Berliner Reggae für Frankfurter: Johnny Strange (links) gibt ?Culcha Candela? den Rhythmus vor.
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Berliner Reggae für Frankfurter: Johnny Strange (links) gibt ?Culcha Candela? den Rhythmus vor.

Culcha Candela in der Alten Oper

Pausenlose Gute-Laune-Animation

  • vonMarcus Hladek
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Mit ihrem Programm „Candelistan“ bestritt die Berliner Multikulti-Spaßband „Culcha Candela“ ein Konzert in Frankfurts Alter Oper.

Erste Reaktion: Muss man erlebt haben, um es zu glauben. Auf die Lieder kam es an dem Abend scheinbar gar nicht an, weil alles Instrumentale auf Konserve gespielt oder pure Elektronik war und die Show als Kontinuum verströmte: pausenlose Gute-Laune-Animation im Dauerrhythmus (Reggae, Dancehall, Hip-Hop), wahre Unruh-Sänger und schöne Tänzerinnen zwischen Club Robinson und Pole Dance mit Soli im Takt der Lieder.

Zweiter Gedanke: Eigentlich, aus Frankfurter Sicht, ist die Party-Band aus Berlin die wahre Erbin des „Blauen Bock“ mit Heinz Schenk. Stimmte der seine Leut’ mit „Schunkeln“ im Bembel-Ambiente auf Wärme und Nähe ein, so kommt bei „Culcha Candela“ („Culcha“ wie „culture“ in Pidgin) keiner ums Mitmachen herum: Arme wedeln, Refrains dudeln, Zwangs-„Highfive“ mit allen Sitznachbarn wie beim pseudo-rituellen Friedensgruß, Tanzen in den Reihen, Tanzen auf der Tribüne, vereinzelt auch mit „Culcha“ auf der Bühne.

Und damit nicht genug. Trug Schenk den Ruhm des Frankfodder „Stöffche“ in die Welt hinaus, so warben die Berliner Johnny Strange & Co. jetzt im Song „Lass ma einen bauen“ für die Gleichbehandlung des grünen Rastaman-„Stöffches“ mit dem Alkohol. Ihr Ziel: nicht Prohibition für beides, sondern „Legolisierung“ der grünen „Steine“, die die „schönen Mädchen aus Kasachstan“ und „schönen Mädchen aus Vietnam“ wundersam stoned und locker machen: „Komm, wir ziehen durch bis zum Morgengrauen/ Lets smoke together.“ Wohltuend auch, wie „Culcha“ ein bisschen „macho“, aber unverdrossen triebecht die „Schönen Frauen“ besingt, statt Amouröses nur im Sinn polit-korrekter Propaganda für sexuelle Abwege zu kennen. Kurz, „Culcha“ hat nix gegen Schwule, lässt deren Diskursdominanz aber links liegen. Bravi!

Nicht zuletzt lud Heinz Schenk, Frankfurts heimlichster Sponti und auf seine Art strenge „Frankfurter Schule“, gern sich Gäste ein. Viele konnten singen, all die Bürgermeister oder „talking heads“ aus den Nachrichten aber kein bisschen, also ließ Old Blue Heinz sie den asynchronen „Playback“-Karpfen machen und überspielte die schale Nachwirkung mit Sketchen. „Culcha“ perfektioniert das, weil in der Show, diesem Riesensketch, alles auf die Live-„Wortbeiträge“ ankommt: Johnny Strange, Itchyban und (fürs Spanische) Don Cali im Gesang und mit Ansagen in Endlos-Animation. Süß, nebenbei bemerkt, dass das Quartett die Alte Oper offenbar für eine Oper hielt.

Spaß hat das Ganze aber gemacht. Und auf die Songs kam es sehr wohl an.

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