"Exhibition by 31 Women"

Männer müssen draußen bleiben

Sind Frauen bescheidener? Die Schau der Galerie Pflug mit Gemälden, Grafiken und Plastiken von 31 Künstlerinnen versammelt vor allem kleinere Formate.

Hoppla, beinahe wäre man über das Mäuschen gestolpert. Das süße rosa Ding mit seinem weißen Kordelschwanz liegt da ziemlich verbeult auf dem Boden. Es heißt „Booster – Nasty Gal“, was so viel wie „fieses Mädchen“ bedeutet, und hat wohl schon einige Tritte abbekommen. Seine Schöpferin Benedikte Bjerre, Städelabsolventin, Meisterschülerin von Peter Fischli, hat es in diesem Jahr aus Gips, Aluminiumfolie und einer verknautschten Papiertüte gebaut. In der Frankfurter Galerie Philipp Pflug Contemporary erntet das kleine Kunst-Miststück viele amüsierte Kommentare. Genauso wie Tintin Coopers „Roman Holiday“ (2016), ein männlicher Pin-up auf glamourösem, bunt leuchtendem Lackgrund mit gelben Spritzern. Viele Arbeiten sind hier mit einem Augenzwinkern zu betrachten, andere wirken strenger, ernster, wie die an konkrete Kunst erinnernden Keramikfliesen von Claudia Wieser (2012) oder das neue konzeptuelle Ölbild von Veronika Russell „gray on gray“ (Grau in Grau) mit durchnumerierten Farben.

Siehe Peggy Guggenheim

Mit seiner Sommerausstellung „Exhibition by 31 Women“ will Galerist Philipp Pflug in diesem Jahr hoch hinaus, zumindest was den Titel anbelangt. Den hat er nämlich von Peggy Guggenheim entlehnt. Die amerikanische Sammlerdiva machte 1948 in New York mit einer gleichnamigen Schau Furore. Diese gilt bis heute als Meilenstein der Ausstellungsgeschichte. Die Kühnheit, ausschließlich Künstlerinnen mit dem Schwerpunkt Surrealismus, unter ihnen Größen wie Frida Kahlo, Louise Nevelson, Meret Oppenheim und Sophie Taeuber-Arp zu zeigen, wurde damals nur von der avantgardistischen Ausstellungsgestaltung überboten. Statt an Wände hängte Guggenheim die Bilder an Stelen frei in den Raum. Women only – was nach dem Zweiten Weltkrieg eine revolutionäre Idee war, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Frauen machen Kunst, wie Männer auch, arbeiten konzeptionell, minimalistisch, fotografisch, filmend, malerisch, plastisch. Acrylbild (E.M.C. Collard), Video (Nora Schultz), Installation (Maria Anisimowa), Collage (Jasmin Werner), diese Vielfalt zeigen die zwischen 1971 und 1989 geboren Künstlerinnen in der Galerie, viele von ihnen ehemalige Städelschülerinnen. Unter den diesjährigen Absolventen der Frankfurter Kunsthochschule waren die Männer mit etwa 42 Prozent in der Minderheit. Warum also das Frausein in der Kunst noch thematisieren? Es nimmt kaum mehr Einfluss auf den Inhalt der Werke. Auch feministische Kampfeslust sucht man vergebens. Die wenigen Künstlerinnen, die in der Ausstellung Geschlechterrollen thematisieren, tun dies ironisch, aufmüpfig, witzig.

Schülerinnen des Städel

Eine von ihnen ist Katharina Schücke, die 1982 in Dresden geborene Schülerin von Tobias Rehberger. Die vielseitige Ästhetin, die in Frankfurt schon bei Jacky Strenz zu sehen war, liebt gebaute Körper. Das können Plattenbausilos der DDR ebenso sein wie mit Krafttraining und Anabolika aufgebaute Leiber. Oft verbindet die Künstlerin beides, wie mit ihrer 2014 entstandenen Arbeit „Boxing“. Eine groteske Bikini-Schönheit pumpt ihre Muskelballons auf, posiert mit verführerischem Blick. Die aufgeblasenen Rundungen kontrastieren mit der Strenge eines senkrecht gestreiften Hintergrunds. Wie ein Gegenentwurf dazu wirkt Shannon Bools „Batik Grid“ (2016): Die geometrischen Formen in Öl auf Seide, von einem Spiegel hinterfangen, wirken zart und geheimnisvoll.

Arbeiten, so vielfältig, gegensätzlich, manchmal beliebig, wie die Kunst von heute. Immerhin: Hier gibt es keine Wichtigtuerin, keine aufgeplusterte Hallo-hier-komm-ich-Kunst. Das liegt einerseits an den kleinen Formaten. Sogar Sandra Kranich, die sonst spektakulär mit Rauch und Feuerwerk von sich reden macht, zeigt mit ihrem Relief lediglich die Überbleibsel einer Explosion. Andererseits stellt sich die Frage: Hätten sich auch Künstler in eine Ausstellung packen lassen, die den Egotrip verbietet?

Galerie Philipp Pflug Contemporary, Berliner Straße 32, Frankfurt. Bis 27. August, dienstags bis freitags 12–18 Uhr, samstags 10–14 Uhr. Telefon 0160-91 88 11 63. Internet

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