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Kämpft für konservative Werte: Doro Pesch.

Musik

Interview mit Doro Pesch„Metalfans haben ein gutes Herz“

Doro Pesch ist die deutsche Schwermetall-Göttin. Die Sängerin und Songschreiberin (54) aus Düsseldorf ist seit 35 Jahren im Geschäft und hat gerade ihr 20. Studioalbum „Forever Warriors, Forever United“ herausgebracht. Die Frau mit der wasserstoffblonden Mähne hat Metal-Geschichte geschrieben: Sie stand als eine der ersten Frauen bei „Monsters of Rock“ auf der Bühne. Beim Wacken Open Air 2018 wurde sie von der amerikanischen Hall Of Heavy Metal History ausgezeichnet und befindet sich nun in der Gesellschaft von Ronnie James Dio, Lemmy Kilmister und „Judas Priest“. Nächsten Dienstag spielt sie in der Frankfurter „Batschkapp“. Olaf Neumann hat nachgefragt.

Frau Pesch, „Forever Warriors, Forever United“ – wofür kämpfen Sie seit 35 Jahren?

DORO PESCH: Für die guten alten Werte: Gemeinschaft, Zusammenhalt, Freundschaft, Verbundenheit, selbst wenn man nicht dieselbe Sprache spricht. Metalfans haben das Herz am rechten Fleck. Ich vertraue ihnen seit 35 Jahren mein Leben an, damit bin ich immer gut gefahren.

Vor 50 Jahren wurde der Begriff Heavy Metal geboren. Ist Metal heute die große konservative Kraft der Musikbranche.

PESCH: Absolut. Metal-Fans sind sehr loyal, das ist einmalig.

Welche musikalischen Mittel sind im Kampf erlaubt, welche nicht?

PESCH: Alles mit Liebe ist erlaubt! Bei mir kommt alles aus dem Bauch und aus der Seele. Das Herz entscheidet, wo die Reise hingeht. Jeder Song ist mit Liebe gemacht, deshalb nehme ich immer weltweit auf. Wenn ich das Gefühl habe, ein Song wird von einem besonderen Tontechniker besser verstanden, dann bin ich dort. Ich arbeite zum Beispiel sehr gerne mit Andreas Bruhn, dem Ex-Gitarristen der „Sisters Of Mercy“, zusammen.

Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Song mit dem Titel „If I Can’t Have You – No One Will“?

PESCH: Das ist ein brachiales Duett mit Johan Hegg von „Amon Amarth“ und eine obsessive Liebesgeschichte. Sehr leidenschaftlich! Johann hat eine tolle tiefe Stimme. Letztes Jahr wurde meine Platte „Triumph And Agony“ 30 Jahre alt. Aus dem Grund habe ich meinen alten Gitarristen Tommy Bolan angerufen, um das Jubiläum fett zu feiern. In einem Hotelzimmer in Norwegen haben wir dann bis um sieben Uhr morgens gejammt, dabei ist „If I Can’t Have You – No One Will“ herausgekommen. In dem Hotel waren hoffentlich nur Bands! Aber der Song hat wirklich schöne Melodien, und wer Musikfan ist, hat sich daran sicher erfreut. Das Demo habe ich Johan Hegg geschickt, der dann die Hälfte des Textes beigetragen hat.

Warum macht Sie schnelle, harte und laute Musik glücklich?

PESCH: Ich stehe auf beide Extreme: total harte Power-Musik und sehr melodische, gefühlvolle Klänge. Ich wollte schon mit drei Jahren Sängerin werden; meine erste Band hatte ich mit 15. Später gründete ich „Warlock“, das war die Zeit, wo Metal groß wurde. Am Anfang wusste ich gar nicht, dass unsere Musik Metal ist. Wir haben einfach das gemacht, was wir machen wollten: nämlich uns mit voller Power und viel Emotionen auszutoben. Als Teenager kann es einem nicht heavy genug sein. Heute muss ich immer eine Melodie und einen schönen Text haben.

