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Nena (links) im Bühnenlicht: Ihre Clubtour führte zunächst in die "Batschkapp". Eine große Hallentour soll folgen. Foto: Sven-Sebastian Sajak

Batschkapp Frankfurt

Nena: Ich glaub, ich bin nicht normal

Nena, ewig junge Frontfrau der einstigen NDW-Band, zeigte sich in der Frankfurter Batschkapp einmal mehr als Pop-Dauerbrenner.

Von Maximilian Steiner

Welche Lawine er da lostreten würde, war Mike Leckebusch, Chef der TV-Show „Musikladen“, am 17. August 1982 wohl nicht klar: „Nur geträumt“ sang die deutsche Nachwuchsband „Nena“ – und wenig später ging dieser Traum tatsächlich in Erfüllung: In den vergangenen 33 Jahren verkaufte sie rund 25 Millionen Tonträger.

„Hast Du“ – nur zwei Worte muss „Nena“ ansingen – den Rest übernimmt in der keineswegs ausverkauften Batschkapp die treu eingeschworene Fangemeinde aus Alt und Jung. Doch nicht nur „99 Luftballons“ mit seinen Topplatzierungen in England und Amerika 1983 kommt textsicher aus den Mündern derer, die stolze 73,27 Euro pro Ticket berappt haben. Auch der Rest der Songs sitzt tadellos.

Gleich, ob es sich um Hitklassiker wie „Nur geträumt“, „Leuchtturm“, „Wunder gescheh’n“ oder „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, oder aber um Lieder des aktuellen Albums „Oldschool“ handelt: „Nena“ ist, trotz einiger Aufs und Abs, längst ein Pop-Markenartikel. Zumal die ehemalige Jurorin der Castingshow „The Voice Of Germany“ ja auch noch das Geheimnis unvergänglicher Jugend entdeckt zu haben scheint. Im wohl nicht nur zufällig reichlich gedimmten Lichterschein jedenfalls hüpft die bald 55-Jährige makellos schlank im hautengen hippen Outfit mindestens so ernergisch umher wie ihre 24 Jahre alte Tochter, eine von vier Chorstimmen.

Larissa, Nenas Nachwuchs aus der Verbindung mit Schauspieler Benedict Freitag, durfte mit ihrer Band „Adameva“ gar den Reigen eröffnen. Auch Larissas Zwillingsbruder Sakias zählt zum Stimmenquartett. Ebenfalls mit von der Partie ist Halbbruder Simeon, Vater ist Nenas gegenwärtiger Partner, Musikproduzent Philipp Palm – der 17-Jährige ist Keyboarder in der fünfköpfigen Band. Obwohl aber das eigen Fleisch und Blut im Hintergrund mitagiert, dreht sich trotzdem alles um Frau Mama. Seit „Nena“ als Pin-Up die Teenpostillen zierte, ist sie eingebrannt ins deutsche Pop-Gedächtnis. Mit „Noch einmal“ vom selbstbetitelten Debütwerk von 1983 startet ihr Rückblick-Marathon mit mehr als zwei Dutzend Songs. Gleich danach biegt die Truppe mit „Lieder von früher“, „Ja das war’s“, „Betonblock“ , „Kreis“ und „Zaubertrick“ schnurstracks ab in Richtung Neuzeit – das Material von „Oldschool“, produziert von Rapper Samy Deluxe, ist stilistisch facettenreich zwischen Rock, Pop, Funk, Elektro und Rap.

Nicht gerade gesprächig ist das NDW-Idol. Einmal erwähnt sie: „War ’ne tolle Zeit im Studio mit Samy!“, ein paar Mal sagt sie Floskelhaftes wie: „Ich liebe Euch, Leute!“ Klar doch, schließlich ermöglichen die Fans der „Dreifach-Oma“, wie sie sich selbst tituliert, ein zumindest finanziell sorgloses Leben. Da passt es, wenn sich Gabriele Susanne Kerner im Titelsong „Oldschool“ und auch in „Berufsjugendlich“ selbst auf die Schippe nimmt, obwohl das ja eigentlich irgendwie uncool ist. „Ich glaub, ich bin nicht normal“, bekräftigt sie ihren Ausnahmestatus in „Berufsjugendlich“. Tiefgründig geht aber auch: In „Bruder“ gedenkt sie ihres erstgeborenen Sohns Christopher Daniel, gestorben im Alter von 11 Monaten. Gleich, was sie tut, „Nena“ hat stets ihren ureigenen Kopf. Um das zu manifestieren, hätte es Songs wie „Mach doch, was ich will“ nicht unbedingt bedurft. Vom „Schicksal“ singt sie auch, die unverwüstliche Ikone einer längst vergangenen Ära, die vielen Menschen noch immer so gegenwärtig ist.

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