Es ist vielleicht sein bisher stärkster Auftritt: Leonardo DiCaprio in dem Rachedrama von Alejandro G. Iñárritu.
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Es ist vielleicht sein bisher stärkster Auftritt: Leonardo DiCaprio in dem Rachedrama von Alejandro G. Iñárritu.

Erster Goldjunge für DiCaprio?

Der lange Marsch zum Oscar

Fünf Mal nominiert, immer enttäuscht. Bei seinem sechsten Anlauf sind sich die Hollywood-Experten nahezu einig: Diesmal wird es klappen.

Von BARBARA MUNKER (DPA)

Mit wem wird Leonardo DiCaprio am Sonntag über den roten Teppich laufen? Tritt der 41-jährige Oscar-Anwärter mit seiner deutschen Mutter Irmelin ins Rampenlicht? Bringt der unverheiratete Star seinen Vater George mit, wie zuletzt bei der Golden-Globe-Gala im Januar? Immerhin scheint festzustehen, dass der Schauspieler am Ende der Nacht einen Goldjungen mit nach Hause nehmen wird.

Das ist zumindest die Prognose in Hollywood, nachdem DiCaprio in dieser Preis-Saison praktisch jede Trophäe als bester Hauptdarsteller abgeräumt hat. „Die härtesten Dreharbeiten seines Lebens“ könnten nun seine lange Oscar-Durststrecke beenden. In dem Überlebens- und Rache-Thriller „The Revenant – Der Rückkehrer“ muss DiCaprio nicht viel sagen, aber umso mehr ertragen. Er spielt den Pelztierjäger Hugh Glass Anfang des 19. Jahrhunderts, von einem Bären halb tot gebissen, von seinen Kumpels in der Wildnis zurückgelassen, der sich durch eisige Flüsse und verschneite Berge schlägt.

Ärmliche Verhältnisse

Zerschunden, mit wildem Bart und zerfetzter Kleidung – was für ein Gegensatz zu DiCaprios aalglattem und überheblichem Finanzjongleur, den er in „The Wolf of Wall Street“ mimte. Dieser Film unter der Regie von Martin Scorsese hatte dem Star 2014 zwei Oscar-Nominierungen als Hauptdarsteller und Produzent eingebracht. Doch am Ende triumphierte sein Kollege Matthew McConaughey, der in „Dallas Buyers Club“ einen Aidskranken spielte.

Seit über 20 Jahren wartet Leo auf den Oscar. Die erste der jetzt sechs Nominierungen erhielt er als 19-Jähriger mit seiner Nebenrolle als geistig behinderter Junge in „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ (1994). Die nächste Chance kam mit Scorseses „Aviator“ (2005), in dem DiCaprio als exzentrischer Millionär und Flugpionier Howard Hughes glänzte. 2007 überzeugte er als Diamanten-Schmuggler in dem Thriller „Blood Diamond“, doch in der Oscar-Nacht war er stets der Verlierer.

Schon als Teenager wollte er Schauspieler werden. Kein einfaches Unterfangen für einen Jungen früh geschiedener Eltern, der in ärmlichen Verhältnissen groß wird. Er verdanke es vor allem seiner Mutter, sagte Einzelkind Leo in einer rührenden Ansprache Mitte Februar bei der Vergabe der Bafta-Preise in London. „Ich bin in einer sehr rauen Nachbarschaft im Osten von Los Angeles aufgewachsen. Diese Frau hat mich drei Stunden am Tag zu einer anderen Schule gefahren, um mir eine andere Möglichkeit zu bieten“, erklärte der Hollywood-Star und schickte noch ein „Ich liebe dich sehr“ hinterher.

Mutter Irmelin war in den 50er Jahren aus ihrer Heimat Oer-Erkenschwick in Nordrhein-Westfalen in die USA gezogen. Die Ehe mit dem italienischstämmigen George Di-Caprio ging schnell in die Brüche, doch beiden Eltern schreibt der Sohn seinen Erfolg zu. Mit 14 Jahren, als er Werbung für Matchbox-Autos und Kaugummis machte, habe sein Vater ihm einen Film mit Robert De Niro gezeigt und gesagt: „Sohn, schau dir das genau an, das ist großartiges Schauspielen.“ So erzählte es DiCaprio im November bei einer Preisverleihung des Schauspielverbands SAG.

Wenige Jahre danach drehte er tatsächlich mit De Niro einen seiner ersten Spielfilme. Der Star hatte das Nachwuchstalent aus einer Gruppe junger Anwärter für das Familiendrama „This Boy’s Life“ (1993) ausgewählt. Schließlich war es die Rolle des mittellosen, verliebten Jack Dawson auf der untergehenden „Titanic“, die den Schauspieler 1997 selbst zum Star machte, gerade 23 Jahre alt.

Seither zeigt DiCaprio auf der Leinwand die ganze Bandbreite seines Könnens, von romantisch bis berechnend. Regisseur Clint Eastwood machte ihn in „J. Edgar“ zu dem skrupellosen und gefürchteten FBI-Chef J. Edgar Hoover. In „Der große Gatsby“ wird er mit pomadiger Haartolle und einem Killerlächeln zu dem neureichen Millionär Jay Gatsby. Fünfmal schon drehte er mit Scorsese, ihr nächster Film, „The Devil in the White City“ mit DiCaprio als Serienkiller, ist bereits in Planung.

Der Umweltschützer

Seine Vorliebe für schöne Models bringt DiCaprio häufig in die Schlagzeilen. Darüber hinaus ist er als „grüner“ Hollywood-Star bekannt. 1998 rief der engagierte Umweltschützer die „Leonardo Di-Caprio Foundation“ ins Leben, die mit anderen Verbänden vor allem in den Bereichen Erderwärmung, erneuerbare Energien, sauberes Trinkwasser und Schutz von Ökosystemen arbeitet. Als Produzent brachte er 2007 den Dokumentarfilm „The 11th Hour“ über die Klimaerwärmung in die Kinos. Er lebt, sagt er jedenfalls, schon lange umweltbewusst, fährt Hybridautos und nutzt Solarenergie.

In seiner Rolle als Friedensbotschafter der Vereinten Nationen stand er 2014 beim UN-Klimagipfel auf der politischen Bühne. Der Klimawandel sei die „größte Herausforderung der Menschheit“, sagte DiCaprio damals in New York. „Ich spreche nicht als Schauspieler, sondern als besorgter Bürger.“

Auf der Golden-Globe-Bühne im Januar nutzte er seine Dankesrede für einen Appell zur Erhaltung der Natur. Er wolle diesen Preis mit den Ureinwohnern Kanadas und allen indigenen Gruppen in der Welt teilen. Es sei an der Zeit, ihr Land vor der Ausbeutung zu schützen und diesen Planeten für die nächsten Generationen zu erhalten. „The Revenant“ wurde hauptsächlich in der kanadischen Wildnis gedreht. Man darf gespannt sein, was der Schauspieler auf der Oscar-Bühne zu sagen hat.

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