Das „Motörhead“-Cover „Lost In The Ozone“ und Ihr eigener Song „Living Life To The Fullest“ sind Ihrem verstorbenen Freund Lemmy Kilmister gewidmet. Wie erinnern Sie sich an ihn?

PESCH: Die ganze Platte ist Lemmy gewidmet! Ich war todtraurig und bin zu seiner Beerdigung nach Los Angeles geflogen. Da kam mir die Idee zu „Living Life To The Fullest“. Ich wollte den Song sofort aufnehmen, um mit Lemmy verbunden zu bleiben.

Wie war Lemmys Beerdigung?

PESCH: Er liegt gegenüber von Ronny James Dio. Die Beerdigung war sehr traurig, aber schön gemacht. Es wurde auch Whiskey ausgeschenkt! Anschließend gingen alle ins „Rainbow“, wo sie sich in den Armen lagen. Das „Rainbow“ war Lemmys Lieblingsclub. Er hat dort immer gesessen und gequatscht. Lemmy war mein bester Freund im Musikzirkus. Er war ein ganz sensibler und er hat mir viel geholfen. Raue Schale, weicher Kern.

Inwiefern hat er Ihnen geholfen?

PESCH: Es war eine spezielle, sehr traurige Situation. 2000 ist mein Vater gestorben, und einen Tag später rief Lemmy bei mir an. Ich wollte eigentlich gar nicht rangehen, weil ich völlig am Ende war. Aber dann erzählte ich ihm, was los war. Er meinte, ich solle nach L.A. kommen und mit ihm zusammen Songs schreiben. Das habe ich ein paar Wochen später auch getan. Heraus gekommen sind meine ersten Duette. Lemmy hat sich sehr bemüht, mir gegenüber die richtigen Worte zu finden und mir wieder Hoffnung gegeben. Es war eine ganz heftige Situation.

Im Gegensatz zu Lemmy trinken und rauchen Sie nicht und essen auch kein Fleisch.

PESCH: Lemmy hat gern getrunken, und ich habe ihn immer durch L.A. gefahren. Da darf man ja in der Öffentlichkeit nicht trinken. Ich musste ihm immer Bescheid sagen, wenn die Luft rein war. Dann hat er seine braune Plastiktüte hervorgeholt und schön am Whiskey genippt. Ich war immer clean, ich bringe heute noch meine Band nach Hause. Lemmy und ich haben uns auch so super verstanden. Wenn man sich im Herzen mag, braucht man keinen Alkohol. Obwohl: Als ich ihn in einem Pub in England das allererste Mal traf, habe ich seinen Whiskey mit Cola nicht abgelehnt. Aber im Allgemeinen trinke ich nicht.

Hat Ihre lange Karriere auch etwas mit Ihrer Disziplin zu tun?

PESCH: Ich hatte nie die Ambition, Drogen zu nehmen, weil ich einmal ziemlich krank war. Bevor ich meine erste Band hatte, habe ich ein Jahr um mein Leben gerungen. Da habe ich gemerkt, wie lebenswert das Leben ist. Als Teenager will man ja alles ausprobieren, aber das hatte sich bei mir ziemlich schnell erledigt. Ich habe mir damals geschworen, wenn ich jemals lebend aus dem Krankenhaus rauskomme, mache ich etwas Schönes. Zwei Wochen später hatte ich meine erste Band.

50 Jahre sind vergangen, seitdem die Band Steppenwolf die Worte „Heavy Metal“ in dem Song „Born To Be Wild“ zum ersten Mal intonierte. Wie ist es um diese Musik heute bestellt?

PESCH: Super! In den 90ern hatte Metal eine heftige Durststrecke, weil der Grunge aufkam. Seit 2000 ist er weltweit wieder auf dem Vormarsch. Die Konzerte sind meistens knackig voll und Festivals wie Wacken sind in der Regel ausverkauft. Ich war jetzt das erste Mal in Sibirien, da waren 20 000 Leute aus ganz Russland, die alle Songs mitgesungen haben. Die Russen stehen besonders auf „Herzblut“ und „Für immer“.

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