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Ein Prüfer schaut sich die vertauschten Oscar-Umschläge an.

Oscar-Verleihung 2017

Panne bei der Verleihung: Falscher Sieger-Umschlag

Statt „Moonlight“ wurde bei der Oscar-Gala versehentlich zunächst „La La Land“ als Gewinner-Film ausgerufen. Zwei verwechselte Umschläge hatten zu dem Irrtum geführt.

So etwas hat es bei den Oscars noch nie gegeben: Das Team des Musicals „La La Land“ steht in Hollywood bereits jubelnd auf der Bühne und feiert seinen Oscar für den besten Film. Doch dann bricht der Jubel jäh ab – denn nicht „La La Land“, sondern das Schwarzen-Drama „Moonlight“ hat den wichtigsten Preis des Abends gewonnen. Schuld an dem Durcheinander ist eine Riesenpanne mit verwechselten Umschlägen, in denen die Karten mit den Gewinnern stecken. Die Hollywood-Schauspieler Warren Beatty (79) und Faye Dunaway (76) hatten den falschen Umschlag in den Händen und verkündeten daher zunächst auch den falschen Gewinner. Damit wird diese Oscar-Gala mit dem Chaos der letzten Showminuten in Erinnerung bleiben. Die für die Umschläge verantwortlichen Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers baten zerknirscht um Entschuldigung: „Wir untersuchen derzeit, wie das passieren konnte, und bedauern zutiefst, dass das vorgefallen ist.“

Ein sichtlich geknickter Beatty sagte kurz nach dem Vorfall, er habe sich gewundert, dass auf dem Zettel „Emma Stone“ und „La La Land“ gestanden habe. Deswegen zögerte er auf der Bühne wohl auch einige Momente, einen Gewinner zu verkünden. Die neben ihm stehende Dunaway hingegen las dann einfach den Filmtitel ab: „La La Land“. Die beiden hielten aber den Umschlag der vorausgegangenen Kategorie in den Händen, bei der Emma Stone als beste Hauptdarstellerin gewonnen hatte. Die Aufregung nach gut dreieinhalb Stunden Show verhinderte zunächst auch, dass der eigentliche Gewinner des Abends gebührend gefeiert wurde: Schließlich ist es durchaus eine kleine Sensation, dass „Moonlight“, mit einem Budget von nur rund fünf Millionen US-Dollar gedreht, am Ende in der Königskategorie über „La La Land“ triumphierte.

Es war die erste Oscar-Show in der Ära Trump. Der große Schlag gegen dessen Politik blieb in dieser Nacht aber aus. Anders als bei den Golden Globes, wo Schauspielerin Meryl Streep im Januar klare Worte gegen Trump gefunden hatte, gab es bei den Oscars nur Spitzen gegen den Präsidenten. Moderator Jimmy Kimmel etwa witzelte, die Oscars hätten keine Toleranz für „fake news“ (Falschmeldungen), nur für „fake tans“, also künstliche Bräune.

Das Internet lachte derweil unter den Hashtags #EnvelopeGate und #Oscarfail über die Panne. Die überraschende Wendung, dass der zunächst verkündete Sieger doch nicht gewonnen hatte, löste bei vielen Twitter-Nutzern neue Hoffnungen aus. Der amerikanische Politikberater Peter Daou postete etwa: „Wie viele Amerikaner würden sich das Ende der Oscar-Verleihung auch als Ergebnis der Präsidentschaftswahl wünschen?“ Auf vielen Montagen wurde Hilary Clinton als neue Präsidentin verkündet. Auf einem anderen bearbeiteten Bild hielt Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter den berüchtigten Sieger-Zettel in der Hand. Die Fußball-WM 2022 werde im „La La Land“ stattfinden.

Zwar stand die Panne bei Twitter im Vordergrund, doch ein relevantes Fazit zog Adam MS: „Die Oscars 2017: Ein Moslem gewinnt mit ,Moonlight’, einem Film über homosexuelle, afroamerikanische Männer, der Iran gewinnt den besten fremdsprachigen Film, schwarze Schauspieler gewinnen, Geschichten über Homosexuelle gewinnen – das ist Amerika!“

(dpa,rin)

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