfurt – das gehört hierher, weil der Verein für den 29. Juni eine musikalische Zeitreise mit dem HR-Sinfonieorchester ankündigt, open air im Waldstadion, der Kultstätte aller Sportfans. Die Fahne der geistlichen Musik halten indessen die Veranstalter der Domkonzerte (ab Februar) und die Musik an St. Katharinen hoch. Hoffentlich wird dabei nicht der letzte Frankfurter Jubilar des Jahres 2019 vergessen: der am 17. Juni 1994, vor 25 Jahren also verstorbene Kurt Hessenberg. Das beste Werk des Enkels von Heinrich Hoffmann („Struwelpeter“), die Motette „Herr, mache uns zum Werkzeug deines Friedens“, handelt nämlich von der Voraussetzung eines hochkarätigen Musiklebens: Frieden und Freiheit.

Ob künftig noch ein Royal Philharmonic Orchestra (2. Februar, Alte Oper) für ein Konzert einfach mal so von London nach Frankfurt und zurück jetten kann, steht jedenfalls in den Brexit-Sternen.

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