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Bei aller Skepsis ? Moby gibt die Hoffnung nicht auf.

Neues Album

Moby: Finstere Wolken ziehen auf

Er blickt auf eine lange Karriere als DJ und Songschreiber zurück. Nun ist Moby, Pionier der elektronischen Musik, etwas tourmüde. Der Amerikaner bleibt lieber daheim im Studio. Auf seinem neuen Album gibt er den Welterklärer.

Ein Beschwörer des reinen, unbeschwerten Spaßes war Moby eigentlich nie. Schon in den alten Rave- und Dance-Zeiten hat das Multitalent Wert auf Texte mit Tiefgang gelegt, von seinem politischen Aktivismus für Tierrechte und gegen mehrere republikanische US-Präsidenten ganz zu schweigen. Auf der neuen Platte, die heute in Deutschland erscheint, schlägt der 52-Jährige jetzt aber sehr nachdenkliche, teils dunkle Töne an.

„Es gibt durchaus noch Gründe, optimistisch zu sein“, räumt Moby am Telefon ein. In Los Angeles ist es erst früher Morgen – als „schon etwas älterer Mann“ sei er ja mittlerweile ans zeitige Aufstehen gewöhnt. „Doch es gibt auch viele gefährliche Dinge und Aussichten, die mich beschäftigen.“ Genau diese musikalisch anzupacken, sei die Idee, die hinter dem seinem 15. Longplayer steht.

„Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt“ (Alles war schön, und nichts tat weh) – der Titel klingt ein wenig nach dem Schwelgen in Erinnerungen an eine behütete Kindheit. Dass ein Bullen-Vater auf dem Cover seinem Kind eine Geschichte vorliest, mag da angesichts der Grundhaltung des überzeugten Veganers Moby noch ins Bild passen.

Gleich zu Beginn wird allerdings klar: Der Name – ein Zitat des Romans „Schlachthof 5“ von Kurt Vonnegut – kann bestenfalls ironisch gemeint sein. „Ich liebe die Naivität und Utopie daran“, erklärt Moby. „Es zeigt die Geschichte unserer Spezies. Heute haben wir die Fähigkeit, nach all dem Leiden früherer Zeiten ein Paradies zu erschaffen. Stattdessen erschaffen wir neue Höllen.“ Der erste Song „Mere Anarchy“ beschreibt eine chaotische, postapokalyptische Welt, in der Außerirdische die verlassene, verwüstete Erde besuchen.

Am anderen Ende schließt „A Dark Cloud Is Coming“ den Bogen. Was für eine finstere Wolke da genau heranzieht, will Moby nicht verraten. Er deutet nur an: „Die meisten von uns in Nordamerika und Westeuropa wuchsen in stabilen Verhältnissen auf. Aber es ist ein Trugschluss zu glauben, dass alles so bleibt, nur weil es heute so ist, wie es ist.“

Er sehe große Gefahren am Horizont – Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika, gezüchtete Killerviren, nukleare Kriege. Er sehe aber auch Hoffnung: „Wir lernen langsam Methoden, um Dinge zu verbessern.“

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