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Zwei Typen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Christian Fischer und Markus Majowski in der Frankfurter ?Komödie?.

Turbulentes Krimistück an der "Komödie"

Naivling treibt skrupellosen Killer in den Wahnsinn

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Die Kinoverfilmung mit Jack Lemmon und Walter Matthau war ein großer Erfolg. Jetzt ist das Theaterstück „Die Nervensäge“ in der Frankfurter „Komödie“ zu sehen.

Mit dem Tod kennt Ralph sich aus – schließlich ist er Berufskiller, der just von dem Hotelzimmer aus, das dummerweise auch von François Pignon gebucht wurde, einen Mafia-Kronzeugen vor dem Justizgebäude erschießen soll. In der mehrfach verfilmten Komödie „Die Nervensäge“ (Bearbeitung: Jürgen Wölffer) scheitern letztlich beide Männer ihren so unterschiedlichen Vorhaben – und dieses Versagen ist von der Schweizer Regisseurin Pia Hänggi, Spezialistin für solche Stoffe am Haus, so turbulent und gekonnt in Szene gesetzt, dass das Publikum aus dem Lachen kaum noch herauskommt.

Das 1970 uraufgeführte Theaterstück lebt vor allem von der Gegensätzlichkeit der beiden hier trefflich ausgesuchten Hauptdarsteller. Markus Majowskis Pignon, frisch von seiner Ehefrau Louise verlassen und deshalb zutiefst verzweifelt, ist ein unbeholfener, naiver Typ, herzensgut, aber sterbenslangweilig und ungemein eloquent.

Christian Fischers Ralph hingegen ist ein skrupelloser Mann, ungeduldig, berechnend, jähzornig. Majowskis eher untersetzte Gestalt, sein blasses Gesicht, seine groß aufgerissenen Augen unterstreichen das Klischee des am Leben verzweifelnden Vertretertypen ebenso, wie Fischers eher sportlicher Körper, sein immer wieder vor Zorn und Ungeduld rot anlaufendes Gesicht und sein vehementes Auftreten für den durchtriebenen Berufskiller stehen, den eigentlich alles kalt lässt, der hier aber ständig an die Grenzen seiner Geduld getrieben wird.

Tom Grasshoff hat die Tragikomödie in die Pariser Edelsuite 503 mit Blümchentapeten, hohen Decken und knappem Mobiliar verfrachtet, das diesem eher angestaubten Stück etwas Frisches verleiht.

Als der Hotelportier (ölig-pomadig: Gabriel Spagna), der vom ersten Moment ungemein penetrant und aufdringlich erscheint, entdeckt, dass Pignon sich per Strick etwas antun will, bittet er ausgerechnet Ralph um Beistand, damit er die Polizei rufen kann. Verständlicherweise ist diesem wenig an der Anwesenheit von Polizisten im Hotel gelegen, und so verspricht er dem Portier, auf Pignon aufzupassen, wenn dieser die Uniformierten aus dem Spiel lässt. Diesen Deal kann François Pignon nur missverstehen: Er glaubt in Ralph einen Freund fürs Leben gefunden zu haben, zieht diesen in seine Geschichte hinein und entwickelt sich verbal zu einer unglaublichen Nervensäge. Das Stück erreicht einen ersten Höhepunkt, als Louises neuer Gefährte, der Psychiater Dr. Wolf (ein rechtes Ekel: Dirk Waanders), die Szene betritt und Pignon mit Ralph verwechselt, diesen heftig aufs Bett knallt und ihn auffordert, von seiner Geliebten, Pignons Exfrau Louise (Christine Richter mit der Neigung zur Hysterie), die Finger zu lassen. Überhaupt ist die Verwechslung von Personen ständiger Handlungsmotor.

Insgesamt bot die Premiere eine gute Teamleistung mit zwei Hauptfiguren, die sich nichts schenken und aus der verzwickten Situation ein Katz-und-Maus-Spiel entwickeln, das virtuos ist. Verdienter, langanhaltender Applaus war der Lohn für diese Meisterleistung.

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