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Beyoncé: schön und sexy und klug.

Die Königinnen kommen

Im Juli spielen die zwei aufregendsten Popstars der Gegenwart in der Commerzbank-Arena: Beyoncé und Rihanna. Beide sind schwarz und singen über Sex und Frauenrechte. Diese großartigen Künstlerinnen sind das Unwiderstehlichste, was die Pop-Musik derzeit zu bieten hat.

Von CHRISTIAN PREUSSER

Es hätte eigentlich der Auftritt von „Coldplay“ werden sollen – der letzte Schritt zur Weltherrschaft im Pop. Die Musik-Show in der Halbzeit-Pause des diesjährigen Super Bowls, diesem gigantischen US-Volksfest mit 110 Millionen Fernsehzuschauern, hatte gerade so richtig Fahrt aufgenommen, da sprang Beyoncé in Fischnetzstrumpfhose auf die Bühne, schüttelte ihre goldene Löwen-Mähne zu pumpenden Disco-Beats, vollzog interessante Verrenkungen mit ihrem Körper und sang so schön wie eine Sirene aus der griechischen Mythologie. Spätestens da, nachdem Beyoncé innerhalb von drei Minuten das Publikum um den Finger gewickelt hatte, war klar: Beyoncé ist die Königin des Pop. So schön. So hinreißend. So undurchsichtig. So gefährlich. Am Ende des Abends waren „Coldplay“ vergessen – und die Downloads von Beyoncés jüngstem Hit „Formation“ zwang das Internet in die Knie.

Beyoncé ist dort angekommen, wo man einst Madonna fand, Michael Jackson und Elvis: auf dem Pop-Olymp. Beyoncé ist reich und schön und mit dem mächtigen und noch reicheren Rapper Jay Z verheiratet. Sie speist gemeinsam mit den Obamas, trifft das Prinzenpaar William und Kate und wird von Ex- „Beatle“ Paul McCartney gepriesen.

Doch, und das ist ja das Bemerkenswerte, neben all diesen Ausflügen auf die roten Teppiche dieser Welt, veröffentlicht Beyoncé die zeitgenössischste, relevanteste, intelligenteste Musik, die im Pop-Mainstream zu finden ist. Sie inszeniert mit ihrer makellosen R ’n’ B-Musik fast roboterhaften Perfektionismus. Die Songs sind samtweicher Soul, knallharter Funk-Rock, sackschwere Depressions-Ballade – fantastische Pop-Nummern nahezu alle. Es geht darin um Sex und Liebe, um Trauer und Freude.

Beyoncé, 1981 in Texas geboren, reflektiert in ihrem Neo-Soul immer wieder Schicksale ermordeter schwarzer Amerikaner, sie feiert Malcom X und macht die Unterdrückung der Frau zum Thema. Frauen! Keine Mainstream-Künstlerin der Welt setzt sich so vehement für die Rechte der Frauen ein. Beyoncé hat eine Abhandlung über Geschlechtergerechtigkeit verfasst, ihre Live-Band besteht fast ausschließlich aus Musikerinnen, und ihr jüngstes Album „Lemonade“ verhandelt die Selbstbehauptung afroamerikanischer Frauen. Bewunderer nennen sie eine Erneuerin der schwarzen Musik. Das mag etwas hochtrabend klingen, aber: Beyoncés Mix aus Musik, Image und Intellekt, das hat eine Dringlichkeit und Energie, so etwas gab es bisher noch nicht.

Umso erstaunlicher das Possenspiel um Rap-Tycoon und Ehemann Jay Z. Seit Jahren halten sich Gerüchte einer Zweckbeziehung, Beyoncés Schwester hat Jay Z gar öffentlich geschlagen. Es ging da wohl um Eifersucht – um Rihanna, die andere große Pop-Ikone der Gegenwart. Man dachte ja immer: Beyoncé und Rihanna sind Weltstars und Freundinnen, längst jenseits von allem Profanen, von kleinlichen Kategorien wie Eifersucht und Neid.

Rihanna, 1988 in Barbados geboren, hat Beyoncé stets als ihr großes Vorbild bezeichnet. Auch Rihanna spielt grandiosen R ’n’ B-Pop: Die Beats sind vielen anderen Mainstream-Produktionen meilenweit voraus, die Kompositionen sind verzwickt und dennoch einprägsam, die Texte sind um die Ecke gedacht und doch schlicht, ihre Posen sind lasziv, die Bühnen-Shows gewaltige Spektakel aus Licht, Feuer und halsbrecherischen Choreografien. Das Beste indes: die Stimme – von Tina Turner bis Debbie Harry steckt da alles drin. Es ist, als sei diese Stimme das Gedächtnis aller starken Frauenstimmen der Popgeschichte.

Rihanna ist eine Berühmtheit, die das Internet beherrscht wie kaum eine andere Musikerin unserer Zeit. Sie lässt sich mit den Fußballspielern der deutschen Nationalmannschaft fotografieren – just nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Sie inszeniert Drogen-Skandale und fotografiert sich selbst in Unterwäsche und lasziven Posen. Selbst Fotos nach einer Prügelattacke durch ihren Ex-Freund Chris Brown fanden schnell den Weg ins Netz. Rihanna kann nicht nur wunderschön singen, sie weiß sich auch knallhart zu vermarkten. Beyoncé und Rihanna, das sind Kunstfiguren, unangreifbar, unantastbar, überraschend. Das kann sich in sechs Monaten schon wieder lächerlich anhören – doch im Moment gibt es nichts Aufregenderes. Und genau jetzt machen Beyoncé und Rihanna auf ihren Welt-Tourneen in Frankfurt Halt. Das ist gutes Timing!

Rihanna spielt am Sonntag, 17. Juli, 18.30 Uhr, in der Frankfurter Commerzbank-Arena. Beyoncé am Freitag, 29. Juli, um 19.30 Uhr. Karten gibt es ab 65,90 Euro (Rihanna) und 79,05 Euro (Beyoncé) unter Telefon (069) 13 40 400 und im Internet auf

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