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Regisseur Lee Tamahori (66) stammt aus Wellington.

Bond-Regisseur Tamahori im Interview

"Nur Hollywood hat viel Geld"

Der Filmemacher Lee Tamahori aus Neuseeland hat in seiner Heimat zur Abwechslung eine Independent-Produktion gedreht: einen "Western" über eine Eingeborenenfamilie. Mit "Mahana ? Eine Maori-Saga" nahm Tamahori am Wettbewerb der jüngsten Berlinale teil. Dort sprach Dieter Oßwald mit dem in Wellington geborenen Regisseur (66).

Mit „Die letzte Kriegerin“ hat der Neuseeländer Lee Tamahori 2004 ein furioses Debüt gehabt. Zum Dank folgte der Ruf aus Hollywood sowie der Regie-Job für „James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag“. Es folgte das Actionwerk „xXx 2 – The Next Level“. Nun kehrte Tamahori in seine Heimat zurück, um abermals einen Film über eine Eingeborenen-Familie zu inszenieren. Mit „Mahana – Eine Maori-Saga“ nahm Tamahori am Wettbewerb der jüngsten Berlinale teil. Dort sprach Dieter Oßwald mit dem in Wellington geborenen Regisseur (66).

Mr. Tamahori, in einer Szene Ihres neuen Films schauen sich die Helden im Kino einen Western an, und plötzlich reitet ein Pferd durch den dortigen Saal. Wie kommt man auf solche Einfälle?

LEE TAMAHORI: Das habe ich als Kind einmal tatsächlich so erlebt. Plötzlich kamen Männer auf Pferden in das Kino, die ein solches Chaos auslösten, dass man den Film nicht mehr verstehen konnte. Es war zum Brüllen komisch. Es ist zudem eine kleine Reverenz an den Western, schließlich ist unser Film ja ganz im Stil dieses Genres gedreht. Auf der Leinwand läuft bei dieser Szene übrigens „Zähl bis drei und bete“, mein Lieblingswestern.

In einer wichtigen Szene wehrt sich der junge Held dagegen, dass in den 60er Jahren die Sprache der Maori vor Gericht nicht erlaubt ist. Wie steht es heute um die Akzeptanz der Ureinwohner?

TAMAHORI: In Neuseeland wird gerne so getan, als würde es Rassismus hier nicht geben. Das Problem ist nicht so groß wie in den USA oder in Australien, aber es ist natürlich auch bei uns vorhanden. Es gab zwar nie eine Rassentrennung wie im Amerika der 60er Jahre, dennoch war die Sprache der Maori in der Schule oder vor Gericht beispielsweise nicht akzeptiert. Die Statistik zeigt eindeutig, dass es Maori und Polynesiern wirtschaftlich viel schlechter geht als dem Rest der Bevölkerung und sie durchschnittlich eine geringere Bildung haben.

Wie war für Sie die Rückkehr von Hollywood in die Heimat Neuseeland?

TAMAHORI: Ich habe meiner Heimat nie ganz den Rücken gekehrt, sondern bin lediglich für die Vorbereitung von Filmprojekten sowie die anschließenden Dreharbeiten nach Amerika oder Europa gereist. Dass ich nun einen Film in Neuseeland drehe, war eher Zufall. Mein Produzent von „Die letzte Kriegerin“ schlug mir den Roman „Bulibasha“ von Witi Ihimaera vor, der mir auf Anhieb gut gefiel, weil er mich sehr an meine eigene Jugend erinnerte.

Fühlt man sich als Künstler nicht wohler bei solch einem anspruchsvollen Projekt als bei einer Action-Fortsetzung aus Hollywood?

TAMAHORI: Nein, eigentlich nicht. Ich glaube, man hat vielfach ein falsches Bild davon, wie Hollywood-Studios arbeiten. Auf gewisse Weise ist es einfacher, einen Studio-Film zu drehen, weil man viel Geld und Ressourcen zur Verfügung hat. Das einzige Problem entsteht erst nach den Dreharbeiten durch die Testvorstellungen, die von den Studios enorm ernstgenommen werden. Wenn das Publikum dabei anders reagiert als erwartet, wird man gezwungen, den Film umzuschneiden oder gar Szenen nachzudrehen.

Waren die Sonderwünsche der Stars nie ein Problem für Sie?

TAMAHORI: Natürlich gibt es Schauspieler, deren Ego bisweilen ein bisschen höher ist als bei anderen Menschen. Aber damit muss man eben umzugehen wissen. Ich finde es im Vergleich dazu weitaus anstrengender, einen unabhängigen Film zu drehen, weil man ständig mit Finanzproblemen zu kämpfen hat. Bei „Mahana – Eine Maori-Saga“ mussten wir letztlich mit zwei Dritteln des ursprünglich geplanten Etats zurechtkommen. Dagegen ist Hollywood eine echte Komfortzone.

Die Eröffnungsszene Ihres Film bietet ein rasantes Autorennen zweier verfeindeter Familien zu einer Beerdigung. Dabei fühlt man sich fast ein wenig an „James Bond“ erinnert...

TAMAHORI: Im Roman kommt dieses Autorennen erst später vor, aber ich fand das als Eröffnungssequenz eine überzeugendere Idee. Meines Wissens wurde damit bislang noch kein Kinodrama begonnen. Der große Vorteil bei solch einem Einstieg besteht darin, dass man die Zuschauer damit vom ersten Moment an fesseln kann. Das Publikum wird kaum vorzeitig den Film verlassen, weil es hofft, später nochmals eine ähnlich rasante Szene geboten zu bekommen!

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre Zeit als „James-Bond“-Regisseur zurück?

TAMAHORI: James Bond war körperlich und geistig zwar sehr anstrengend, aber für mich war das eine großartige Zeit. Wir hatte großen Spaß bei den Dreharbeiten, deshalb war „007“ die schönste Erfahrung, die ich als Regisseur in meinem Leben je hatte.

Hatten Sie auch Einfluss auf die Wahl der Bond-Girls?

TAMAHORI: Absolut, Halle Berry als Bond-Girl zu besetzen, war meine Idee.

Vom 1. September an in den Kinos

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