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Lady Susan (Kate Beckinsale) begutachtet die Männer.

Verfilmung des unvollendeten Briefromans "Lady Susan"

Mutter und Tochter suchen zwei dumme Ehemänner

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"Love & Friendship" ist die Verfilmung des unvollendeten Briefromans "Lady Susan" von Jane Austen. Kate Beckinsale spielt unter der Regie des Amerikaners Whit Stillman.

Der unvollendete Briefroman „Lady Susan“ gehört zu den frühesten Werken Jane Austens („Sinn und Sinnlichkeit“), wurde aber erst nach ihrem Tod veröffentlicht. Mit seiner unromantischen Herangehensweise sowie einer bitterbösen Hauptfigur nimmt er eine Sonderstellung ein, nicht nur in der Literatur seiner Zeit, sondern auch in Austens (1775–1817) Gesamtschaffen. Mit Whit Stillmans „Love & Friendship“ ist der Stoff nun zum ersten Mal ins Kino gelangt.

Seit dem frühen Tod des Ehemannes sind Lady Susan (Kate Beckinsale) und ihre Tochter Frederica (Morfydd Clark) auf die Unterstützung der weitläufigen Verwandtschaft angewiesen. Das Anwesen in Langford mussten sie verlassen, weil die attraktive Witwe ein wenig zu offensichtlich mit dem verheirateten Hausherrn geflirtet hat. Und so geht es nach Churchill, zu Schwager und Schwägerin, die sich etwas befremdet über die plötzliche Zuneigung in ihr Gastgeberschicksal finden. Lady Susan setzt alles daran, für sich und ihre Tochter eine gute Partie ausfindig zu machen. Für Frederica hat sie den strohdummen, aber stinkreichen Sir James Martin (Tom Bennett) ausgesucht, während sie selbst den Bruder ihrer Gastgeberin, Reginald DeCourcy (Xavier Samuel) um den Finger wickelt, aber auf Abstand hält, um weitere Möglichkeiten zu prüfen.

Lady Susan ist eine Frau, wie man sie in einem Jane-Austen-Film noch nicht gesehen hat: eine hochintelligente, fantasievolle Intrigantin, lieblose Mutter und versierte Lügnerin, welche die Mechanismen der besseren Gesellschaft genau kennt und auszunutzen weiß. Keine langweilige Sympathieträgerin, sondern eine schillernde, bösartige Gestalt, die den Herzschlag dieses Kostümfilmes bestimmt. Regisseur und Drehbuchautor Whitman schwelgt in den scharfzüngigen Dialogen, die vor allem immer wieder die patriarchalen Machtstrukturen lustvoll unterminieren. „Er ist zu alt, um ihn herumkommandieren zu können, und zu jung, um bald zu sterben“ kommentiert Lady Susan die Partnerwahl einer Freundin.

Aber in der Pointiertheit der Drehbuchzeilen liegt auch ein Problem des Filmes: seine Wortverliebtheit. Über weite Strecken nimmt sich „Love & Friendship“ wie ein teuer kostümiertes Hörspiel aus Teesalons und Ankleidezimmern aus, mit spärlichen Außenaufnahmen. Im Vergleich etwa zu Joe Wrights Verfilmung von „Stolz und Vorurteil“ hat diese Jane-Austen-Fassung visuell jenseits weiblicher Kleiderpracht kaum etwas zu bieten. Die Kameraarbeit von Richard Van Oosterhout bleibt ungelenk, und die Schrifteinblendungen, in denen die handelnden Figuren vorgestellt werden, wirken wie allzu angestrengte Auflockerungsversuche. Annehmbar

Frankfurt: Cinema (D+OmU)

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