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Plateauschuhe müssen sein: Betty Vermeulen, Sabine Mayer und Barbara Rauenegger geben in dem "Abba"-Musical "Mamma Mia" alles, um als die "Dynamos" alte Zeiten heraufzubeschwören.

Mamma Mia: Das "Abba"-Musical verzückt in der Alten Oper

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"Mamma Mia!" tourt seit 20 Jahren erfolgreich durch die Welt. Ab Dezember ist das Musical, in das 22 Hits der schwedischen Popband eingebettet sind, in der Frankfurter Alten Oper zu sehen.

„Abba“ spalten die Gemüter. Schon zu Hochzeiten der schwedischen Popgruppe in den 70er Jahren gab es diejenigen, die erklärte, leidenschaftliche Fans waren. Aber auch solche, denen die Texte zu seicht, die Musikstücke zu gut durchkomponiert waren. Doch irgendwas, so lässt sich Letzteren entgegenhalten, müssen Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson, Anni-Frid Lyngstad und ihr Schaffen haben, dass ihr Erfolg bis heute und auch mehr als 35 Jahre nach ihrem Karriereende Bestand hat.

Jüngstes Beispiel dafür ist der zweite Teil der Kinoversion des Musicals „Mamma Mia!“, der vor kurzem über die Leinwände flimmerte und erneut Lieder in Erinnerung brachte, die eigentlich jeder noch irgendwo im Kopf hat.

Doch auch das Original selbst, bereits 1999 in London uraufgeführt, tourt weiter munter über die Bühnen. Mehr als 60 Millionen Menschen weltweit haben es in unterschiedlichen Versionen bereits gesehen, und bei den Aufführungen summen, singen und tanzen nicht nur ältere Generationen die zahlreichen, harmonisch in die Handlung eingebetteten Hits mit. Auch diejenigen, deren Geburtsstunde irgendwo um das Entstehungsjahr herum liegt, lassen sich mitreißen.

Sommerzeit im Winter

Dass die deutschsprachige Version nun ausgerechnet um Weihnachten herum in der Frankfurter Alten Oper gastiert, scheint auf den ersten Blick unpassend zu sein. Schließlich spielt die turbulente Geschichte zur Sommerzeit auf einer griechischen Insel.

Die blau-weiße Kulisse und die leichte Bekleidung der Protagonisten will nicht so recht in das triste Grau der letzten Jahrestage passen. Doch andersherum wird ein Plateauschuh daraus: Das auch tänzerisch temperamentvolle Stück hebt die Laune und entlässt das Publikum beschwingt in den Alltag nach Hause.

Im Zentrum des Geschehens steht die junge Sophie (Katharina Gorgi) kurz vor ihrer Hochzeit. Dazu möchte sie ihren Vater einladen. Doch wer das ist, das weiß sie nicht. Drei Männer kommen infrage, mit denen Mutter Donna (Sabine Mayer) laut ihrem Tagebuch zur betreffenden Zeit näheren Kontakt hatte: Harry (Detlef Leistenschneider), Sam (Karim Khawatmi) und Bill (Jörg Zuch). Die Braut schreibt kurzerhand dem ganzen Trio, und dieses reist komplett an.

Gleichzeitig treffen weitere Gäste auf dem Eiland ein: Donna feiert mit ihren beiden Freundinnen Rosie (Barbara Raunegger) und Tanja (Betty Vermeulen) ein herzliches Wiedersehen. Gemeinsam waren die Damen in früheren, wilden Jahren als „Donna and the Dynamos“ aufgetreten. Als sie mit den Erinnerungen auch die Kostüme von damals ausgraben und mit Bühnenstyling ihr Repertoire zum Besten geben, sind die realen Vorbilder als solche sofort erkennbar.

Dennoch bleibt die Show gewöhnungsbedürftig. In den deutschen Versionen schmeicheln sich die 22 verwendeten Ohrwürmer nicht so schnell ein, man fremdelt mit ihnen, obwohl Hauptzeilen wie „Money, Money, Money“ oder „Chiquitita“ englisch geblieben sind.

Die Darsteller, eine Mischung aus Deutschen und Österreichern, verwundert das. Schließlich gebe es diese Fassung schon seit 2002, erklärt die bereits in Stuttgart und Berlin die Donna mimende Mayer. Mit den Jahren an Erfahrung sei es natürlich leichter, sich daran zu gewöhnen. Zudem, ergänzt Khawatmi, seien die Texte vom Librettisten Michael Kunze „fantastisch“ übersetzt, und die meisten kämen beim Mitsingen sowieso nicht über ein paar Wörter hinaus.

Eingeschworenes Team

Das Ensemble präsentiert sich als eingeschworenes Team, in dem jeder den anderen inspiriert. Die Chemie müsse stimmen, betont „Rosie“ Raunegger in ihrem Wiener Dialekt. Nur so könne man das Glücksgefühl Tag für Tag und an manchen davon sogar zweimal hintereinander auf die Bühne bringen. „Das ist anders als bei klassischen Texten“, ergänzt ihre Landsfrau Gorgi, die noch nicht ganz so viel Routine wie die anderen in der „Abba“-Welt hat. Hinter denen könne man sich verstecken, wenn es einem mal selbst nicht so gut geht. „Aber die Umgangssprache ist ehrlich“, Verstellen bringe da nichts. Es ist ein Prozess, so weit zu kommen. Einer, in dem die künstlerisch Verantwortlichen die Performer zwar lenkten, um das gleiche Ergebnis zu erzielen wie bei allen anderen „Mamma-Mia!“-Produktionen. Doch ein Stück weit konnte sich jeder seinen Charakter auch selbst gestalten.

Dazu gehören regionale Anspielungen. So rief Donna bei den Vorstellungen in Köln ihren Kolleginnen mal ein scheinbar spontanes „Bist du jeck?“ zu, auf das das närrische Volk vom Rhein begeistert reagierte. Für das Gastspiel am Main suchten sie damals noch nach einem passenden Äquivalent. Bei der fröhlichen Truppe darf man sicher sein: Sie werden damit in jeder Hinsicht Erfolg haben.

Mamma Mia. Alte Oper Frankfurt, Opernplatz, Vorstellungen vom 19. Dezember 2018 bis 12. Januar 2019, Karten von 22 bis 114 Euro unter Telefon (069) 1 34 04 00 oder im Internet unter www.frankfurtticket.de

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