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Mark Lanegan: Seine Grabesstimme animiert zum Tanzen

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Mark Lanegan mag Nachtstücke mit recht schwerem Sound. Dennoch inspiriert er einige seiner Fans zum Tanzen.
Mark Lanegan mag Nachtstücke mit recht schwerem Sound. Dennoch inspiriert er einige seiner Fans zum Tanzen. © Sven-Sebastian Sajak

Auch wenn „The Screaming Trees“ schon lange Grunge-Geschichte sind, ist der Ruhm ihres Sängers Mark Lanegan noch längst nicht verblasst.

Erst kürzlich war ein ganz besonderer Spezi von Mark Lanegan mit seiner Band „The Afghan Whigs“ in der „Batschkapp“: Greg Dulli. Der ist, wie auch Josh Homme von „Queens Of The Stone Age“, auf dem inzwischen zehnten Soloalbum „Gargoyle“ als Gast zu hören. Wenn Lanegan und Dulli als Duo agierten, nannten sie sich „The Gutter Twins“ – wohl in Anlehnung an die „Glitter Twins“ Jagger/Richards von den „Rolling Stones“. Die Musik aus der Gosse hat aber bei den „Whigs“ mehr Dringlichkeit und Exzessivität als bei Lanegan. Denn Dulli ist auf der Bühne ein unberechenbares, explosives Powerpaket, Lanegan dagegen wirkt eher stoisch, ist kein Mann der großen Worte und Gesten, auch sein Bewegungsdrang auf der Bühne hält sich in Grenzen. Immerhin: Im Gegensatz zu seinem Konzert im „Zoom“ im August 2015 scheint er bei seinem Auftritt im „Gibson“-Club nicht mehr mit seinem Mikrofonstativ verwachsen. Vielleicht ein Indiz dafür, dass sich Lanegan heute wohler fühlt auf der Bühne. Ein Grund dafür ist sicherlich seine längst souveräner spielende amerikanisch-belgische Band. Die blieb beim letzten Mal noch recht blass, diesmal sind alle Fünf als Persönlichkeiten weit präsenter.

Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie gut Lanegan mit dem Handicap seines geringen Stimmumfangs umgehen kann. Dieses dunkle, fast samtige Timbre, ist einfach faszinierend. Dass man für seinen Klang gerne die Bezeichnung Grabesstimme bemüht, mag auch an Lanegans favorisierten Themen liegen.

Bluesige Gitarrenriffs

Es sind Nachtstücke (ein neues heißt entlarvend „Nocturne“), und obwohl Titel wie „Death’s Head Tattoo“, „The Gravediggers’s Song“ oder „The Killing Season“ nicht nach Wohlfühloasen klingen, tanzen einige Besucher im „Gibson“ dazu. Und das nicht nur, weil der Auftrittsort eine Discothek ist; und obwohl die Musik mit dem massiven Bass und den oft bluesigen Gitarrenriffs eher schwer wiegt. Keyboarder Aldo Struyf bringt die verspielten Verzierungen in den dichten Sound, die dafür verantwortlich sind, dass immer wieder eine Nähe zu Psychedelic- und Kraut-Rock wie auch Post Wave beschworen wird und es nicht bei Post-Punk-, Grunge- und sogar Gothic-Assoziationen bleibt.

„Emperor“ überrascht dann sogar mit einer unerwarteten Leichtigkeit, und der Slowsong „Goodbye To Beauty“ (von wegen Nomen est omen) mit seiner getragenen Pianobegleitung provoziert mit seiner entrückten Schönheit einen Fan dazu, sein entzündetes Feuerzeug in die Luft zu strecken. Gleißend weißes Smartphone-Licht hätte auch nicht zur Atmosphäre gepasst.

Auch wenn der Vortrag des Sextetts auf Dauer an Spannung verliert, vermag Mark Lanegan mit dem „Joy-Division“-Klassiker „Love Will Tear Us Apart“ als Zugabe am Ende noch einen echten Glanzpunkt zu setzen.

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