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Zum 70. Geburtstag

Marius Müller-Westernhagen: „Ich bin kein Kumpeltyp“

In den 90er Jahren spielte er in Stadien vor mehr als 100 000 Fans, mit Filmen wie „Theo gegen den Rest der Welt“ war Marius Müller-Westernhagen auch im Kino erfolgreich. Doch mit diesem Bild von sich, sagte er einmal, habe er nicht viel gemein.

„Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ war in den 70er Jahren sein Durchbruch, bei „Freiheit“ schwenkten Ende der 80er Tausende Fans ihre Feuerzeuge. Am 6. Dezember wird Marius Müller-Westernhagen 70 Jahre alt.

Politisch oder kitschig?

Zwar gab er schon vor 19 Jahren seinen Abschied von den großen Bühnen bekannt. Ganz von der Musik lassen will der Künstler, der sich in der Öffentlichkeit rar macht, aber offensichtlich nicht. Zuletzt veröffentlichte er im Jahr 2016 auf DVD und CD das Konzert „MTV Unplugged“ und präsentierte danach auf einer unplugged-Tournee Songs aus seiner inzwischen 50-jährigen Musikkarriere.

Marius Müller-Westernhagen und Udo Lindenberg seien die ersten gewesen, die hiesige Geschichten erzählt und zu Pop-Musik verarbeitet hätten, sagt der Journalist und Autor Manfred Bissinger in der Westernhagen Dokumentation „Zwischen den Zeilen“. Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer hingegen hält den Musiker für einen „Kitsch-Produzenten, der im Gegensatz zu anderen Popgrößen den Dreh raushat, seine Stücke mit politischen Statements so aufzubrezeln, dass er im Kulturfeuilleton als Denker durchgeht“.

Westernhagens Lebenswerk wurde mit Preisen gewürdigt, unter anderem mit dem „Echo“-Preis, den der Künstler nach dem Eklat um die Ehrung der Rapper Kollegah und Farid Bang in diesem Jahr zurückgegeben hat. Für sein gesellschaftspolitisches Engagement erhielt er im Jahr 2001 das Bundesverdienstkreuz vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), mit dem er befreundet ist.

Bis Ende der 80er Jahre war Westernhagen zugleich Musiker und Schauspieler. „Ich bin in einer Künstlerfamilie groß geworden“, erzählt er in „Zwischen den Zeilen“. Geboren wurde er am 6. Dezember 1948 in Düsseldorf. Sein Vater, der bereits im Alter von 44 Jahren starb, gehörte im Düsseldorfer Schauspielhaus zum Ensemble von Gustaf Gründgens. Weil der Vater die Familie immer mitgeschleppt habe, erzählte Westernhagen, sei er in Theatern, Hörspiel- und Filmstudios groß geworden.

Mit 14 Jahren trat der junge Westernhagen in dem Fernsehfilm „Die Höhere Schule“ auf. Ein paar Jahre später spielte er in seiner ersten Band. Bis Ende der 80er hatte war er in mehr als 30 Filmen zu sehen, unter anderem als Sprüche klopfender Ruhrpott-Loser Theo in dem Fernsehfilm „Aufforderung zum Tanz“ (1977) und in dem Kino-Erfolg „Theo gegen den Rest der Welt“ (1980).

Zu Beginn seiner Karriere, Anfang der 70er Jahre, zog Westernhagen nach Hamburg. Dort war er auch oft in der Künstlerwohngemeinschaft zu Gast, in der Udo Lindenberg und Otto Waalkes wohnten. Nach dem Aufstieg mit der „Pfefferminz“-Platte und den Theo-Filmen verabschiedete sich Westernhagen Ende der 90er Jahre auf der Höhe seines Erfolges von den gigantischen Stadiontourneen. „Ich sah keine Entwicklung mehr“, sagte der Musiker. Es werde alles nur größer. Der Inhalt spiele immer weniger eine Rolle. Image und Verpackung würden dagegen immer wichtiger, begründete er seinen Rückzug.

Westernhagen war aber nicht selten auch umstritten. Sein Stück „Dicke“ von 1978 wurde wegen des diskriminierenden Textes von vielen Radiosendern nicht gespielt. Westernhagen hingegen beteuerte, er habe lediglich den Leuten mit Vorurteilen einen Spiegel vorhalten wollen. Ihm wird auch immer wieder vorgeworfen, selbstgerecht und arrogant zu sein.

Als „Armani-Rocker“ wurde der Sänger verspottet, als der frühere Rocker Marius Müller-Westernhagen Jeans und Lederjacke in den 90er Jahren gegen Armani-Anzüge tauschte. Zu dieser Zeit war er mit dem Fotomodell Romney Williams aus New York verheiratet.

Westernhagen sagt über sich, das Rockstar-Image der „Pfefferminz“-Zeit sei ebenso eine Rolle gewesen wie die Filmrolle als Theo. „Ich bin in Wahrheit kein Kumpeltyp. Ich bin mehr ein Einzelgänger, ein Grübler“, erklärte er 2008 in einem Interview. Dezidiert legt der Sänger Wert auf öffentliche Distanz zu seinem Star-Dasein: „Superstar, Megastar, das sind alles Karnevalsorden, die morgen schon nichts mehr wert sind.“

70 Jahre – na und?

Deutlich Stellung bezieht er gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Künstler hätten eine besondere gesellschaftliche Verantwortung, schrieb er auf seiner Homepage zur Rückgabe der Echo-Preise. Er kritisierte „den Zerfall einer kultivierten Gesellschaft, der zunehmend der innere moralische Kompass abhandenkommt“.

Für sein soziales Engagement und sein Engagement gegen Rechtsextremismus wurde Westernhagen sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Kunst sei auch dazu da, zu stören, sagte er einmal in einem „Spiegel“-Interview.

Wie er seinen 70. Geburtstag verbringt, dazu hat sich Westernhagen nicht geäußert. Er habe keine Pläne, sagte er schon vor einigen Jahren in einem Interview. „Mir ist die Zahl 70 völlig unwichtig.“

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