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Katie Melua und das georgische Frauen-Vokalensemble stimmen in der Alten Oper auf die Festtage ein.

Auftritt in der Alten Oper

Das war das Konzert von Katie Melua in Frankfurt

Heisere Stimme, Oden im Zeitlupentakt und Tonnen an Schnee: Mit besinnlich Winterlichem bezaubert die britisch-georgische Singer-Songwriterin Katie Melua in der Alten Oper.

Welch frostige Temperaturen: Mal strolcht ein Fuchs durch eisigen Schnee, dann steht ein komplett zugeschneiter Baum in kahler Landschaft am Straßenrand, oder ein Kutter schippert langsam an Eisbergen vorbei. Alleine vom Zuschauen der permanenten Filmimpressionen in stets bläulich getönten Pastelltönen auf riesiger Projektionsfläche im Bühnenhintergrund fröstelt es einen schon durch und durch. Brrr – eine gefühlte Kälte durchzieht den Raum.

Als Kontrast fungiert die britisch-georgische Singer-Songwriterin Katie Melua, gehüllt in ein altrosa Samtkleid zu farblich passenden Pumps. Mit dem Traditional „Tu Ase Turpa Iyavi“ (If You Are So Beautiful) in ihrer georgischen Muttersprache zum Auftakt, wo nur ihr virtuoses Spiel auf der Akustikgitarre und die jetzt schon wochenlang durch eine heftige Kehlkopfentzündung etwas heisere Stimme im Mittelpunkt stehen, bezaubert sie die Herzen des Publikums in der ausverkauften Alten Oper. Purismus pur. Katie Melua entfaltet eine intensive Wärme wie ein auf Hochtouren gebrachter Kachelofen in einer weihnachtlich geschmückten holzgetäfelten Stube.

Himmlische Coverversion

Nur wenig später verdichtet sich die Atmosphäre noch, als sich ihr Bruder Zurab Melua samt E-Gitarre für „Plane Song“ dazugesellt. Drei zusätzliche Begleiter an Schlagzeug, Stand- oder E-Bass sowie Klavier und Hammondorgel bereichern das zauberhafte „Belfast (Penguins And Cats)“. Auch bei sämtlichen weiteren Songs, verpflichtet sich das Ensemble minutiös einem auf Entschleunigung geeichten Zeitlupentakt.

Ganz gleich, ob das Material nun aus Katie Meluas siebtem Studioalbum „In Winter“ (2016) stammt, das erste ohne ihren langjährigen Entdecker, Förderer und Produzenten Mike Batt, oder aber wie die Fanfavoriten „Nine Million Bicycles“ und „I Cried For You“ sich aus den sechs vorangegangenen Werken rekrutiert. Sprichwörtlich himmlisch gelingt auch die Coverversion „Just Like Heaven“ von „The Cure“. Noch intensiver gestaltet sich der Reigen, als zu Joni Mitchells „River Song“ schließlich das georgische Vokalensemble „Gori Women’s Choir“ unter Leitung von Teona Tsiramua ins Rampenlicht tritt. Überirdischer ätherischer Wohlklang mach sich von nun an breit. Augen zu und abgetaucht in ein Kopfkino, heißt es zumindest für Teile der Besucherschar von da an.

Wie aus Zuckerwatte

Beseelt angefeuert von „Dreams On Fire“, dem Traditional „Cradle Song“ oder Rachmaninows „All Night Vigil – Nunc Dimittis“. Auch ein noch sakraler geratenes Solo ohne Melua und Band wird dem komplett in schwarze Überwürfe gehüllten Chor gegönnt. Weihnachtlich wird die Stimmung bei Adolphe Adams’ „O Holy Night“. Und hat man jemals einer so eindringlichen Version von Shirley Basseys ohnehin schon makelloser James-Bond-Hymne „Diamonds Are Forever“ zum Ende des ersten Teils gelauscht? Wohl kaum.

Nach einer halbstündigen Pause setzte sich das traumhafte Wintermärchen mit „Perfect World“ fort. Wie aus Zuckerwatte scheinen die weißen Märchenfigürchen auf der Videoleinwand zu sein. Schlicht entzückend ist das russische Traditional über eine kleine Schwalbe („The Little Swallow“). Immer wieder nimmt Katie Melua einen kräftigen Schluck aus der auf einem Beistelltisch bereitgestellten Thermosflasche, um die angekratzte Stimme zu unterstützen. Warmer Salbeitee mit Honig?

Auf den letzten Metern möchte die 34-jährige Künstlerin mit Wohnsitz London und seit 2012 mit World Superbike Motorradrennfahrer und Musiker James Toseland verheiratet stimmlich nicht schlapp machen. Auch „The Closest Thing To Crazy“, „Piece By Piece“ sowie Blacks „Wonderful Life“ gelingen nahezu ohne Abstriche. Positiven Lebenswillen bekundet auch die finale Zugabe mit einer beseelten Version von Jazz-Legende Louis Armstrongs Klassiker „What A Wonderful World“.

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