Die Installation verbindet Licht, Klang und Bilder und macht aus der Schirn-Rotunde einen magischen Ort.
+
Die Installation verbindet Licht, Klang und Bilder und macht aus der Schirn-Rotunde einen magischen Ort.

Künstlerin Rosa Barba gestaltet Eingang in der Schirn

Labyrinth der Träume

Die italienisch-deutsche Künstlerin Rosa Barba hat in der Rotunde der Frankfurter Kunsthalle Schirn eine 12 Meter hohe Installation geschaffen, die Sound, Licht und Bilder verbindet.

Ein Labyrinth aus dünnen Rahmen steht in der Rotunde der Frankfurter Schirn Kunsthalle. Der eilige Passant kann leicht stolpern über diese geometrisch verschachtelte Konstruktion. Sie wertet einen reizvollen, aber auch schwierigen Raum auf, der normalerweise mehr zum Durcheilen als zum Verweilen einlädt. Doch bei Rosa Barba ist das anders.

Die Künstlerin – 1972 in Italien geboren, aber in Deutschland aufgewachsen und seither hier lebend – hat aus 80 grauen Stahlteilen eine riesige, 12 Meter hohe Installation aufgebaut, die mehr als nur eine Skulptur ist. Das Gerüst dient nämlich auch als Rahmen für Film-Bilder, als Bühne für eine anfangs verwirrende, erst nach und nach einleuchtende Choreographie aus Sound, Licht und Bildern.

Im Observatorium

So stehen auf verschiedenen Ebenen mehrere Filmprojektoren, aber alle nur mit unbelichteten Filmen. Die Projektoren spulen, leise surrend oder lauter schnarrend, die leeren Filme lediglich vor und zurück. Oder sie werfen ein Licht in den vergitterten Raum, der von Vorübergehenden kurz mit ihren vorbeihuschenden Köpfen gefüllt wird. „White Museum – Live“ heißt diese 2010 entstandene Arbeit, die Rosa Barba inzwischen mehrfach variiert hat.

Diese Projektoren, darunter ein riesiges altes 70mm-Gerät mit satten 300 Kilo Gewicht, führen ein akustisch gesteuertes Lichtspiel vor. Gesteuert wird das Licht aber vom raumfüllend lauten Schlagzeugspiel des US-Amerikaners Chad Taylor. Die Projektoren übersetzen also die verschiedenen Tonfrequenzen in Licht. Hören und Sehen sind somit gleich wichtig, das Licht erhält ein Klangvolumen. Freilich sind diese sehr feinen Lichtschwankungen tagsüber nicht sonderlich gut sichtbar. „Am Tag steht die Konstruktion im Vordergrund, am Abend die Projektion. In der Dämmerung aber ist beides gut zu sehen“, so die Empfehlung der Schirn-Kuratorin Esther Schlicht.

Entsprechend wird die Installation auch erst ab 12 Uhr mittags bespielt, dafür abends dann länger bis 20 Uhr oder 22 Uhr (nur Mittwoch und Donnerstag). Es empfiehlt sich also, zumindest zweimal zu kommen, um den Raum jeweils anders zu erleben und damit Rosa Barbas Anliegen besser zu verstehen. „Blind Volumes“ hat sie die Arbeit genannt, es sind leere oder unsichtbare Volumen, vielleicht sogar Bücher, die aufgefüllt werden können mit Ideen, Träumen, Erinnerungen, Bildern und Wünschen.

Allemal hilfreich für das Verständnis von Barbas Idee ist das Umkreisen und Durchwandern der Installation, das immer wieder andere Perspektiven ermöglicht. Grafisch besonders interessant ist der Blick von unten durch die rechteckige Konstruktion nach oben in die gläserne Kuppel der Rotunde. Die komplette Installation freilich ist von hier nicht zu erfassen, aber von der ersten Schirn-Etage aus ist zumindest ein kleiner Überblick möglich. Von dort oben sieht man auch Rosa Barbas neuesten Film über Astronomie und Science-Fiction, gedreht in einem kleinen amerikanischen Observatorium. Ohnehin filmt Barba gern an entlegenen Orten und beschäftigt sich mit unscheinbaren historischen Ereignissen, die sie dann sehr subjektiv erzählt. Rein dokumentarisch geht Rosa Barba also nicht vor, die in Erlangen Theater- und Filmwissenschaft, danach in Köln Kunst und Film studiert hat. Esther Schlicht hält sie, nicht ganz zu Unrecht, für „eine der wichtigsten und interessantesten Künstlerinnen ihrer Generation“.

Wie ein Wackelpudding

Denn Rosa Barba vermag mit einem Raum gekonnt umzugehen und weiß den Schirn-Besucher leicht für eine knappe Viertelstunde zu bannen. So lange nur dauert die feste Reihenfolge der hintereinander geschalteten Abläufe von Projektoren mit leeren Filmen, weißem Licht und Schlagzeug, dem Film von der Sternwarte und dem kurz davor einsetzenden Klangobjekt „Conductor“ von 2014. Dabei handelt es sich um ein großes, kugelförmiges Objekt aus Silikon, das Klänge wiedergibt und dabei vibriert wie ein Wackelpudding aus Kinderzeiten. So übersetzt Rosa Barba alle Bestandteile des Films in den Raum, vom Licht über Farbe, Ton und Bild bis zur Bewegung.

Schirn Kunsthalle, Frankfurt, Römerberg, Telefon (069) 2 99 88 20. Bis 8. Januar. Die Installation läuft dienstags und freitags bis sonntags 12–20, mittwochs und donnerstags 12–22 Uhr. Freier Eintritt. Ein Katalog soll in etwa vier Wochen erscheinen. Internet:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare