Frankfurter Portikus zeigt eine Ausstellung zur Klangkünstlerin Marina Rosenfeld

Mikrofone fangen Laute und Geräusche ein

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Der Portikus ist laut Kurator Fabian Schöneich „akustisch eine Katastrophe“. Die in New York lebende Marina Rosenfeld nutzt ihn dennoch als Raum für ihre Klang-Experimente.

Es kratzt und zirpt, dann brummt und plingt es: Vier Lautsprecher beschallen den Ausstellungsraum des Frankfurter Portikus aus allen Ecken. Das Gebäude aus dem Büro Mäckler zählt zu den architektonischen Perlen der Stadt: ein Solitär und Traum an Proportion und harmonischer Einfügung auf der Maininsel, ohne zugleich auf Eigenständigkeit und sogar moderne Widerspenstigkeit zu verzichten. Akustisch jedoch, sagt Portikus-Kurator Fabian Schöneich, sei das Haus eine Katastrophe. Das macht in der Regel nichts, denn das Haus ist kein Konzertsaal, sondern Kunst-Ausstellungsraum mit enger Anbindung an die Städelschule.

Marina Rosenfeld jedoch ist Klangkünstlerin. Und das macht es besonders schwierig, eine Ausstellung in dem hohen, stark schallenden Raum zu konzipieren – und besonders reizvoll. Die Idee der in New York lebenden und arbeitenden Künstlerin geht zurück auf ein Experiment des amerikanischen Telekommunikationskonzerns At&T. Der hatte in den späten 90er Jahren versucht, mithilfe von Richtmikrofonen einen Raum so aufzunehmen, wie er sich anhört, wenn man in ihm steht. Das Ziel: Könnte man dies, müsste es auch möglich sein, diesen Klang und seine ganz spezifische akustische Erfahrung in einen anderen Raum zu transportieren. Die AT&Tler nannten das „wahrnehmbare Klangfeldrekonstruktion“.

Was nach hehrem Klangexperiment klingt, hatte natürlich Ziele, die auch mit der Möglichkeit spielten, Räume perfekt abhören zu können. „Deathstar“, Toter Stern, nennt Marina Rosenfeld ihr Projekt, der Titel bezieht sich auf die in vier Richtungen weisenden Mikrofone, die sternartig an der hohen Gebäudedecke hängen und jeden Klang im Raum aufnehmen.

Was sie auffangen, geben die Lautsprecher jedoch auch wieder – abgeschwächt und mit einer deutlichen Verzögerung von etlichen Sekunden. Und dieses Echo wird selbstverständlich abermals aufgenommen und ausgestrahlt. Irgendwann verebbt es. So ist der Rosenfeld-Portikus eine Echokammer, die reagiert auf das, was akustisch in ihr geschieht. Zu sehen ist sonst wenig: Von den Mikrofonen an der Decke führt ein dicker Kabelstrang in der Mitte des Raums zu einem Computer und einer Audio-Schnittstelle, und von dort verzweigen die Kabel diagonal zu den vier Lautsprechern in den Ecken. Sonst: weiße Wände, keine Ablenkung.

Zumindest nicht optisch. Klanglich sieht das anders aus. Denn die New Yorker Künstlerin ist auch Komponistin und spielt hier eine ihrer Arbeiten ab. Im Portikus überlagern sich also gewissermaßen zwei Arbeiten: Rosenfelds Klangkomposition einerseits und die Resonanzwiederholung andererseits. Wobei erstere die letztere logischerweise beeinflusst (siehe Artikelanfang: kratz, zirp, brumm, pling). Mit einer ganz speziellen Notation, die sich an herkömmliche Notensysteme für Musikinstrumente anlehnt, kann man es sogar aufzeichnen.

Marina Rosenfeld hat dafür eine Methode entwickelt. Im Portikus-Eingangsbereich kann man sich das ansehen: Man findet dort Noten mit extrem langen Notenhälsen, die dem Aufführenden einer solchen Komposition signalisieren, dass er hier, wenn er etwa am Flügel sitzt, extrem weit nach oben oder nach unten ausgreifen muss, um ein entsprechendes Klangfeld zu erzeugen. Und man findet, auf einer weiteren Notationsebene, kurze Textpassagen, Satzfragmente – zum Beispiel „What we wish right now . . .“ – die man aber wiederum nicht hören kann, weil die Sound-Installation sie zerlegt, zerhackt und in ihre einzelnen Klangbauteile zerfleddert.

Für den 31. März lädt der Portikus zu einer besonderen Aktion ein. Dann wird der Pianist Marino Formenti die in der Ausstellung gesammelten Notationen aufführen.

Bis 16. April, Portikus, Alte Brücke 2, Maininsel, Frankfurt. Bis 16. April, Di bis So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr. Telefon (069) 96 24 45 40. Internet

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