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Frontman Clemens Rehbein von Milky Chnace beim Konzert "Rock im Park" 2018.

„Mind The Moon“ erscheint Mitte November

"Kassel bleibt unsere Heimat": Clemens Rehbein von Milky Chance über Bowling und das neue Album

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Von Kassel in die Welt: Milky Chance sind mit ihrer Musik mega erfolgreich. Clemens Rehbein im Interview über Bowling und neue Musik.

Clemens Rehbein und Philipp Dausch starteten als Popduo mit einem Folktronica-Sound, der 2013 für den Hit „Stolen Dance“ sorgte – ausverkaufte Konzerte hierzulande, in Australien, Kanada, Neuseeland und USA folgten.

Mitte November erscheint ihr drittes Album „Mind The Moon“, von dem sie bereits drei Songs veröffentlicht haben*. Im Interview sprachen wir mit Clemens Rehbein über neue Musik, Regeln und Kassel.

Sind Sie ein Langschläfer?

(lacht) Nein, nein. Wir haben heute Promo-Tag in Berlin und schon einiges gemacht.

Wie sieht Ihr Leben aktuell aus?

Bald kommt das Album raus und es wird langsam wieder stressiger. Wenn wir in Kassel sind, dann sind wir relativ viel am Proben und es geht langsam los mit den Promo-Terminen. Die finden meistens in Berlin oder Köln statt.

„Mind The Moon“ ist das dritte Album von Milky Chance. Ist der Job mittlerweile Routine geworden?

Wir haben schon eine gewisse Routine entwickelt, vor allem beim Touren. Interviews geben und so, das haben wir jetzt schon oft gemacht. Aber das heißt nicht, dass es langweilig wird. Was das Aufnehmen der Songs angeht, haben wir einiges anders gemacht, um neue Wege zu gehen, damit es spannend bleibt.

Meinen Sie damit den neuen Sound und die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern?

Beides trifft zu und noch mehr ist neu: Wir hatten mehr Zeit und das Album an verschiedenen Orten und Studios aufgenommen. Album eins ist noch zu Hause bei meinen Eltern entstanden, das zweite in einem Studio. Jetzt haben wir in Kassel, Italien, Norwegen und Berlin aufgenommen.

Welches Lebensgefühl wollen Sie mit dem Albumtitel „Mind the Moon“ ausdrücken?

Lebensgefühl – soweit haben wir nicht gedacht. Ich würde sagen, die Musik handelt musikalisch und textlich von vielen verschiedenen Gefühlen. Der Albumtitel entstand, weil der Mond ein immer wiederkehrendes metaphorisches Mittel von uns ist. Er hat uns beschäftigt – vor allem während der besonders beeindruckenden Studiozeit in Norwegen, direkt am Meer.

Drei der zwölf neuen Songs sind Kollaborationen. Wie kam es zur Arbeit mit der australisch-maltesischen Singer-Songwriterin Tash Sultana?

Wir haben sie auf unseren Touren in Australien kennengelernt. Dort haben wir 2015 und 2017 auf Festivals gespielt. Wir waren dann mit ihr in Amerika unterwegs, haben dort die Lollapalooza-Festivals gespielt und so noch mehr Zeit miteinander verbracht. Das war cool und wir hatten voll Bock, gemeinsam etwas zu machen.

Tash Sultana lebt mit einer Frau zusammen. Was denken Sie über homophobe Politiker wie Bolsonaro oder Putin?

Ich finde jegliche Art von Ausgrenzung oder Diskriminierung schlecht und blöd. Aber ich denke, dass die Gesellschaft weltweit auf einem guten Weg ist. Es muss dennoch noch einiges passieren.

Im „Daydreaming“-Video spielt Philipp Dausch einen Blinden. Für was wird man im Popstar-Alltag blind?

Ich hoffe, ich bin für nichts blind geworden. Ich würde mich aber nicht als Popstar bezeichnen. Die können nicht unentdeckt auf die Straße gehen – das ist bei uns nicht der Fall.

Leben Sie noch in Kassel?

Ja, ich bin noch da.

Und wohin ist Philipp Dausch gezogen?

Das ist noch relativ frisch, er ist nach Berlin gezogen.

Wie wichtig ist Ihnen Kassel als Heimatstadt?

Es ist für uns beide die Heimatstadt. Das verändert sich auch nicht, wenn man wegzieht: Kassel bleibt unsere Heimat. Wir sind dort beide aufgewachsen, hatten eine sehr schöne Kindheit und haben schöne Erinnerungen daran. Das ändert sich nicht, weil man in eine andere Stadt zieht oder Bock auf einen Tapetenwechsel hat.

Sie haben mal gesagt, Sie wollen mehr als Band statt als Duo auftreten. Was ist daraus geworden?

Wir sind zu viert auf der Bühne, aber dass wir abseits der Konzerte als Duo auftreten, war für uns alle schon immer klar. Das ist unsere Arbeitsteilung. Wir haben zu zweit angefangen und dann sind wir größer geworden, das Basement sind schon wir beide. Und wenn es ums Songschreiben geht, sind es meist auch nur wir beide.

Im Video zu „The Game“ bowlen Sie. Fans raten Ihnen zu Nachhilfestunden.

(lacht) Wir machen es tatsächlich nicht oft, aber ich würde sagen, wir sind klassische europäische Durchschnitts-Bowler. Aber: Wenn ich einen guten Abend habe, bin ich gar nicht so schlecht.

In Kassel unterstützen Sie Nachwuchsmusiker, warum ist Ihnen das wichtig?

Es ist für uns mega cool, dass es die Levi’s Musikschule in Kassel gibt. Damit wollen wir Kassel auch etwas zurückgeben – oder: In so einer Stadt wie Kassel, also in einer kleinen Großstadt oder großen Kleinstadt, da geht kulturell nicht so sehr viel. Es gibt aber auf jeden Fall junge Leute, die versuchen, musikalisch etwas zu schaffen, was schwierig ist. Wir finden den Gedanken sehr schön, dass in Kassel eine Möglichkeit für junge Leute geschaffen wurde, Musik zu entdecken.

Warum steht Kassel nicht auf Ihrem Tourplan?

Die ersten Dates stehen, aber der Plan ist nicht fertig. Da kommt noch einiges. Ich denke, wir werden uns für Kassel etwas überlegen – bisher haben wir das immer gemacht.

Auf Ihrer Facebookseite gibt es einen Eintrag: „Das Gefühl nicht zu wissen, wie man mit dem Leben umgeht, das sich unerbittlich verändert.“

Das hat etwas mit dem Song „The Game“ zu tun. Weil das Leben einen manchmal erwischt und man einfach nicht weiter weiß. Zack – und alles ist anders als geplant. Das kann jedem passieren.

Ein Songzitat: „Jeder sagt, ihr träumt.“ Leben Sie Ihren Traum?

Ist das ein Traum? Es ist schon so, dass wir uns öfter mal kneifen und uns sagen: „Alter, krass dass das gerade passiert. Fühlt sich irgendwie unwirklich an, aber es passiert wirklich.“ Alles in allem sind wir einfach sehr zufrieden.

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